Was macht eigentlich Asdis Stängel?

In der Rubrik „Was macht eigentlich ...?“ erzählen unsere Alumni aus ihrer Zeit während und nach dem Studium. Dieses Mal berichtet die ehemalige ÖLV- und ÖAM-Studentin Asdis Stängel.

Nach vielen Praxis-Stationen bereits während des Studiums, arbeitet sie heute für die IFTA AG.

Foto Credits: Asdis Stängel


Was hast Du in Eberswalde studiert?

Ich habe in Eberswalde den Bachelor Ökolandbau und Vermarktung und dann den konsekutiven Master Öko-Agrarmanagement studiert.

Warum hast Du Dich damals für Eberwalde entschieden?

Zum einen klang das Profil der Hochschule interessant. Damals kamen Leute von der HNEE an mein Gymnasium, die die Studiengänge der HNEE vorgestellt haben und Ökolandbau und Vermarktung erschien mir da schon interessant.

Allerdings habe ich zuerst ein Tiermedizin-Studium in Berlin angefangen aber relativ schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist. Deswegen habe ich ein Praktikum auf einem Demeter-Hof (Hof am Gohlitzsee / Hofgut Alte Ziegelei Rädel) mit Rindern, Schweinen, Hühnern, Acker-, Grünland, einem Garten und sozialer Landwirtschaft (Arbeitstherapie für Kinder und Jugendliche) angefangen. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch sehr hin- und hergerissen. Ich hatte mich tatsächlich auch auf ein duales Studium Immobilienwirtschaft beworben und einen Platz bekommen, hatte aber auch Eberswalde und den Ökolandbau im Visier. Bevor ich mich wirklich entschieden habe, habe ich mir die Stadt angeschaut und es hat mich hierhergezogen. Ich würde sagen, es war ein Konglomerat aus kleiner Hochschule, der Gedanke, dass Hochschulen besser organisiert seien als Unis und der Nähe Eberswaldes zu meiner Familie und meinem damaligen Freund in Potsdam-Mittelmark.


Wo und wie hast Du während Deines Studiums Praxiserfahrungen gesammelt?

Im 2. Bachelorsemester gab es das Modul „Projekt Studienpartner Ökobetrieb“, in dessen Rahmen ich mit Kommiliton*innen jeden Freitag auf dem Hof Schwalbennest war. Wir haben dort einen Schweinestall mitgeplant und -gebaut.

Das Betriebspraktikum im 4. Semester habe ich auf einem Hof bei Beelitz, der Kürbisse direkt vermarktet, angefangen. Da das aber nicht ganz gepasst hat, habe ich mir kurzentschlossen einen anderen Platz gesucht und bin glücklicherweise wieder bei meinem Vorstudiums-Praktikumssbetrieb gelandet und habe dort eine sehr gute Praktikumszeit verbracht.

Außerdem habe ich im Bachelor beim Hühnerprojekt ÖkoHuhn der Hochschule mit mobilen Legehennenställen mitgearbeitet. Da hab´ ich unter anderem Zäune mitversetzt und bei der Ein- und Ausstallung geholfen. Während des Studiums habe ich zudem auf einem Wochenmarkt in Berlin gearbeitet für eine ganz, ganz tolle Frau, die einen Demeter-zertifizierten Kräutergarten bewirtschaftet. Von Suse habe ich vor allem viel über Produktkunde, Sortenvielfalt, die Lagerung von Gemüse und Obst und das Leben generell gelernt.

Zwischen meinem Bachelor- und Masterstudium wollte ich ins Ausland und war für 2 ½ Monate in Griechenland auf einem touristischen Pferdebetrieb mit Haflingern. Bei befreundeten Landwirten der Inhaberin konnte ich auch mal „aushelfen“ und habe beim Schafe-Scheren geholfen, zur großen Überraschung der dortigen Männer. Bei einem anderen Landwirt habe ich bei der Anlage eines neuen Gemüseackers geholfen, wir haben Wasserleitungen verlegt und Gemüse gepflanzt.

Während des Masters habe ich mein Unternehmenspraktikum bei der IFTA AG absolviert. Die IFTA AG ist eine Zertifizierungsstelle, die hauptsächlich in der Ernährungs- und Landwirtschaftsbranche tätig ist. Ich habe meine heutige Chefin tatsächlich in einer Vorlesung „Nachhaltige Unternehmensführung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ kennenlernen dürfen. Vorher hatte ich schon überlegt, mein Praktikum in einer Zertifizierungsstelle zu machen, weil ich gern die Arbeit im Büro ausprobieren wollte. Ich hatte Vorstellungsgespräche sowohl bei einer Öko-Kontrollstelle, als auch bei der IFTA AG. Bei der IFTA AG war mir vor allem das Team sehr sympathisch und ich habe mich schließlich dafür entschieden. Als Praktikantin habe ich das Qualitätsmanagement kennengelernt und konnte auf ganz verschiedene Audits mitgehen, was ungemein interessant war.

Worüber hast Du deine Abschlussarbeit geschrieben? Und was war dein Ergebnis?

Also ich würde erst mal sagen, Abschlussarbeiten sind ganz schön anstrengend :D

Meine Bachelorarbeit habe ich bei den TopFarmers in Berlin geschrieben. Dabei habe ich verschiedene Substrate in Verbindung mit der Aquaponik-Anlage vor Ort darauf getestet, wie gut darin Salat wächst.

Meine Masterarbeit habe ich in einem südbrandenburgischen Milchvieh-Großbetrieb angefertigt. Der Hof sollte auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt werden, was bereits vonstattenging. Thema meiner Arbeit war das Weidekonzept, was bei einem Tierbestand von über 1.000 Milchkühen deutlich herausfordernder ist, als bei kleineren Beständen.

Wo hat es Dich nach dem Studium hingezogen? Was machst du jetzt?

Nach meinem Master-Unternehmenspraktikum bei der IFTA AG konnte ich kurze Zeit später dort als studentische Hilfskraft anfangen. Über die Zeit wurden meine Stunden aufgestockt und ich wurde nach dem Studium übernommen. Ich habe dort eine Auditorenausbildung absolviert und bin in der Zertifizierungsstelle inzwischen stellvertretende Qualitätsmanagements-Beauftragte, ich bin Auditorin für QS Landwirtschaft Rind, Systemverantwortliche für GLOBALG.A.P., stellvertretende Systemverantwortliche für FSSC 22000 und DIN EN ISO 22000 (Lebensmittelsicherheits-management-Systeme).

Ein*e Auditor*in ist die Person, die in den Betrieben schaut inwiefern verschiedene Normen oder Standards umgesetzt werden. Wir bewerten die Konformität mit einem System: der/die Auditor*in muss vor Ort prüfen, schaut sich den Betrieb und die Tiere, die Produktion und Dokumente an und kann dann Empfehlungen zur Zertifizierung oder Aufrechterhaltung der Zertifizierung aussprechen. Im 4-Augen-Prinzip wird diese Empfehlung von mindestens einer weiteren Person geprüft, bevor eine Zertifizierung erteilt wird.

Die Auditierung von rinderhaltenden Betrieben hat bei mir einen eher geringen Umfang, denn der Arbeitsalltag hält für mich mit meinen o.g. Verantwortungsbereichen vor allem organisatorische und administrative Tätigkeiten bereit. Ich besuche jährlich verschiedene Schulungen (auch zur Wissensweitergabe an Audit- und technisches Personal), pflege unser Qualitäts-managementsystem, setze neue und geänderte Anforderungen der Standardgeber um und begleite bereichsweise die jährliche Geschäftsstellenbegutachtung zur Akkreditierung durch die DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH).

Wie geht es für dich weiter?

Ich habe eine Festanstellung und fühle mich wohl in dem Unternehmen, in dem ich arbeite und hoffe und gehe davon aus, dass ich dort noch lange bleiben werde.

Was nimmst du aus Eberswalde mit?

Ich möchte gern hierbleiben, denn mir gefällt die Stadt sehr gut. Ich habe im Studium und gerade auch außerhalb des Studiums durch viele Aktivitäten, die es hier so gibt, einen großen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Ja, fetzt hier. Ich habe gerade mit neun anderen tollen Menschen eine Genossenschaft (Die Kiez-Genoss:innen Eberswalde [e.G.]) gegründet, um die ehemalige Kneipe „Zur Haltestelle“ in ein Kiez-Eck mit Kneipe/Café und Begegnungsraum zu verwandeln, denn Mitgestaltung und Veränderung geht vor allem vor Ort.

An welches Ereignis aus deiner Studienzeit erinnerst du dich gerne?

Es gab natürlich viele schöne Erlebnisse. Richtig cool war die Exkursion „Obst- und Weinbau“. Damals waren wir im Saale-Unstrut-Gebiet unterwegs und haben uns Obst- und Weinbaubetriebe angeschaut. Auch das Modul „Fachexkursion“ war toll. Dort ging es eine Woche durch Österreich mit Besichtigung verschiedenster landwirtschaftlicher-, aber auch verarbeitender Betriebe. Wir waren zum Beispiel bei Landgarten, die die leckeren schokoummantelten Früchte machen - mit Verkostung! Im 2. Semester im Bachelor zum Projekt Studienpartner Ökobetrieb gab es eine Abschlussveranstaltung (die Sommerakademie in Liepe), bei der alle Gruppen ihre Projekte vorgestellt haben. Anschließend gab es eine Party, an die ich mich gern erinnere, weil die Dozent*innen und wir wirklich Spaß hatten.

Ansonsten natürlich diverse Partys und Veranstaltungen in der Stadt und im besten Studiclub, den es gibt.