Was macht eigentlich Wolf Gutmann?

Der ehemalige RUN-Student Wolf Gutmann arbeitet nun beim Bioland Landesverband Hessen und erzählt im Interview von seiner Zeit während und nach dem Studium.


Bei der Aussaat eines Saumes mit Schüler*innen, Foto Credits: Ursula Bausenwein

Was hast Du studiert und warum hast Du Dich damals für Eberswalde entschieden?

Ich habe in Eberswalde den Master Regional-entwicklung und Naturschutz (RuN) studiert. Für mich war es schon immer klar, dass ich im Bereich Naturschutz und Landwirtschaft arbeiten will. Ich habe deshalb davor den Bachelor in Witzenhausen in Ökologischer Agrarwissenschaft gemacht. Dann habe ich geschaut, wo man noch etwas in Richtung Naturschutz studieren kann. Ich habe mich für Eberswalde entschieden, weil mir aufgefallen ist, dass man da beides, Naturschutz und Ökologische Landwirtschaft, studieren kann. Dadurch werden beide Themen-felder in den Vorlesungen und durch die Professor*innen adressiert.

Als Naturschutzberater für Landwirt*innen musst du dich gut in der Landwirtschaft, im Naturschutz (-management) und der Ökologie auskennen. Deswegen war es für mich klar, ich muss beides studieren und Eberswalde war dafür ein attraktiver Hochschulstandort.


Wo und wie hast Du während Deines Studiums Praxiserfahrung gesammelt?

Ich bin eigentlich gelernter Gemüsegärtner. Nach meiner Ausbildung bin ich viel auf Reisen gewesen und habe an verschiedenen Stationen in Gemüsegärtnereien gearbeitet. Während meines Studiums in Witzenhausen habe ich unter anderem ein Praktikum in einer SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) gemacht und in verschiedenen Nebenjobs gearbeitet. Zwischen dem Bachelor und dem Master war ich am Bodensee im Wollmatinger Ried beim Nabu-Naturschutzzentrum und habe dort im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ein halbes Jahr praktische Naturschutzarbeit geleistet. Ich habe Führungen durchs Wollmatinger Ried, eine Schmetterlingskartierung und Brutvogel-Monitoring gemacht sowie verschiedene Naturschutzgebiete betreut. Den Master in Eberswalde habe ich in Regelstudienzeit durchgezogen, weswegen ich da nicht so viel gemacht habe außer einem dreimonatigen freiwilligen Praktikum. Das habe ich beim ZALF (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V.) bei Dr. agr. Karin Stein-Bachinger im Projekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ absolviert.


Worüber hast Du Deine Abschlussarbeit geschrieben?

Mir war klar, dass ich über Naturschutzberatung für Landwirt*innen schreiben möchte. Das ist ein wissenschaftlich noch wenig beleuchtetes Feld in Deutschland und es gibt noch nicht so viele Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Aktuell werden es immer mehr. Aber es gibt nicht die eine richtige Ausbildung dafür. Das ist ein durchaus herausfordernder Beruf, weil man sich in allen Belangen der Landwirtschaft gut auskennen muss. Ebenso muss man sich gut im Naturschutz, in der Ökologie, in fördertechnischen und rechtlichen Sachen auskennen. Das ist durchaus anspruchsvoll, weil es eben verschiedene Skills braucht. Dann habe ich mich gefragt, wo sich eigentlich die Naturschutzberater*innen haben ausbilden lassen, weil es eben nicht den einen Studiengang dafür gibt. Dazu habe ich eine Befragung unter 70 Naturschutzberater*innen in Deutschland zu ihrem Werdegang gemacht. Ich habe Fragen dazu gestellt und beleuchtet, wo sie das theoretische und wo das praktische Wissen angehäuft haben, ob sie eher etwas in der Praxis oder im Studium gelernt haben, bei einer Ausbildung oder in einem Ehrenamt.


Und was war dein Ergebnis?

Das Ergebnis war, dass es bisher noch ungenügend Ausbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf gibt. Es wurde sehr viel Theoretisches gelernt an Universitäten. Aber ganz viel an Inhaltlichem und Methodischem, was man im Beruf braucht, wurde i.d.R. erst in der Praxis durch learning by doing erlernt.


Wo hat es dich nach dem Studium hingezogen? Was machst du jetzt?

Ich habe mich aus dem Studium direkt auf eine Stelle bei Bioland in der Naturschutzberatung beworben. Während ich noch an der Masterarbeit schrieb, bekam ich die Zusage und musste mich mit der Masterarbeit beeilen, da der Job noch während der Bearbeitungsphase anfangen sollte. Jetzt bin ich beim Bioland Landesverband Hessen und betreue zwei Projekte. Das eine ist ein hessenweites Projekt, bei dem es um die Erhaltung und Pflege von Saumstrukturen geht, also die Fläche zwischen Acker und Straße. Es geht darum, die Säume so zu nutzen und zu pflegen, dass sie wieder Lebensräume für heimische Kräuter, Insekten und größere Tiere werden können. Das ist ein Bildungs-, Beratungs- und Informationsprojekt sowohl für Bioland-Landwirt*innen, als auch für konventionelle Landwirt*innen und wird vom hessischen Ministerium finanziert. Bioland ist dafür der ausführende Partner. Das beansprucht zwei Drittel meiner Arbeitszeit. Im anderen Drittel habe ich eineinhalb Jahre an der Konzipierung von Maßnahmen für die Bioland-Biodiversitätsrichtlinie mitgearbeitet. Diese Richtlinie gibt es seit 2021 und definiert, wie alle erzeugenden Biolandmitglieder gewisse Naturschutzmaßnahmen auf ihren Flächen umsetzen und dokumentieren müssen. Für jeden Flächentyp, egal ob Grünland, Ackerbau, Gemüse-, Wein- oder Obstbau, gibt es jeweils einen unterschiedlichen Maßnahmenkatalog aus dem sich die Mitglieder Maßnahmen aussuchen können. Die Richtlinie ist nicht auf Verboten und Geboten aufgebaut, sondern eben aus verschiedenen Maßnahmen, die umgesetzt und darüber Punkte gesammelt werden können. Wer 100 Biodiversitäts-Punkte gesammelt hat, hat die Richtlinie erfüllt. Es gab anfangs noch keine Maßnahmenkataloge für den Gemüse-, Obst-, und Weinbau. Zusammen mit Expert*innen, anderen Naturschutzberater*innen, Winzer*innen und Gärtner*innen habe ich diese Maßnahmenkataloge entwickelt. Seit Anfang 2021 ist die Richtlinie in Kraft und ich bin unterstützend bei der Umsetzung der Richtlinien mit dabei.


Wie geht es für dich weiter?

Das Projekt „Säume und Raine“, so hieß das Wegrandsprojekt, lief leider Ende letzten Jahres aus. Es geht perspektivisch weiter bei der Bioland-Stiftung, die ab 2022 auch ein Biodiversitätsprojekt hat, bei dem es in den ersten zwei Jahren vor allem um die Sensibilisierung der Landwirt*innen mit Blick auf das Themenfeld Biodiversität geht. Dabei sollen Landwirt*innen befähigt werden zu sehen, was sie auf ihren Flächen haben, was für Naturräume, Pflanzen und Tiere sich dort befinden und welche Maßnahmen sie umsetzen können, um diese zu fördern.

Bei der Biodiversitätsrichtlinie geht es mit der Weiterentwicklung voran. Es müssen noch Maßnahmenkataloge für weitere Sonderkulturen erarbeitet werden. Wir erarbeiten gerade auch eine Homepage, auf der dann die einzelnen Maßnahmen für die Mitglieder dargestellt werden, die sie umsetzen sollen. Also eine interne Organisation und Weiterentwicklung der Richtlinien.


Was nimmst du aus Eberswalde mit?

Ich habe in Eberswalde sehr viel gelernt. Es ist ein sehr intensives Studium gewesen, mit sehr viel Interaktion, die von den Studierenden eingefordert wurde. Das habe ich während den ganzen Vorlesungen häufig als anstrengend empfunden, weil wir immer Gruppenarbeiten machen und diese präsentieren mussten. Doch im Nachhinein merke ich, wie viel mir das gebracht und wie viel Sicherheit mir das gegeben hat. Im Berufsleben steht man ständig vor Personen und muss etwas präsentieren. Das war eine richtig gute Übungssituation und Schule für mich. Vor allem aus der Richtung Moderation nehme ich viel mit. Im Modul „Beratung im Ökolandbau“ (Anm.d.Red.: hier könnt ihr nachlesen wie das Modul 2021 ablief) haben wir auch ganz viel methodisch durchgespielt. Aus diesen doch interaktiven Elementen, die wir in Eberswalde gemacht haben, ziehe ich jetzt ganz viel heraus.


An welches Ereignis aus deiner Studienzeit erinnerst du dich gerne?

Ich erinnere mich gern an viel Privates, da ich neben dem Studium sehr intensiv gelebt habe. Ich erinnere mich sehr gerne an die Wälder in Eberswalde, in denen ich mit meinem Hund oft unterwegs war und an die wunderschönen Seen rund um die Stadt. Ebenso die guten Partys in Eberswalde. Studiums-technisch fand ich die Fahrradexkursion in die Schorfheide, über alte gepflasterte Straßen von Eberswalde nach Chorin erwähnenswert. Wir haben dort viele verschiedene Vogelarten gehört und gesehen und einiges über die Entstehung der Landschaft gelernt. Das war ein sehr rundes Programm.


In der Rubrik „Was macht eigentlich ...?“ erzählen unsere Alumni aus ihrer Zeit während und nach dem Studium.

Hier findet ihr weitere Interviews dieser Rubrik.