Awareness is Awesome – Studi-Initiativen vorgestellt

An der HNEE gibt es viele Initiativen und Gruppen, die durch studentisches Engagement entstanden sind. In unserer neuen Rubrik „Studi-Initiativen“ stellen wir sie euch vor und sprechen mit Menschen, die darin aktiv sind.


Starten wollen wir mit dem Thema Awareness und Zora Lietzmann, IFEM Student*in an der HNEE. Gemeinsam mit anderen Studierenden hat Zora 2019 ein Awareness-Konzept für die Hochschule erarbeitet. Dabei ist auch ein Awareness-Team entstanden, das auf Partys und Veranstaltungen der HNEE eingesetzt werden kann. In unserem Gespräch reden wir darüber, wie dieses Konzept aussieht und warum es so wichtig ist, dass Institutionen wie die Hochschule ein solches Team hat. Außerdem sprechen wir über das Aufgabenspektrum des Awareness-Teams und warum diese Arbeit so inspirierend sein kann.

Zora, São Pedro de Penaferrim, Sintra, Foto Credits: Zora Lietzmann


Zora, wie geht es dir heute und wo bist du gerade?

Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Aktuell bin ich in meinem Praktikum in Portugal. Ich arbeite hier für eine NGO. Hauptsächlich machen wir Landschaftsrestaurierung, wozu unter anderem die Wiederaufforstung verschiedener Areale gehört. Im Zuge dessen haben wir in den letzten Monaten auch eine Menge Löcher gegraben und Bäume gepflanzt, weshalb ich gerade etwas Rücken-schmerzen habe. Insgesamt macht mir die Arbeit hier aber sehr viel Spaß.


2019 wurde im Rahmen deiner Asta-Arbeit ein Awareness-Konzept entwickelt. Kannst du uns kurz erklären, was Awareness bedeutet und wie dieses Konzept an der HNEE aussieht?

Awareness lässt sich mit Achtsamkeit oder dem Bewusstsein über politische, gesellschaftliche und persönliche Zusammenhänge übersetzen. Im Deutschen benutzen wir den Begriff oft im Zusammenhang mit Strukturen, die auf verschiedenen Arten von Veranstaltungen wie Partys, Festivals oder Seminaren eine Mischung aus Fürsorge und Präventionsarbeit leisten. Ganz konkret bedeutet das also, dass es auf diesen Veranstaltungen eine Gruppe von klar erkennbaren Menschen gibt, die angesprochen werden können, beispielsweise wenn es einen Vorfall gab, bei dem die Grenze einer Person überschritten wurde, problematisches Verhalten beobachtet worden ist oder mensch sich aus anderen Gründen unwohl fühlt. Manchmal bedeutet Awareness-Arbeit aber auch einfach nur, einer komplett fertigen Person auf einer Party eine Flasche Wasser in die Hand zu drücken.


Warum ist es wichtig, dass die HNEE so eine Struktur hat?

Überall dort, wo Menschen aufeinander treffen, also zu Hause, in der Hochschule, auf Veranstaltungen, der Arbeit oder in anderen Räumen, gibt es Dominanz- und Gewaltstrukturen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Einige sind subtiler, andere stechen klarer hervor. Einige Menschen bekommen diese Strukturen stärker zu spüren als andere, oft in Form von Diskriminierung, anderen bleibt dies größtenteils erspart. Als Gemeinschaft von Personen, die sich dieser Strukturen, aber auch unserer eigenen Privilegien innerhalb dieser bewusst gemacht haben, haben wir uns entschieden dem aktiv etwas entgegen zu setzen. Oftmals resultiert die Motivation Teil eines Awareness-Teams zu sein auch aus der Erfahrung, selbst schon einmal von übergriffigem und diskriminierendem Verhalten betroffen gewesen zu sein. In solchen Momenten fühlen sich Menschen oft allein gelassen, ohne eine Anlaufstelle zu haben, an die sie sich wenden können. Das Ziel, das wir uns als Awareness-Team an der HNEE gesetzt haben ist es, Veranstaltungen zu ermöglichen auf der sich alle sicher und in ihren Bedürfnissen und Anliegen ernstgenommen fühlen.


Was passiert dann eigentlich genau, wenn eine betroffene Person das Awareness-Team aufsucht?

Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Grundsätzlich gilt: Es wird nichts unternommen, das nicht von der betroffenen Person gewünscht ist. Um zu ermitteln, wie weiter vorgegangen werden soll, findet zunächst ein vertrauliches Gespräch mit der betroffenen Person statt. Manchmal ist so ein Gespräch für sich schon ausreichend, um weiter zu helfen. Denn dadurch wird wahr- und ernstgenommen, dass etwas Verletzendes vorgefallen ist. Es hilft auch oft zu wissen, dass jemand anders Bescheid weiß. Ein weiterer Schritt kann ein Gespräch mit der Person sein, die eine Grenze ggü. einer anderen Person überschritten hat. Dabei kann die Awareness-Struktur als emotionaler Rückhalt oder Mediator*in wirken. Ziele können die Lösung des Konflikts, ein Einsehen der Grenzüberschreitung oder eine Verhaltensänderung sein. Im schlimmsten Fall kann es aber auch zum Verweis der grenzüberschreitenden Person von Teilen des Geländes oder der Veranstaltung selbst kommen.


So ein Konzept zu entwerfen ist ja auch ein Menge Arbeit. Was hat dich motiviert, das durchzuziehen?

Hm, ich würde sagen, dass Awareness nichts ist, was mensch nur für andere macht. Indem ich diese Arbeit leiste, kann ich mitbestimmen wie sich diese Räume für mich und andere anfühlen. Es hat einen Effekt darauf, wie sehr ich mich auf der nächsten Hochschulparty aufgehoben fühle und wie Menschen in meinem direkten Umfeld miteinander umgehen. Außerdem hat die Arbeit an sich einen Multiplikator-Effekt. Beim Schreiben und gemeinsamen Erarbeiten haben wir sehr viel mit anderen über solche Themen gesprochen, auch mit Menschen, für die das Thema zu dem Zeitpunkt noch Neuland war. Die haben dann wieder mit anderen darüber gesprochen und das führt nach und nach zu kleinen Veränderungen im eigenen Umfeld. Ich könnte es auch so beschreiben: Es fühlt sich nicht an, als würden wir in einen leeren Raum sprechen, sondern so etwas wie ein gesellschaftliches Echo unserer Arbeit zurückbekommen.


Was macht dir am meisten Spaß an dieser Arbeit?

Mit anderen in einer Gruppe neue Ideen und Strategien zu entwickeln ist unglaublich bereichernd. Außerdem fühlt es sich gut an, die Hochschule und ihre studentischen Strukturen mitgestalten zu können. Ich finde Interaktionen mit Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen sehr spannend. Schließlich empfinde ich es als Privileg, überhaupt Zeit und Nerven übrig zu haben, um unbezahlte Arbeit leisten zu können. Deshalb will ich etwas Sinnvolles für alle damit anfangen.


Wie können sich Interessierte im Awareness-Team engagieren und welche Aufgaben erwartet sie?

Wenn Menschen bei uns mitmachen wollen, können sie sich unter der Emailadresse

asta-awareness@hnee.de an uns wenden. Zusätzlich haben wir auch eine Telegram-Gruppe, in die neue Leute hinzugefügt werden können. Dann gibt es unterschiedliche Aufgaben und Themenfelder, die betreut werden. Unter anderem die Weiterentwicklung des Awareness-Konzepts, oder Kommunikationsarbeit, wie zum Beispiel die Betreuung unserer Mailadresse. Und natürlich brauchen wir Leute, die dann auf Veranstaltungen im Team mitmachen. Wir freuen uns immer über neue engagierte Menschen!


Herzlichen Dank und viel Erfolg!