Fachexkursion 2016

Ein Beitrag von Vera Müller und Sophie Freitag


Der Freistaat Sachsen scheint zunächst kein allzu exotisches Ziel für OELV Studierende aus dem Nachbarland Brandenburg.  Am Ende des sechsten Semesters (01.08.2016 - 05.08.2016) bereisten 16 Studierende gemeinsam mit Dr. Marianne Nobelmann und Charis Braun fünf Tage lang den Freistaat. Im Laufe der Woche kristallisierten sich jedoch große und kleine Unterschiede zwischen der „Öko-Szene“ der Oststaaten heraus, die so nicht erwartet wurden. Man denkt: Kennt man einen (im Osten), kennt man alle. Dem ist nicht so, wie wir erfahren durften. 


Tag 1


Am Montag machten wir uns auf den Weg. Den erste Halt machten wir bei dem Gemüse und Ackerbaubetrieb Bienert und Hänsel bei Leipzig. Bei strahlendem Sonnenschein erhielten wir eine Führung durch Gewächshäuser und über den Acker.  


Am Nachmittag ging es weiter ins Erzgebirge. Wir besuchten die Rolle Mühle. Die Mühle wird seit 1856 von der Familie Rolle betrieben. Neben einem sehr charmanten alten Mühlengebäude mit originalem Dielenboden und weißen Müllergewändern begeisterte der Betrieb durch die Nutzung eines Klein-Wasserkraftwerkes, das sich der hügeligen Lage im Erzgebirge bedient, wo Wasserkraft Tradition ist. Die Anlage treibt die Mühle an und macht den Betrieb zu einem Vorreiter der regenerativen Energie.


Neben der konventionellen Produktpalette bieten die Müller aus dem ländlichen Süden des Freistaats bereits seit 1993 Mehle aus ökologischem Landbau an und leisteten damit wertvolle Pionierarbeit zur Etablierung ökologischer Produkte in der Region. Im Anschluss an die Führung wurde mit dem Herrn Rolle diskutiert. 



Zum Abschluss des ersten Tages darf als Programmpunkt der Bezug unserer

Exkursionsherberge in Stolpen nicht fehlen. Das malerische Gutshaus Heeselicht


 liegt am Rande des Nationalparks Sächsische Schweiz und diente uns als angemessene Unterkunft in aristokratischem Flair. Neben einem wirklich schönen Haus hatten wir einen tollen Garten zur Verfügung. 




Tag 2


Tag zwei beginnt für uns mit einer Reise in die Hauptstadt Dresden. Im Ortsteil Podemus befindet der ökologische Demonstrationsbetrieb Vorwerk Podemus. Der historische Vierseitenhof diente ehemals dem Bistum Meißen als  Vorwerk und ist seit 1900 im Besitz der Familie  Probst. Nach der Vertreibung 1960 begann 1991 ein neues Betriebskapitel. Seitdem bewirtschaften Betriebsleiter Bernhard Probst und seine Familie den 250 Hektar  großen Betrieb nach den Richtlinien des Gäa-Verbandes.

Betriebsschwerpunkte bilden die 45 Milchkühe und 40 Hektar Kartoffelanbau. Eine vielseitige Fruchtfolge bewahrt die erosionsgefährdeten Lössböden vor weiterer Abtragung. Der Betriebsleiter Bernhard Probst setzt auf Vielfältigkeit auf dem Gemischtbetrieb. Neben den Milchkühen und deren Nachzucht werden Hühner, Mastschweine und Schafe gehalten. Die reichhaltige Produktpalette wird in mittlerweile elf Naturkostläden in und um Dresden verkauft, die das Familienunternehmen nach und nach aufgebaut hat.  

Wir erhielten eine Führung von Frau Probst senior, die uns die Familiengeschichte des Betriebes sehr authentisch näher brachte.  

Unser zweiter Termin an diesem Tag führt uns in die hügelige Landschaft der Lommatzscher Pflege, wo wir die Ölmühle Moog besuchten.

Die Produktpalette ist den meisten von uns als bio planète aus dem Naturkostfachhandel bekannt. Das Unternehmen, das in den letzten Jahren enorm gewachsen ist, liegt sehr ländlich als Nachbar des Landwirtschaftsbetriebes der Gründerin Judith Faller-Moog in Lommatzsch. Nach einem Vortrag über das Unternehmen, gab es eine Ölverköstigung. Hier haben wir Sommelier ähnliche Skills erlernt. Danach ging es für uns noch in einer der Abfüllstätten des Unternehmens.


Produziert werden viele der Öle am Hauptstandort in Frankreich.Judith Faller Moog übernahm dort, nach dem Tod ihres Vaters, die Firma und agiert mittlerweile international. Zwei ihrer Mitarbeiter*innen arbeiten in Japan im Vertrieb. 


Tag 3 


Am nächsten Tag ging es dann zum Archehof Klosterbuch. Im idyllischen Leising fühlten wir uns zurück versetzt in eine andere Zeit. Auf dem Hof von Familie Pohl wird soziale Landwirtschaft betrieben. Nach einem Vortrag der Hofgründerin, führte uns einer der Mitarbeiter über den Hof. Er gab uns einen sehr spannenden persönlichen Einblick. Der Hof bietet vielen Menschen ein Zuhause: Minderjährigen Geflüchteten, geistig behinderten Menschen und ehemals Suchtkranken. Gestärkt mit frischer Ziegenmilch und selbstgemachten Kräuterbrot ging es für uns dann weiter zum ÖLV Alumni Daniel Hausmann. 



Daniel betreibt gemeinsam mit seiner Mutter die erste biovegane Gemüsegärtnerei Sachsens. Neben Freilandgemüse, bauen sie Gewächshauskulturen an und verfügen über einen großen Streuobstwiesen Bestand. Auf der Hoffläche haben sie einen Hofverkauf eingerichtet und liefern den Rest in die größeren Städte Sachsens. 

Drei an einem Tag, war unser Motto und so ging es von den Hausmanns weiter Richtung Klipphausen. Auf dem Pfarrgut Taubenheim wird nun in zweiter Generation biologisch gewirtschaftet. Neben einer Molkerei in der sie ihre Milch verarbeiten, betreibt die Familie auch noch eine Bäckerei. In der Backstube durften wir dann die Vielfalt des Betriebs kennen lernen und von Kuchen über Walnussbrot mit selbstgemachten Frischkäse  und Joghurt alles probieren. Anne Wetzel führte uns gemeinsam mit ihrer Mutter über die Hofstelle.  

Zum Abschluss des Tages ging es für uns nach der Landpartie in die sächsische Metropole Dresden. 


Tag 4


Tag vier mittlerweile kennen wir uns ein wenig aus im Freistaat, die ersten Wortwitze wurden gesammelt....Wutbürgerliche Küche Sachsens oder etwa ein neuer Werbespruch für das Landesmarketing: Sachsen das Chamäleon unter den Bun


desländern. Am Vormittag  besuchten wir  das Weingut Hoflößnitz. Hier gibt es ein Museum, welches die lange Geschichte, Anbau seit 1401, des Weins erzählt. Danach gab es in der Mittagssonne eine Kostprobe. Grauburgunder, Spätburgunder und Johanniter wurden von uns getestet und für gut befunden. Neben Ölsommelier Skills, endlich auch in der Weinwelt weitergekommen. Feucht fröhlich reisten wir weiter Richtung Dresden. 

Dein Hof ist eine solidarische Gemüsekoop in Radebul. Eine der Gärtner*innen führte uns durch den Betrieb und erklärte das Konzept der solidarischen Landwirtschaft. Beeindruckend für uns war, wie optimistisch und begeistert sie von der Gemüsegemeinschaft sprach. Ein Mitglied der Koop ist beispielsweise Steuerberater und kümmert sich somit um alle steuerlichen Angelegenheiten des Betriebes. Außerdem finden regelmäßig Übernachtungen der Mitglieder auf dem Betrieb statt inklusive Arbeitseinsätzen im Gemüse.  

Am Nachmittag ging es für uns dann wieder in Hauptstadt. In Dresden lernten wir die Verbrauchergemeinschaft kennen. Für Berliner*innen unter uns: eine Art LPG. Mitgliedersupermarkt. In einem Vortrag wurde uns das Konzept des Ladens erklärt und  im Geschäft erhielten wir Einblick in die Produktpalette Sachsens. Wir nutzten die Chance und kauften für unseren Grillabend verschiedene Köstlichkeiten. Zurück im Guthsaus wurde dann der Grill angeschmissen und bei Schmaus und Braus hatten wir einen sächsischen Sommernachtstraum. 


Tag 5


Am letzten Tag ging es nach dem morgendlichen Zusammenpacken nach Görlitz.

Hier besuchten wir das Stadtgut Görlitz. Äpfel,  Kirschen und Eier können die richtig gut. Wir erhielten durch Frau Ehrig Einblick in den neuesten Stand der Apfeltechnologie, modernste Sortieranlagen und beeindruckende Apfel-Lagerräume.


Danach fuhren wir durch eine nie enden wollende Plantage und wurden von Betriebsleiter Frank Richter durch den Hühnerstall geführt. Als krönenden Abschluss besuchten wir auf der Rückreise Richtung Eberswalde noch den Betrieb von Familie Hammer.

Auf dem Wiesenhof werden aus Schafsmilch hammermäßige Käse und Joghurts hergestellt. Die Betriebsleiterin Frau Hammer führte uns über den malerischen Hof, auf die Weide, durch den Melkstand und schlussendlich in den Hofladen. Bis oben hin bepackt mit feinsten Ökoessen steuerten die HNEE Busse dann Richtung Eberswalde.  


Das waren fünf tolle, leckere, spannende, lehrreiche, lange Tage  und kurze Nächte für uns. Wir danken Frau Nobelmann, Frau Braun und den vielen Betriebsleiter*innen für die Einblicke.