Erst Huhn oder Ei? Jetzt Fleisch und Ei! - Abschlussworkshop im Projekt Ökohuhn

Ein Beitrag von Frieda Böttcher

Nach knapp dreijähriger Projektlaufzeit wurden die Ergebnisse aus dem Projekt „Ökohuhn“ - Konzeption einer Ökologischen Hühnerzucht mit besonderer Beachtung einer möglichen Zweinutzung- Anfang Dezember bei einem Workshop auf dem Landgasthof Liepe vorgestellt und diskutiert. 34 Teilnehmer*innen aus den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Forschung nahmen an dem fünfstündigen Workshop zum Thema: „Zweinutzungshühner im Ökolandbau!?“ teil.


Ziel des Projektes

Im Projekt Ökohuhn wurden seit 2017 insgesamt dreizehn verschiedene Hühnerherkünfte auf zehn Praxisbetrieben und zwei Versuchsstationen geprüft. Neben Leistungen wurden auch Aspekte wie die Tierwohlindikatoren (wie Gefiederschäden, die Stalleinrichtung, Futter- und Wasserversorgung oder die Auslaufgestaltung) und das Verhalten der Tiere erfasst, die im ökologischen Landbau eine besondere Rolle spielen. Ziel war es, grundlegende Informationen über die Eignung der Herkünfte für eine Haltung unter ökologischen Rahmenbedingungen zu erhalten. Und dies vor allem für Herkünfte, die sich für eine Zweinutzung eignen. Das heißt, dass insbesondere Rassehühner und Kreuzungen untersucht wurden, deren Hennen relativ viele Eier legen und deren Hähne einen guten Fleischansatz haben. Deswegen wurden acht der dreizehn Herkünfte (Rassehühner wie White Rock, Vorwerk oder Bresse und Hybridhühner wie z.B. Lohmann Dual) auch in beiden Nutzungsrichtungen geprüft.


#Kükentöten

Auf dem Workshop in Liepe gab Prof. Dr. Bernhard Hörning zunächst einen Überblick zum aktuellen Stand des Kükentötens in Deutschland. Leider werden derzeit auch im Ökolandbau überwiegend Hybridhühner eingesetzt, die entweder viel Fleisch ansetzen oder viele Eier legen. Dadurch wird das Töten männlicher Legehybriden in Kauf genommen. Derzeit diskutierte Ansätze zur Reduzierung des Kükentötens sind die längere Nutzung der Legehennen (weniger Junghennen nötig), die Geschlechtsbestimmung im Ei (mit Vernichtung der männlichen Embryonen; ob das besser ist? - die ethische Diskussion hierzu läuft …), die Mast männlicher Legehybridküken (Bruderhahnmast) bzw. der Einsatz von Zweinutzungshühnern (Eignung für die Erzeugung von Eiern und Fleisch).


Groß trifft auf klein

Im Anschluss folgte eine Vorstellungsrunde der Teilnehmer*innen. Dabei berichteten diese über ihre Erfahrungen mit Zweinutzungshühnern bzw. ihren Bezug zum Thema. Es zeigte sich, dass eine große und sehr gemischte Gruppe zur Veranstaltung anwesend war: Vom Leiter eines großen Legehennenbetriebs mit 10.000 Hennen über Vertreter einer Berliner Bio-Supermarktkette bis hin zu „kleinen“ Hobbygeflügelhalter*innen wurde die gesamte Bandbreite der Branche abgedeckt.


Ergebnisse über Ergebnisse

Als Input für weitere Diskussionen stellte Projektmitarbeiterin Annemarie Kaiser die Methodik und Ergebnisse der Legehennenprüfung vor. Es zeigte sich recht deutlich, dass die Rassehühner eine geringere Leistung hatten als die im Projekt untersuchten Kreuzungstiere der Ökologischen Tierzucht GmbH. Im Anschluss folgte die Ergebnispräsentation der Mastprüfung durch unseren Dozenten Gerriet Trei. Neben den geprüften Rassen und Rassekreuzungen wurde zum Vergleich auch eine gängige Masthybride getestet. Diese wiesen wie erwartet höchste tägliche Zunahmen und Brustanteil auf, gefolgt von Bresse und Bresse-Kreuzungen. Bresse zeigten insgesamt weniger aktive Verhaltensweisen und einen höheren Verschmutzungsgrad. Sensorische und optische Fleischqualitätsmerkmale wurden bei einigen im Projekt geprüften Rassen besser beurteilt als bei Kreuzungs- und Hybridtieren. Im Bereich der Tierwohl-Kriterien konnte in der Legehennen- und Mastprüfung keine einheitlichen Empfehlungen ausgesprochen werden. Vielmehr scheint die Wahl der Hühnerherkunft betriebsspezifisch getroffen werden zu müssen.

Auf Grundlage der vorgestellten Ergebnisse wurden in Gruppen Anforderungen und Potentiale von Zweinutzungshühnern diskutiert, ebenso wie Hemmnisse für eine stärkere Verbreitung der Haltung von Zweinutzungshühnern in der Praxis.


Und das bedeutet?

Grundsätzlich dürfe sich die Zucht auf bessere Leistung nicht ungünstig auf das Verhalten der Tiere auswirken. Gute Leistungsfähigkeit bei angepasster biologischer Fütterung, Tiergesundheit, Auslaufnutzung und eine längere Nutzungsdauer sind wichtige Anforderungen, die die Teilnehmer*innen an ein Zweinutzungshuhn stellen.


Potentiale, Hindernisse und Weiteres

Durchaus Potential sehen die Praktiker*innen in der gleichzeitigen Ausrichtung auf Eier und Fleisch, wodurch die einseitige Nutzung von hochleistenden Tieren und die damit einhergehenden gesundheitliche Folgen vermindert werden können. Zudem kann das Töten der männlichen Legehybriden reduziert werden. Die Nutzung alternativer Futterquellen, die für ein geringeres Leistungsniveau angepasst sind, können betriebswirtschaftliche Vorteile bringen. Über die Vermarktung kann Wissen transferiert werden und Verbraucher*innen über niedrigere Leistungen, höheren Futterverbrauch, längere Mastdauern und konzentrierte Zuchtstrukturen aufgeklärt werden. Hindernisse für die Haltung von Zweinutzungshühnern sind vor allem die Verfügbarkeit von Rassehühnern. Monopolartige Zuchtstrukturen[1] erschweren die Haltung von Zweinutzungshühnern. Anspruch und Wirklichkeit klaffen noch in vielerlei Hinsicht auseinander, darüber waren sich die Teilnehmer*innen des Workshops einig.

Das Augenmerk der Teilnehmer*innen lag besonders auf gemeinnützig und dezentral ausgerichteten Zuchtstrukturen, an der Weiterentwicklung der an den Ökolandbau angepassten Zuchtkriterien und der zuverlässigen Reproduzierbarkeit der Leistungen für die Vermarktung.


Wie geht es nun weiter?

Voraussichtlich im Frühjahr 2020 startet das Folgeprojekt „Öko2Huhn“ wobei von der HNEE weitere Rassen bezüglich Leistung, Fitness, Verhalten und Wirtschaftlichkeit auf Biobetrieben geprüft werden sollen. Hierfür wurde von einigen Betrieben bereits Interesse angemeldet, um die Prüfung von alternativen Herkünften zu unterstützen und somit die Zucht von Zweinutzungshühnern zukünftig mit weiterzuentwickeln.

Mehr Infos gibt’s bei Annemarie Kaiser (Annemarie.Kaiser@hnee.de)


[1] siehe z.B. hier: https://www.zuechtungskunde.de/Artikel.dll/16_MTE3MDc3Mg.PDF