Alles wird besser? Veränderungen im Studiengang Regionalentwicklung und Naturschutz

Alles ist im Wandel - so auch unsere Studiengänge. Das letzte Mal wurden sie im Herbst 2014 von der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur (ZEvA) reakkreditiert. Nun fünf Jahre später tun wir es wieder - überarbeiten Inhalte, Form & Studienprüfungsordnungen. Auf unser diesjährigen Klausurtagung steht die Akkreditierung ganz oben auf der Agenda. Auf unserem blog ebenfalls, wir wollen wir den Prozess nachvollziehbar machen und stellen Beiträge zum Thema online - beginnen wir mit Prof. Dr. Horst Luley - Studiengangsleiter Regionalentwicklung und Naturschutz (M.Sc.).


Herr Luley, der Master-Studiengang Regionalentwicklung und Naturschutz (RuN) wurde das letzte Mal im Jahr 2014 akkreditiert. Wie hat diese Akkreditierung den Studiengang damals verändert?

Bei der letzten Reakkreditierung haben wir kleinere Module von vier auf sechs ECTS-Credits umgestellt, das heißt, wir haben auch Fächer zusammengelegt und Inhalte in größere Module integriert. Dadurch gibt es

weniger Prüfungen und der Stundenplan

ist für die Studierenden günstiger zu gestalten.


Wie wird die Reakkreditierung den Studiengang RuN verändern?

Das kann ich jetzt noch nicht genau sagen, denn ich kann meinen Kolleg*innen nicht vorgreifen. Wir haben grundsätzlich den Eindruck, dass die Studierenden und die Absolvent*innen recht zufrieden sind mit ihrem Studiengang. Aber in der Gewinnung von Bewerber*innen ist es sehr schwer, die Vorzüge und Besonderheiten von RuN, wie auch die große Gruppenkohärenz und den Spaß, den die Studierenden haben, nach außen über die Webseite oder den Flyer zu kommunizieren. Auch dass wir relativ breit aufgestellt sind und dass sehr viele verschiedene Berufsfelder gibt, die man/frau hinterher gut ausgebildet antreten kann, ist schwer kommunizierbar. Da müssen wir Lösungen finden und das wird bei der Reakkreditierung eine Rolle spielen.


Wird es inhaltliche Veränderungen geben?

Ja, wir würden das sehr wichtige Thema Biodiversitätsmanagement aufnehmen und damit auch versuchen, aktuelle Bedarfe abzudecken. Das könnte eine neue Spezialisierungsrichtung werden. Mit dem neuen Thema und eventuell auch neuen Lehrkräften könnten wir ein besseres Angebot machen. Denn wenn wir über Nachhaltigkeit reden, dann müssen wir es schaffen, dass naturschutzfachliche Anforderungen in die landwirtschaftliche Produktion mit aufgenommen werden. Wir müssen die Erzeugung so umgestalten, dass wir die Arten erhalten, die wir hier in der Feldflur hatten und die wir auch wieder haben wollen. Diese Integration von ökologischen Gesichtspunkten in die landwirtschaftliche Produktion wird von der Forschung her nicht leicht werden und dies auch in der Lehre und in der Zusammenarbeit von den Dozent*innen umzusetzen, ist ein hoher Anspruch. Wir zielen dabei sowohl auf Flächen, die von Landwirt*innen bewirtschaftet werden, als auch auf kommunale Flächen und auf Wald. Da brauchen wir sowohl die ökologische Kompetenz als auch die Fähigkeit, mit den Kommunen oder mit den Landnutzer*innen brauchbare Lösungsmöglichkeiten auszuarbeiten. Dafür muss man sehr stark die sozioökonomische Seite -besonders bei der Landwirtschaft- und die ökologische Seite miteinander in Verbindung bringen. An dieser Schnittstelle sind wir bereits gut und da müssen wir auch bei dem neuen Thema Biodiversitätsmanagement daran arbeiten, dass wir das gut integrieren.


Wird es dafür neue Lehrkräfte geben? Werden es eher Externe sein oder wird es dafür neue Stellen geben?

Wir werden weiter mit externen Expert*innen zusammenarbeiten. Wir haben da zum Beispiel schon eine gute Zusammenarbeit mit Dr. Stein-Bachinger vom ZALF. Wir würden auch aus anderen Organisationen, wie zum Beispiel dem Landschaftspflegeverband stärker Expert*innen heranziehen. Auch am Fachbereich Wald und Umwelt wurden zwei neuen Professuren geschaffen: Ecological Restauration und Big Data. Weil diese am Fachbereich nicht ganz ausgelastet sind kann es sein, dass wir zusätzliche Lehrkapazitäten bekommen. Es gibt auch das Fachgebiet Wildtiermanagement, auch das ist eine interessante Schnittstelle.


Wir der Studiengang auch für die Studierenden des Bachelors Ökolandbau und Vermarktung (ÖLV) interessanter?

Ja, denn wir wollen die Hürde, dass Bewerber*innen 50 ECTS-Credits im Bereich der Ökologie und Landschaftsplanung nachweisen müssen, absenken. Diese Vorgabe erreichen die Absolvent*innen des ÖLV selten. Aber deren Agrarkompetenz und auch soziale Kompetenz würden wir gerne nutzen.

Wir haben jetzt über inhaltliche Veränderungen gesprochen. Wird es auch methodisch Veränderungen geben? Der Studiengang RuN ist ja sehr kompetenzorientiert und an dem Konzept der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgerichtet.

Nun, Kompetenzen vermitteln andere auch, aber es ist ein großer Unterschied, ob ich Kenntnisse erwerbe oder ob ich kommunikative und methodische Skills trainiere, die ich dann immer wieder neu anwende. Natürlich braucht es auch beides. Aber wir orientieren uns stark an methodischen Fähigkeiten, mit Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gesagt: an hoher Gestaltungskompetenz und hoher Sozialkompetenz. Das sind meiner Meinung nach auch Erfolgsfaktoren und die wollen wir weiter pflegen. Wir werden deshalb versuchen, die Modulbeschreibungen und Modulkonzepte noch stärker und durchgehend an den Gestaltungskompetenzen auszurichten.

Methodisch werden wir auch mehr digitale Elemente modulspezifisch einbauen müssen. Möglich sind auch Brückenangebote für Bewerber*innen, ähnlich wie das E-Learning-Modul Landschaftsplanung. So können grundlegende Themen schon vor Semesterbeginn angeboten werden. Dabei müssen wir Wege finden, zusätzliche Angebote so zu verankern, dass auch Lehrdeputat dafür vergeben werden kann.


Wie verläuft der Prozess der Reakkreditierung?

Für den RuN gibt es einen Fahrplan: Wir haben eine „kleine RuN-Runde“, das sind nur Studiengangsleiter, Stellvertretung und Studienfachberatung, die bereits etwas vorbereitet haben. Dann gibt es die „große RuN-Runde“, da sind dann alle Modulverantwortlichen dabei. Wir machen durch die Cluster-Akkreditierung von vier Studiengängen viele Sachen parallel: Wir machen bei jedem Studiengang die notwendigen Verbesserungen, dann überprüfen wir die Verbindung zwischen den Studiengängen: Wie hat sich der Bachelorstudiengang LaNu verändert, wie bauen wir darauf auf? Dann schauen wir auch auf den Masterstudiengang Ökoagrarmanagement: Sind die Master schlüssig voneinander abgegrenzt, gibt es Synergien?

Wenn wir die Verbesserungen in den Studiengängen bis in die Modulebene hinein vorgenommen haben und die wechselseitige Abstimmung mit den anderen Studiengängen erfolgt ist, schreiben wir den Selbstbericht für die Akkreditierungskommission. Die Kommission überprüft dann gemeinsam mit Fachleuten die Plausibilität, die Studierbarkeit und auch die Jobaussichten. Nach der Prüfung des Berichts kommt die Kommission dann auch hierher und sprechen mit allen: Mit dem Präsidenten, mit dem Fachbereich, mit Dozierenden und mit den Studierenden.


Wie werden die Studierenden an dem Reakkreditierungsprozess beteiligt?

Die Studierenden werden unabhängig von Dozierenden von der Kommission befragt. Im Fachbereichsrat werden die neuen Studien- und Prüfungsordnungen erläutert und beschlossen, hier sind die studentischen Vertreter*innen an dem Prozess beteiligt.

Zusätzlich haben wir im RuN in einem Workshop im Mai Studierende befragt und um Vorschläge gebeten, die Ergebnisse bringe ich in die große RuN-Runde ein. Es gab zum Beispiel Kritik an einem Modul, dass den Studierenden als ein schlechtes Ergebnis der letzten Akkreditierung erscheint. Da muss sich jetzt auf der Modulebene etwas ändern. Andere Vorschläge waren die Wahlmöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit anderen Master-Studierenden, da müssen wir auf den verschiedenen Ebenen schauen, was möglich ist.


Wann ist der Reakkreditierungs-Prozess abgeschlossen?

Wir wollen den Prozess in der zweiten Hälfte des Wintersemesters 20/21 abschließen, um danach in die Werbung für die neuen Bewerber*innen zu gehen. Ab dem Wintersemester 21/22 wird nach dem neuen Curriculum studiert.


Vielen herzlichen Dank für das Interview!