• Leonard Ihssen

Good Morning Ms President!

Aktualisiert: Nov 10

Pünktlich zu ihrem 30. Tag im Amt befragen wir unsere neue studentische Vizepräsidentin Felicitas (Fee) Hasper zu ihrer Motivation, zu ihren Zielen und den ersten Eindrücken aus der Chef*innenetage. Außerdem erklärt sie uns wie Studi StuVize werden kann und was sie von den Neuerungen rund um die Onlinelehre hält.

Fee, du hast so richtig Karriere gemacht an unserer Hochschule, erst langjähriges FSR-Mitglied, jetzt studentische Vizepräsidentin, was kommt als nächstes?

Tatsächlich kommt dann erstmal gar nichts. Auf jeden Fall nicht hier in Eberswalde. Wahrscheinlich werde ich im nächsten Jahr meine Zelte woanders aufschlagen (Anm. d. Red.: Fee studiert im 7. Sem. ÖLV). Mich interessieren immer wieder neue Herausforderungen, das ist auch der Grund für meine Kandidatur gewesen. Eberswalde wurde in den letzten Jahren zu meinem gemütlichen Zuhause. Eine neue Herausforderung im nächsten Jahr wird der Umzug in eine neue Stadt und der Beginn einer Ausbildung. Mir ist es wichtig nicht stehen zu bleiben und immer wieder an mir selbst und über mich hinaus zu wachsen.


Foto: Yasmin Jessen


So ein Amt ist bestimmt mit viel Aufwand verbunden, oder? Was ist deine Motivation hinter deiner Bewerbung gewesen?

Mir ist es wichtig, einen Unterschied zu machen. Etwas zu bewirken, das nicht im Unendlichen verhallt. Und es ist ziemlich verrückt und auch ein bisschen gemein, aber mit dem Status einer studentischen Vizepräsidentin (StuVize) hören einem die Leute ganz anders zu. Ich werde viel schneller ernst genommen. Gemein ist das deswegen, weil z.B. der AStA ja auch unglaublich viel wichtige Arbeit leistet. Ein Beispiel: da gab´s mal so einen schicken Besuch aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Weil die Ministerin da war, kamen auch viele Lokalpolitiker*innen. Bei dem Treffen kam ich dann mit einem ins Gespräch. Er hat mich gefragt, ob ich vom AStA bin und ich sagte ihm, dass ich die studentische Vizepräsidentin sei, danach hat er ganz anders mit mir gesprochen. Dadurch habe ich gemerkt, was dieser Titel mit sich bringt. Mir ist wichtig zu betonen, dass ich das eigentlich nicht gerecht finde, weil der AStA und die Fachschaftsräte genauso wichtig und wertvoll für das studentische Leben hier sind. Ich möchte meinen neuen Titel als Sprachrohr nutzen. In meiner Position kann ich zum Beispiel auch den AStA in den Semesterticketverhandlungen besser unterstützen, aus dem einfachen Grund heraus, dass neben meinem Namen jetzt „studentische Vizepräsidentin“ steht.

Wie bringst du dein Engagement und dein Studium unter einen Hut?

Momentan muss ich zugeben, dass ich das gar nicht tue. Eigentlich ist mein Ziel, mindestens eine Stunde pro Tag an einer Hausarbeit zu schreiben. Das klappt aber im Moment mehr schlecht als recht, schließlich bin ich gerade dabei, mich mit diesem Amt vertraut zu machen. In meinem ersten Monat gab es super viele Sachen rund um die Erstis, die ich erledigen musste. Da ging es vor allem ums Vorstellen. Mir ist diese Arbeit wichtig, denn die Leute müssen ja wissen, wer sie vertritt und an wen sie sich wenden, wenn es Probleme oder Fragen gibt. Dieses Amt fordert viel Selbstdisziplin ein. Ich kann ja mal runterbrechen, was das Amt für mich im Moment bedeutet: Am Tag rechne ich etwa eine Stunde für Mails, dazu kommen drei bis sechs Sitzungsstunden in der Woche. Dann kommen noch solche Sachen obendrauf wie das, was wir jetzt machen… und die Begrüßung der Erstis. Und all das bildet sozusagen erst das Fundament dieses Amts. Darauf kann ich dann aufbauen und die Projekte bearbeiten, die ich persönlich umsetzen will. Also zum Beispiel die Einrichtung eines zweiten Prüfungszeitraums vorantreiben.

Damit wir uns das besser vorstellen können, wie hoch ist ungefähr das Arbeitspensum für dein Amt?

Ich kann es dir witzigerweise genau sagen, weil ich das aufschreiben muss. Moment mal (*wühlt in ihren Unterlagen), es sind bis jetzt 70 Stunden in meinen ersten dreißig Tagen. Aber das muss ich auf jeden Fall runterschrauben, das ist zu viel, wenn ich so weiter mache, komme ich gar nicht mehr zum Studieren. Mein Ziel ist ein Arbeitspensum zwischen 10 bis 15 Stunden die Woche zu erreichen.


Woher kam die Stimme in deinem Kopf, die gesagt hat: hey Fee, bewirb dich!

In der Coronazeit war ich, wie die meisten, sehr viel Zuhause und sehr viel für mich. Auf einmal fiel ein Großteil von den Einflüssen von außen weg. Ich musste mich sehr viel stärker mit mir selbst auseinandersetzen. In dieser Zeit sind mir super viele Herzensangelegenheiten aufgefallen, die ich in mir trage. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich im nächsten Jahr eine Ausbildung anfangen werde. Auch damit gehe ich etwas an, was ich schon immer machen wollte, was aber bis jetzt nicht so richtig in meinen Lebensentwurf gepasst hat. Dinge zu denen ich vorher immer gesagt habe, „Das geht nicht! Das traue ich mich nicht.“, gehe ich jetzt an. Eine Sache, die ich dazu zähle, ist das Amt der StuVize. Ich hatte vorher ernsthafte Bedenken. Gleichzeitig interessierte mich dieses Amt schon lange und ich glaube, dass ich wichtige Eigenschaften mitbringe, um ihm gerecht zu werden. Also habe ich mir gedacht: „Du willst das, versuche es!“. Auch wenn ich mir Sorgen darum gemacht habe, dass ich damit auf einmal in der Öffentlichkeit stehe und mich angreifbar mache. Denn ich muss mich jetzt da vorne hinstellen und sagen, das ist meine Meinung und muss es aushalten, wenn jemand überhaupt nicht meiner Meinung ist. Oder böse E-Mails lesen oder was auch immer. Vor all dem hatte ich große Angst. Am Ende haben aber das Interesse und die Begeisterung für diese Arbeit gesiegt. Ich dachte mir: Das ist so eine „once-in-a-lifetime“-Entscheidung, über die ich mich wahrscheinlich als alte tattrige Fee geärgert hätte, hätte ich mich anders entschieden.

Was sind Themen, die dir auf der Seele brennen, Dinge die du unbedingt angehen willst?

Ein Thema was mir schon lange auf der Seele brennt, ist die Einrichtung eines zweiten Prüfungszeitraums. In meiner ersten Amtsperiode im Fachschaftrat (FSR) haben wir schonmal versucht den zweiten Prüfungszeitraum umzusetzen. Damals ist leider einiges schiefgegangen, aber insgesamt habe ich gemerkt, dass das Projekt für einen FSR zu groß war. Ich möchte als StuVize genau da ansetzen und Projekte puschen, die zu groß für die Fachschaftsräte sind. Ein weiteres Anliegen und Arbeitsfeld aus dem ich viel Energie ziehe, ist der Austausch mit den anderen Studierenden. Ich bin jetzt hier und habe dieses Amt, aber ich muss natürlich auch wissen, was die Wünsche und Ängste der Studierenden sind. Ich will Plattformen und Möglichkeiten schaffen, durch die man mich kennenlernen kann und weiß, dass es mich gibt. Mein drittes Anliegen, das ich vorrausichtlich aber erst zum Ende meiner Amtszeit bearbeiten werde, weil das Thema dann nochmal auf den Tisch kommt, ist das 365 Euro Jahresticket - ein Studi-Ticket analog zum Angebot für Auszubildende in Brandenburg. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder neue Verhandlungen zu diesem Thema gehabt. Was es jetzt braucht ist ein unbefristeter Vertrag.


Was sind die Stellschrauben an denen du konkret für Veränderung sorgen kannst?

Das muss ich in den einzelnen Fällen noch herausfinden. Wichtig ist dafür der Austausch mit meiner Vorgängerin. Für die späteren StuVizes werde ich eine Art Handout zusammenstellen, auf dem ich erkläre, welche Sachen wo geregelt werden können. Das braucht es nämlich ganz dringend. Es gibt viele Sitzungen zu denen ich eingeladen werde. Dort kann ich meine Themen einbringen. Am besten macht man das, wenn man schon ein ausgearbeitetes Konzept zu dem entsprechenden Vorschlag hat, dann wird man ernst genommen.


Wie läuft so eine Kandidatur auf dein Amt ab?

Das lief bei mir folgendermaßen: Ich habe die Mail vom AStA gelesen in der stand, dass der Bewerbungszeitraum für das Amt der/des StuVize begonnen hat. Darauf habe ich mit einer Bewerbung geantwortet, in der ich mich und meine Projekte vorgestellt habe. Außerdem habe ich eine Art Poetry-Slam über meine Motivation geschrieben und diesen mit einer Kamera aufgenommen. All das habe ich dem AStA geschickt. Ein paar Tage später hat mir der AStA bzw. das Referat Hochschulpolitik zurückgeschrieben, dass sie mich gerne zu einem Bewerbungsgespräch einladen würden. Das Ganze ist so organisiert, dass man nicht die anderen Bewerber*innen trifft. Du kommst da alleine hin und musst dich den Fragen der AStA Mitglieder stellen. Dabei und danach war ich super aufgeregt. Die folgende Nacht konnte ich kaum schlafen. Am nächsten Tag hat dann einer von den AStA Mitgliedern bei mir geklingelt, um mir die frohe Botschaft zu überbringen. Dann gab´s erstmal ne Runde Pizza für die WG. Danach wurde ich allerdings gleich noch aufgeregter. Ich dachte, dass ich das niemals schaffen würde und dass das nur in einer großen Katastrophe enden kann. Zum Glück hatte ich eine lange Vorlaufzeit, in der ich mich an das Gefühl gewöhnen und die anfängliche Panik verfliegen konnte. Was dann noch passieren musste, war die Vorstellung vor dem gesamten AStA, dem Präsidium und dem Senat. Weil all diese Gremien meine Wahl bestätigt haben, bin ich jetzt StuVize. Allerdings ist dieses Verfahren nicht wirklich transparent und bis jetzt habe ich auch noch keine Satzung gefunden, die diesen Prozess festlegt. Das habe ich mir für die kommenden Monate vorgenommen. Das und eine genaue Aufgabenbeschreibung meines Amtes. Es ist nämlich extrem hilfreich zu wissen, was genau in meinen Aufgabenbereich fällt und was nicht. Das gibt es bis jetzt noch nicht, obwohl ich jetzt schon die 20. Vizepräsidentin bin. Solche Sachen will ich unbedingt angehen! Manchmal komme ich mir vor wie die letzte Korinthenkackerin, aber mein Gespür für solche Dinge macht mich, glaube ich, wertvoll in diesem Amt.


Gestern trendeten die Hashtags #onlinelehre und #digitalelehre auf Twitter unter denen sich viele Studis über den von ihnen als unterirdisch beschriebenen neuen Studialltag empören. Bist du zufrieden wie an unserer Hochschule mit den neuen Herausforderung rund um die Onlinelehre umgegangen wird?

Eigentlich muss ich sagen, dass ich ziemlich stolz darauf bin, wie es hinsichtlich der Onlinelehre bei uns gelaufen ist. Natürlich ist es so, dass es unter den Dozierenden die üblichen Verdächtigen gibt, die sich immer noch nicht mit der Thematik Onlinelehre und neuen Formaten des Austauschs auseinandergesetzt haben. Das sind meiner Meinung nach allerdings genau die gleichen Dozierenden, die auch in der Präsenzlehre nicht gerade mit Flexibilität und Innovationsgeist glänzen. Ich finde es unglaublich großartig, was das ITSZ (IT-Servicezentrum) für uns geleistet hat! Dass sie Big Blue Button eingerichtet haben und eben nicht Zoom, rechne ich denen echt hoch an. Zoom wäre ein Schritt in die völlig falsche Richtung gewesen. Denn ich bin Verfechterin von freier Software und gegen undurchsichtige amerikanische Monopole. Die Lehrveranstaltungen, die ich bis jetzt online besucht habe, waren alle hervorragend organisiert. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Pannen, aber meine persönliche Erfahrung ist, dass es insgesamt ziemlich gut läuft. Falls es aber bei anderen blöder läuft, lade ich herzlich dazu ein, mir das mitzuteilen. Dann können wir gemeinsam gucken, wo und wie wir für Veränderung sorgen können. Aber das gilt natürlich immer und nicht nur für die Online-Lehre.


Vielen Dank für das Gespräch, Fee, hat Spaß gemacht!


Um sich mit Fee Hasper in ihrem offiziellen Amt zu connecten: studentische.vizepraesidentin@hnee.de