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Was macht eigentlich Padraig Elsner?

Für unsere Rubrik „Was macht eigentlich ...?“ sprechen wir mit HNEE-Alumni  über das Studium, den beruflichen Weg nach dem Studienabschluss, die Erinnerungen an die Zeit in Eberswalde und ähnliche Themen.

Einer dieser Alumni ist Padraig Elsner , der seinen Masterabschluss an der HNEE gemacht hat und inzwischen bei einem Bauernverband arbeitet.




Hallo erstmal. Was hast du in Eberswalde studiert?


Padraig: Ich habe den Master Öko Agrarmanagement (jetzt “Ökologische Landwirtschaft und Ernährungssysteme”) studiert. Ich habe extra noch mal mein Zeugnis rausgesucht, weil ich immer vergesse, wann es war: Agrarmanagement Master of Science abgeschlossen Mai 2014.


Warum hast du dich damals für Eberswalde entschieden?


Padraig: Also ich habe den Bachelor in Agrarwissenschaften in Berlin gemacht, an der Humboldt Universität. Ich wollte eigentlich gar nicht weiter studieren, einen Master machen, weil ich arbeiten wollte, irgendetwas Praktisches machen. Und ich sage dann auch immer so das Quäntchen, was die Waage zum Überschlagen gebracht hat, hat gesagt, ich bräuchte eigentlich noch eine gescheite Partnerin. Tatsächlich habe ich sie auch in Eberswalde gefunden, nun bin ich mit ihr verheiratet und habe zwei Kinder. Aber das ist natürlich so eine Story am Rande. Ich habe mich für Eberswalde entschieden, weil ich nach dem Grundstudium an der HU in Berlin einfach mal einen Perspektivwechsel einnehmen wollte. Die HU ist relativ konventionell und ich dachte mir, dass ich mir mal die andere Seite anschauen möchte und da war Eberswalde einfach naheliegend und weil es etwas praxisorientierter ist als eine Fachhochschule. Das waren für mich zwei ausschlagende Gründe, weshalb ich dann den Masterstudiengang in Eberswalde gemacht habe.


Wo und wie hast du während deines Studiums Praxiserfahrung gesammelt?


Padraig: Also ich habe beim Capriolenhof in der Uckermark gearbeitet,  auf der brandenburgischen Seite in der Uckermark. Das ist ein Ziegenhof, der sich auf Landschaftspflege eingestellt hat. Wir hatten damals 110 Ziegen, natürlich mit eigener Käserei und Vermarktung. Dort habe ich meine Praxiszeit verbracht und war da eigentlich in allen Bereichen tätig, vom Melken bis zum Ziegenhüten und Heuen auf der Weide, aber auch viel in der Vermarktung. Im Bachelorstudium habe ich ebenfalls meine Praxiserfahrungen gesammelt und auf Biobetrieben gearbeitet, damals dann noch ein Auslandspraktikum in Schweden auf einer Ökofarm.


Worüber hast du denn deine Abschlussarbeit geschrieben und was war quasi das Ergebnis?


Padraig: Ich habe die Masterarbeit zusammen mit meiner Partnerin geschrieben. Es ging um den Aufbau bzw. die Etablierung einer ökologischen Milch-Ziegenhaltung mit Direktvermarktung in Brandenburg, dargestellt am Beispiel des Betriebshofs Schwedenlinde. Wir haben es aus drei Perspektiven betrachtet. Würde sich diese Halle, die derzeit als Reithalle genutzt wird, eignen, um diesen zum Ziegenhof - also zur Ziegenhaltung - umzubauen und dort Direktvermarktung zu betreiben? Wir haben es praktisch zweigeteilt. Auf der einen Seite war es eine Marktanalyse, inwiefern Ziegenprodukte hier einen Absatz finden könnten, welche Möglichkeiten es gäbe, dort in der Region weitere Milchprodukte abzusetzen und halt eine wirtschaftliche Analyse. Lohnt sich der Umbau und die Haltung etc. Das Ergebnis war, dass es sich lohnen würde. Aber nur mit einer Direktvermarktung. 


Wo hat es dich denn nach dem Studium hingezogen?


Padraig: Also direkt nach dem Studium habe ich praktisch meinen Nebenjob ein bisschen weitergeführt und ausgebaut. Ich war bei „Endorphina“ einer Bäckerei in Berlin und habe ihr Cafe  geleitet. Parallel habe ich mich nach Berufen geschaut. Eigentlich wollten wir im Raum Berlin/Brandenburg bleiben. Im Bachelor war mein Hang in Richtung Kommunikation/Verbandsarbeit zu gehen. Wir haben auch geschaut, ob es vielleicht möglich wäre, selbst einen Betrieb zu übernehmen oder einen Betrieb aufzubauen. Das hat sich einfach aus finanziellen Gründen nicht ergeben. Ich habe mich initiativ beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband beworben mit Sitz in Freiburg, weil ich ursprünglich aus der Ecke hier komme. Ich kannte die Leute hier, ich hatte einen familiären Bezug. Die Landwirtschaft in Süddeutschland kam auch immer dem sehr nahe, was ich so als ökologisch nachhaltig bezeichnen würde. Wir haben hier Betriebsgrößen von im Schnitt 30 Hektar pro Betrieb, alles sehr kleinteilig strukturiert, hohe Ökoanteile. Der Verband  hat mich direkt aufgenommen und dann habe ich angefangen. Zunächst als Schwerpunkt in dem Arbeitsbereich Ökolandwirtschaft, aber kombiniert mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Verband. Die Hauptaufgabe ist zum einen die Kommunikation zu unseren Mitgliedern. Wir haben rund 16.000 Mitglieder die über immer wieder wechselnde Kanäle informiert werden. Wir haben eine Verbandszeitung, die einmal ein Wochenblatt veröffentlicht, bis hin zu Veranstaltungen organisieren und Social Media machen. Die komplette Organisation davon, das sind so die Hauptaufgaben. In den letzten Jahren hat sich eben noch ein anderes Projekt entwickelt, wir haben eine Onlineplattform aufgebaut, die heißt „Wirlandwirten.de“.  Da war unser Ziel, ein jüngeres Publikum zu erreichen mit anderen Themen. Also viele innovative Themen reinzubringen von Leuten, die neue Vermarktungswege finden oder neue Techniken ausprobieren und dort haben wir einen Podcast aufgebaut. Da haben wir verschiedene Formate ausprobiert. Unser Hauptformat derzeit ist Humusboden Praxis. Das ist ein Podcastformat, in dem wir uns speziell auf regenerative Landwirtschaft konzentrieren, dort Praxisbeispiele zeigen und Experten dazu befragen, um neue und frische Themen reinzubringen.


Wie geht es jetzt für dich weiter?


Padraig: Also ich möchte den Bereich Podcast und digitale Medien bei uns im Verband aufbauen. Das ist mein großes Steckenpferd in den nächsten Jahren. Ich denke, wir sind halt einfach immer in einem Wandel in unserer Kommunikation. So dass wir schauen müssen, wie kriegen wir verlässliche, sichere Kommunikation zu unseren Mitgliedern hin.  In den ganzen WhatsApp und anderen Kanälen, da überschlagen sich Meldungen, wie wir es auf den Bauernprotesten gesehen haben und es gibt da Unterwanderung von verschiedenen Akteuren. Da ist die Frage, wie wir hier eine gute, informative und wertvolle Medienkultur und Informationskultur speziell für die Landwirtschaft hinkriegen. Das ist, glaube ich,die Zukunftsaufgabe. 


Was nimmst du so aus der Zeit in Eberswalde mit? Gibt es ein bestimmtes Ereignis, an das du dich gern erinnerst?



Padraig: Also so spezielle Ereignisse eigentlich weniger. Ich denke immer gerne an diesen Mini-Campus zurück. Das ist eigentlich das, was ich als erstes immer erzähle über Eberswalde. Das große Ganze ist für mich einfach wichtig. Diesen Perspektivwechsel eingenommen zu haben und das war für meine Arbeit in den vergangenen acht Jahren wichtig, dass ich sowohl mit dieser Ausbildung im Ökobereich immer einen guten Stand hatte in der Kommunikation und Zusammenarbeit mit Öko-/Naturschutzverbänden. Da konnten wir viel bewegen, weil wir uns darauf fokussiert haben, Gräben abzubauen und zusammenzuarbeiten. Also das ist kein Ereignis, kein Erlebnis, aber das ist die Erfahrung oder das Wissen, dass wir in der Landwirtschaft einfach zusammenhalten müssen. Jeder hat seinen eigenen Weg, aber im Endeffekt haben wir alle die gleichen Ziele und das wurde für mich in diesem Studium so richtig zementiert und ich kann von beiden Seiten sagen - also ich die Ökoseite - die ökologische Landwirtschaft, die hat Vorteile und ich sehe auch ihre Nachteile. Auf der anderen Seite sehe ich die konventionelle Landwirtschaft mit ihren Vor- und Nachteilen. Daraus kann man dann, wenn man diesen Perspektivwechsel einnimmt, wirklich das Beste aus zwei Welten zusammen nehmen und beide gemeinsam nach vorne bringen. Das ist so das, was ich aus dem Studium mitnehme.



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