Was macht eigentlich ... Malte Cegiolka?

In der Rubrik „Was macht eigentlich ...?“ erzählen unsere Alumni aus ihrer Zeit nach dem Studium. Dieses Mal berichtet der ehemalige LaNu-Student Malte Cegiolka.

Aktuell lebt er an einem „Visionsort für eine enkeltaugliche Lebensweise“ im Süden Brandenburgs, pflanzt eine Menge Bäume und filmt Menschen mit inspirierenden Projekten.


Foto: Malte Cegiolka


Was hast Du in Eberswalde studiert?

Ich habe den Bachelor in Landschaftsnutzung und Naturschutz gemacht von 2012 bis 2016.


Warum hast Du Dich damals für Eberswalde entschieden?

Die HNEE hatte mich sehr angesprochen, da sie in einer Kleinstadt liegt und Eberswalde sich in einer naturnahen Umgebung befindet. Aber vor allem, weil sie den Fokus auf eine nachhaltige Entwicklung legt. Das hat mich mehr angezogen als der Studiengang an sich. Mich hat interessiert, welche Dimensionen das Nachhaltigkeitsthema hat und wie ich mich da einfügen kann. Außerdem hatte ich Bock auf ein Studium, bei dem ich auch viel praktisch arbeiten kann.


Wo und wie hast Du während Deines Studiums Praxiserfahrungen gesammelt?

Eine wichtige praktische Erfahrung war der Landschaftsökologische Beleg, weil ich da mal alles anwenden konnte, was ich bis dahin im Studium gemacht hatte. Die größeren Exkursionen nach Rügen und Italien waren auch interessante Erfahrungen, da sie die Möglichkeit geboten haben, mal abseits von der Glazialen Serie in Brandenburg landschaftliche Entwicklungen kennenzulernen. Für die Projektarbeit im 5. Semester habe ich eine Ausstellung zum Thema Rohstoffabbau mitorganisiert. Im Praxissemester ging es für mich erst nach Südafrika, wo ich bei einer Naturschutzorganisation gearbeitet habe. Danach habe ich noch ein Praktikum bei der nachhaltig-philosophischen Zeitschrift Oya gemacht. In der Zeit habe ich auch bei der Gründung der Kampagne „Ackergift, nein danke“ mitgewirkt. Insgesamt kann ich sagen, dass es nicht die klassischen LANU-Themen waren, mit denen ich mich während meines Studiums praktisch beschäftigt habe, es ging schon immer mehr in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit.


Wo hat es Dich nach dem Studium hingezogen? Was machst Du jetzt?

Ich wollte nach dem Studium das Thema Öffentlichkeitsarbeit fortführen. Da ich schon lange eine Leidenschaft fürs Filmen habe, wollte ich das nun mit Inhalten vereinen, mit denen ich mich auch in meinem Studium in Eberswalde beschäftigt habe. Dazu gehört, über Alternativen zu reden und Geschichten von Menschen und deren Projekten zu erzählen. Bei einer Reise durch Südamerika habe ich mich auf die Suche nach Projekten begeben, die Teil einer Utopie sind, um diese filmisch zu dokumentieren. Das ist auch das, was ich jetzt noch mache. Seit einem Jahr arbeite ich zusammen mit einer Freundin an dem Projekt „wir stehen drauf, bei der wir regenerative Landschaftsprojekte vorstellen. Daneben bin ich noch mit dem Aufbau einer Baumschule für Agroforst-Pflanzen beschäftigt, wo wir schon mal in Vorbereitung auf eine nahende Klimakrise Erfahrung mit Gehölzen sammeln, die widerstandsfähiger gegen Veränderungen sind.


Worüber hast Du Deine Abschlussarbeit geschrieben?

Da ging es um eine Deichrückverlegung zur Auenerweiterung im Biosphärenreservat Untere Mittelelbe. Ich habe untersucht, wie der Einsatz der Naturschutzfördergelder auf Akzeptanz in der Gesellschaft stößt. Vor Allem ging es darum, wie effektiv die Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt wurde.


Und was waren wichtige Ergebnisse?

Zum Beispiel, dass es keine Kontrollinstrumente gibt, die überprüfen, ob die Öffentlichkeitsarbeit gelungen ist, sondern nur, ob überhaupt Maßnahmen durchgeführt werden. Ich habe in meiner Arbeit aufgedeckt, dass Naturschutzprojekte meistens so ein großer Verwaltungsakt sind, dass es gar keine Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort gibt. Oft wird schon Jahre im Voraus geplant, für was die Gelder ausgegeben werden sollen. Statt die Bevölkerung in die Entscheidungen miteinzubeziehen, gibt es dann nur Präsentationen der Projekte. Was die Akzeptanz wirklich fördern würde, wären ernst gemeinte Beteiligungsverfahren.


Wie geht es für Dich weiter?

Hauptsächlich werde ich das Baumschulunternehmen weiter aufbauen. Außerdem werde ich viel mit der Weiterentwicklung des Inspirationsortes „Frieda" beschäftigt sein (die Lebensgemeinschaft, in der Malte wohnt). Die Frieda ist ein Allmende-Projekt, eine Infrastruktur, die viele Leute besitzen und verwalten. Auch will ich zu einer kulturellen Weiterentwicklung beitragen, welche von ressourcenschonenden Werten geprägt ist. Um das in die Öffentlichkeit zu tragen, ist Bildungsarbeit ein wichtiger Teil.


Was nimmst Du aus Eberswalde mit?

Ich nehme viele Kontakte und Inspirationen durch andere Menschen mit. Ich feiere, dass aus Eberswalde viele Leute mit richtig tollen Ideen in die Welt gehen. Das Wissen aus meinem Studium ist für mich hauptsächlich auf persönlicher Ebene wichtig. Ich habe dadurch das Gefühl, mich mit der Natur auszukennen und einen Blick für Ökosysteme zu haben. Wenn man eine neue Kultur entwickeln will, sollte dieses Wissen eigentlich zum Grundwissen gehören, etwas, was schon in der Schule Platz bekommt.


An welches Ereignis aus Deiner Studienzeit erinnerst Du Dich gerne?

An die vielen Hauspartys in den WG-Häusern. Weil sie so selbstorganisiert waren. Man geht nicht nur in einen Club und konsumiert, sondern jeder richtet mal was aus.