Der DJN – Studi-Initiativen vorgestellt

Aktualisiert: 17. Jan.

An der HNEE gibt es viele Initiativen und Gruppen, die durch studentisches Engagement entstanden sind. In unserer neuen Rubrik „Studi-Initiativen“ stellen wir sie euch vor und sprechen mit Menschen, die darin aktiv sind.


Zuletzt haben wir uns mit Zora Lietzmann über das Awareness-Team der HNEE unterhalten. Heute geht es weiter mit dem Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung (DJN). Darüber sprechen wir mit Jakob Jilg. Schon vor Beginn seines LANU-Studiums 2017 hat er seine Leidenschaft für Naturkunde entdeckt. Seine Begeisterung für alles, was auf unserer Welt kreucht und fleucht ist besonders im Bereich der Entomologie spürbar. Er hat sich inzwischen über Käfer einen beeindruckenden Wissensschatz angeeignet, der weit über die üblichen Anforderungen des Studiengangs hinaus geht. Durch sein Engagement im DJN teilt er seinen Wissens- und Erfahrungsschatz mit anderen Menschen. Nun ist der Verein zu einer Hochschulinitiative geworden.


Jakob beim DJN Sommerlager im Bayerischen Wald, Credits: Elrond

Jakob, kannst du uns die Initiative kurz vorstellen und erzählen, warum du dabei bist?

Der DJN ist in ganz Deutschland aktiv, ohne an bestimmte Orte gebunden zu sein. Abgesehen davon gibt es Ortsgruppen, so wie unsere. Wir wollen unsere Begeisterung für die Natur kultivieren und andere damit anstecken. Im Gegensatz zu anderen Jugend-Naturschutzorganisationen sind wir eigenständig, wir unterstehen keinem „Erwachsenenverein“. Unsere Mitglieder organisieren alles selbst und ehrenamtlich. Auch wenn das in der Ortsgruppe keine Rolle spielt, wird aus dem Verein feierlich ausgeschlossen, wer das 27. Lebensjahr erreicht. Wir sagen dazu „ausgesockt“, weil die Person dann eine alte Socke ist. Das klingt natürlich dramatisch, aber dadurch überaltert der Verein nicht und Verantwortung kann weitergegeben werden. Bei uns übernehmen manchmal auch Schüler*innen wichtige Aufgaben, das finde ich wirklich bewundernswert. Überhaupt lehnen wir Hierarchien ab, deshalb versuchen wir sie zu vermeiden.

Ich bin noch nicht lange dabei, denn ich habe erst spät zum ersten Mal vom DJN gehört – durch einen Infostand bei den Naturschutztagen am Bodensee 2017. Dort standen junge Menschen, die DJN-Bestimmungsliteratur verkauften. Ich war ziemlich begeistert, als ich erfahren habe, dass es einen Verein gibt, in dem sich Jugendliche für Artenkenntnis interessieren und selbst Bestimmungswerke verlegen.

Viel wichtiger als die Bestimmungsliteratur sind unsere Seminare und Lager. Unsere Mitglieder veranstalten jedes Jahr mehrere etwa drei- bis zehntägige Veranstaltungen mit naturkundlichem Bezug. Oft übernachten wir in Zelten oder während der Schulferien in leerstehenden Klassenzimmern. Tagsüber wandern und exkursieren wir in die Umgebung, abends kochen wir und singen am Lagerfeuer. Manche Veranstaltungen haben ein Thema, z.B. ein „Insektenseminar“, bei dem es speziell darum geht, Insekten zu beobachten. Andere konzentrieren sich mehr darauf, einen Ort kennen zu lernen, wie das „Sommerlager im Bayerischen Wald“, oder haben einen kulturellen Fokus wie die „Wendlandradtour“, um gemeinsam die kulturelle Landpartie dort zu besuchen. Unsere Mitglieder beschäftigen sich unterschiedlich intensiv mit der Natur. Manche sind richtige Freaks, die sich auf bestimmte Themen spezialisiert haben. Andere sind einfach gerne draußen und mögen die Gemeinschaft. Im Vergleich zu den Aktivitäten von anderen Umweltvereinen hat bei uns die detaillierte Naturbeobachtung aber einen höheren Stellenwert. Wir vermitteln uns das Wissen vor allem gegenseitig, manchmal laden wir auch Expert*innen von außerhalb ein.


DJN Sommerlager im Bayerischen Wald, Credits: Elrond

Was wollt ihr mit eurer Arbeit bewirken, wen wollt ihr erreichen?

Um ehrlich zu sein, ich denke, dass wir vor allem einfach Spaß an der Artenvielfalt haben wollen. Es geht darum, unser Wissen über die Natur zu erweitern, und spannende Beobachtungen zu machen. Mir macht es Freude von anderen zu lernen und Wissen zu teilen. Ich denke, dass das auch für viele andere die Hauptmotivation ist. Artenkenntnis ist ziemlich wichtig, denn nur was man kennt, kann man auch schützen! Durch die intensive Beschäftigung mit den Arten werden die Mechanismen und Prozesse der Natur plötzlich verständlich. Man sieht sie dann mit anderen Augen.


Seid ihr mit anderen Initiativen und Gruppen vernetzt?

Nein, gerade nicht. Grundsätzlich haben wir natürlich nichts dagegen, gemeinsame Projekte zu machen.


Was macht ihr ganz konkret?

Ich kann ja mal von den schönsten Ausflügen unserer Ortsgruppe erzählen. Sehr gut fand ich eine nächtliche Exkursion zu Totholzkäfern. Die sind oft nachtaktiv und in einer warmen Sommernacht kann man sie beobachten, wenn man Totholz mit einer Lampe anleuchtet und genau hinschaut. Wir waren dazu im Wald hinter dem Waldcampus, und haben ein paar wirklich schöne Arten gefunden. Mehrere stehen auf der Roten Liste, einer war sogar „vom Aussterben bedroht“. Nicht selten, aber ein Hingucker war der Nashornkäfer.

Auch in diesem Jahr waren wir gelegentlich nachtaktiv, etwa in der Schönower Heide, wo wir Ziegenmelker gehört und gesehen haben. Diese Vögel haben einen sehr seltsamen Gesang, der während der Dämmerung und nachts in der Heide eine wirklich schöne Stimmung erzeugt. Wir waren richtig euphorisch! Bei einer „Nachtexkursion in die Schwärze“ haben wir am Stadtcampus und im Park geschaut, welche Fische dort vorkommen. Nachts ruhen die Fische, und es ist im Schein einer Lampe leichter durch die Wasseroberfläche zu schauen als tagsüber. Wir haben neben anderen Fischarten die „Baltische Groppe“ (Cottus microstomos) beobachtet. Sie kommt in Deutschland fast nur im Flusssystem der Schwärze vor und wurde erst vor kurzer Zeit als eigenständige Art erkannt. In der Döberitzer Heide haben wir Urzeitkrebse aus Pfützen gekeschert. Ansonsten haben wir bei verschiedenen Exkursionen nach Libellen, Gottesanbeterinnen, Pflanzen und Vögeln geschaut.


Nach DJN-Libellenschlüssel bestimmte Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea), Credits: Jakob Jilg

Wie kann mensch mitmachen und welche Aufgaben sind zu erwarten?

Wir kommunizieren in der Ortsgruppe über eine Telegramgruppe und einen Emailverteiler. So können Interessierte von allen Terminen erfahren oder sich einbringen. Momentan haben wir keine Plena, sondern treffen uns nur für Exkursionen. Das heißt, dass wir wenig Zeit mit Orgakram und mehr Zeit draußen verbringen. In erster Linie kannst du dich einbringen, indem du zu unseren Exkursionen kommst. Du musst dafür kein Fachwissen haben und du musst auch kein Mitglied sein. Das gilt für alle Aktivitäten des DJN. Du kannst auch selbst eine Exkursion veranstalten, wenn du einen Ort oder eine Artengruppe cool findest. Das ist überhaupt nicht schwer, weil unsere Exkursionen eh kein vorher festgelegtes Programm haben. Wir unterstützen dich auch gerne dabei, wenn du möchtest.

Wir können uns natürlich überlegen, einen Schritt weiter zu gehen. Andere Ortsgruppen führen kleine Forschungs- oder Monitoringprojekte durch. Ich finde die Idee super, dass wir uns eine Fläche suchen und dort möglichst alle Arten bestimmen. Eine echte Herausforderung, wenn es um obskure Insektengruppen oder Moose geht! Mit Unterstützung der Hochschule könnten wir auch Bestimmungs- und Präparationsworkshops durchführen. Auch politisches Engagement ist möglich. Es gibt viele Möglichkeiten sich einzubringen!


Welche Gründe sprechen dafür bei euch mitzumachen?

Bei uns lernst du etwas, das das Studium alleine nicht vermitteln kann: Artenkenntnis. Die Artenvielfalt ist so groß, dass die Bestimmungskurse im Studium höchstens als Inspiration nützlich sind. Bei uns hast du die Möglichkeit, das Gelernte zu vertiefen. Gemeinsam macht das auch mehr Spaß. Die Artenkenntnis verändert die Wahrnehmung der Welt, sie wirkt bewusstseinserweiternd. Man sieht viele Arten erst, wenn man einen Namen für sie hat, weil man sie sonst nicht wirklich registriert. Sie landen dann in einer größeren Kategorie, in der keine Unterschiede existieren und die einzelne Beobachtung wird gleich wieder vergessen.


Herzlichen Dank und viel Erfolg!