Schwitzen fürs Moor

Ein Beitrag von Dorit Protze
photo credits go to Dorit Protze & Jannik Stehn

Auch wenn der Schweiß in Strömen floß – dessen Beitrag zur Moorwiedervernässung war zugegebenermaßen nicht wirklich nennenswert. Doch in Kooperation mit dem Bergwaldprojekt e. V. schwitzen LaNu-Studierende im Modul "Geländepraktikum" nun schon das fünfte Jahr im Moor, um Natur- und Klimaschutz mittels Wiedervernässungsmaßnahmen zu praktizieren. Bereits im letzten Jahr bin ich als Kursteilnehmerin mit Prof. Dr. Uta Steinhardt nach Rügen in den kleinsten deutschen Nationalpark Jasmund gefahren, um dort sukzessive die Entwässerungsgräben in der Moorwiese Tesnick zu verschließen. Das hat so viel Spaß gemacht, daß ich dieses Jahr freiwillig noch einmal mitgefahren bin und in den fünf warmen, arbeitsintensiven Tagen die Sense und den Hammer geschwungen, Bohlen getragen, gebohrt und genagelt, Holzhackschnitzel herangekarrt und Binsen ausgestochen habe…


Ursprünglich dem Schutz, dem Erhalt und der Pflege des (Berg-)Waldes verschrieben, hat der 1993 gegründete Bergwaldprojekt e. V. inzwischen seinen Aktionsraum erweitert und veranstaltet seit einigen Jahren auch Projektwochen in Mooren und Freilandbiotopen. Für wen harte körperliche Arbeit in der Natur eine geeignete Entspannungsmethode ist, der ist bei solch einer Projektwoche genau richtig. Zwar mußten wir schon zu unchristlich früher Stunde aus unseren Zelten kriechen, dafür konnten wir uns aber an einen reichhaltig gedeckten Frühstückstisch setzen und uns ordentlich den Bauch vollschlagen. Was auch ziemlich nötig war, denn schon nach ein paar Stunden schweißtreibender Arbeit im Moor war der Hunger wieder groß. Aber dafür gab es ja ein zweites Frühstück und später Mittagessen und nach der Arbeit einen Willkommenssnack an der Jagdhütte… bevor der Tag im abendlichen 3-Gänge-Menü seinen kulinarischen Höhepunkt erfuhr. Kurzum: für die Verpflegung konnten wir dem Bergwaldprojekt-Koch Axel nur immer wieder unsere Hochachtung und unseren Dank aussprechen!


In dieser Woche haben wir insgesamt vier Staubauwerke fertiggestellt, davon errichteten wir zwei in "klassischer" Bergwaldprojekt-Bauweise: Dazu mußte der Graben zuerst von der oft widerspenstigen Vegetation freigeräumt werden, bevor er auf einer Breite von ca. vier Metern aufgeschlitzt und bis auf den mineralischen Untergrund ausgehoben wurde. Theoretisch – denn praktisch war diesmal bei zwei Metern Tiefe Schluß, obwohl die anstehende Kreide noch nicht erreicht war. Währenddessen half eine mehr oder weniger gefügige Pumpe dabei, die Buddler vor dem Ertrinken durch zulaufendes Wasser zu retten. Dann wurden zwei dicke Pfosten mit der Rammkatze in den Boden gestoßen, an denen nachfolgend die vorgebohrten Bohlen genagelt wurden. Dazu brauchte es neben Fingerspitzengefühl auch eine gute Portion Armmuckis, um die dicken Nägel in die Bohlen zu treiben. Und das möglichst schnell, immer auf der Flucht vor dem Grabenwasser.


Zwischendurch ging es auch schon los mit dem zeitaufwendigsten Arbeitsschritt: Der Verfüllung des vor- und nachgelegenen Grabenabschnittes zuerst mit Kreide, dann mit Torf, Hackschnitzeln und Sägespänen. Um die Materialien gut zu durchmischen und zu verfestigen, waren etliche Menschen mit Stampfen beschäftigt. Solange, bis man nicht mehr bis zu den Knien im Matsch versank und drohte, die Gummistiefel zu verlieren, sondern bis sich über dem Bauwerk ein kleiner Wall erhob. Dieser wurde anschließend mit kräftigen, ausdauernden Binsenbulten bepflanzt, um das Bauwerk dauerhaft feucht zu halten und vor der Zersetzung zu bewahren.

Bei trockeneren Grabenverhältnissen sind wir auf eine einfachere Bauweise ausgewichen: Zwischen zwei waagerecht verlaufenden Führungsbrettern mußten die Bohlen mit einem Riesenhammer und vollem Körpereinsatz senkrecht in die Erde gehämmert werden, bevor das Bauwerk ebenfalls überwallt und bepflanzt wurde.


Zur Belohnung haben wir am Freitagabend vorzügliche Plätze beim Schauspiel der totalen Mondfinsternis genossen: auf der windumtosten Plattform des Baumwipfelpfades in Prora ließ sich der Blutmond begleitet vom Mars prima beobachten. Die weißen Kreidefelsen, für die der Nationalpark Jasmund eigentlich bekannt ist, erwanderten wir schließlich vor der Heimfahrt am Sonnabend gemeinsam mit Nationalparkleiter Ingolf Stodian. Und verbanden dies natürlich mit einem kühlenden Bad in der Ostsee.