And the BioThesis-Preis goes to Alexander Greiner

Aktualisiert: 1. Aug.

Alexander Greiner, OLE-Student, erhält 2022 den BioThesis-Preis für seine Bachelorarbeit mit dem Titel „Der wahre Preis unserer Milch. Eine ganzheitliche Betrachtung der wahren Kosten am Beispiel der wesensgemäßen Milchviehhaltung“. Die Arbeit wurde am Fachgebiet „Nachhaltige Unternehmensführung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ geschrieben und von Prof. Dr. Jens Pape betreut.

Portrait des Gewinners (Foto: Alexander Greiner)


Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des BioThesis-Preises! Wie bist du auf dein Abschlussarbeitsthema gekommen und warum liegt dir das Thema am Herzen?

Vielen Dank! Das Thema meiner Abschlussarbeit war durch einen biologischen Milchviehbetrieb ausgeschrieben, der gerne die „wahren Kosten“ für einen Liter Milch berechnet haben wollte. Da ich selbst in der Landwirtschaft groß geworden bin, kenne ich den hohen Druck, unter dem viele Bäuerinnen und Bauern stehen. Die Preise im Supermarkt decken häufig nicht einmal die Erzeugungskosten. Dabei vergisst die Gesellschaft in meinen Augen häufig die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft, auch Umweltschutz, soziale Standards und mehr Tierwohl sind durch Billigpreise nicht finanzierbar.


Was genau hast du in deiner Abschlussarbeit erforscht?

Ich habe eine detaillierte und betriebsgenaue Berechnung sämtlicher in die Produktion einfließender ökonomischer und externer Kosten vorgenommen, bezogen auf einen Liter Kuhmilch – von Erzeugung und Abfüllung bis zu Transport und Vermarktung der Milch. Eingeflossen sind Externalitäten durch Emissionen aus der Landnutzung, Gebäude, Maschinen, Energie, Kraftstoff und reaktiven Stickstoff, der zu Eutrophierung und Luftverschmutzung führen kann, aber auch eine Inflationskorrektur der Abschreibungswerte, die für eine nachhaltige Betriebsausübung wichtig ist.

Durch mehrere Kostenszenarien für den landwirtschaftlichen Lohn habe ich mich auch mit der Frage beschäftigt: Was ist eigentlich ein fairer Lohn für Landwirte? Aktuell verdienen viele Landwirte nicht einmal den Mindestlohn – obwohl sie die größten Risiken tragen. Erst im weiteren Verlauf der Wertschöpfungskette steigen die Löhne deutlich. Doch ist das fair?


Was waren deine Ergebnisse und welche Erkenntnis aus deiner Arbeit fandst du besonders spannend?

Grundsätzlich kann ich sagen: Der Preis für Milch und auch für Bio-Milch im Supermarkt ist viel zu niedrig. Auf dem Beispielbetrieb müsste ein Liter Milch zwischen 3,20 und 10,50 Euro kosten, je nachdem, welchen CO2-Preis man ansetzt, wie biogenes Methan mit einberechnet wird und welcher Lohn fair wäre. Auf anderen Betrieben könnte der Preis niedriger oder höher liegen.

Doch nur der ökonomische Preis kann verzerrt werden, nicht die wahren Kosten. Letztlich werden alle Kosten über höhere Krankenkassenbeiträge, Wassergebühren und Steuern von der Gesellschaft getragen. Wahre Preise stellen einen transparenteren Weg mit demokratischer Lenkungsfunktion dar, da die Verursacher direkt für Kosten aufkommen und die Effekte ihrer Kaufentscheidungen über den Preis einschätzen können.

Beispielhaft zeigen die verschiedenen Bepreisungen von CO2, die ich in entsprechenden Szenarien in die Arbeit eingebunden habe, wie groß das Pulverfass der externen Kosten tatsächlich sein kann. Viele Kosten sind heute leider nur unzureichend zu erfassen. Die frühzeitige Vermeidung ist daher essenziell. Und gerade positive Effekte, etwa der Wert von Biodiversität, sind monetär noch viel schwieriger zu fassen. Wie viel ist zum Beispiel das Gezwitscher von Vögeln wert?


Welche Herausforderungen hast Du beim Bearbeiten deiner Bachelorarbeit erlebt und was würdest du anderen Studierenden für ihrer Abschlussarbeit mitgeben?

Es kann schwierig sein, saubere Daten zu erhalten. Teilweise musste ich meine Berechnungen auf konservativen Annahmen aufbauen. Müsste ich anderen Studierenden etwas für ihre Abschlussarbeit mitgeben, dann, dass einen das gewählte Thema wirklich interessieren sollte. Außerdem fand ich persönlich es besonders wertvoll, eine Gesamtbetrachtung eines Themas durchzuführen, anstatt mir lediglich einen ganz kleinen Teilaspekt vorzunehmen. Dies birgt nur die Gefahr, sich in einem Thema zu verzetteln.


Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass du den BioThesis-Preis 2022 gewonnen hast?

Irgendwo habe ich mal etwas von dem Preis gelesen, wo genau weiß ich auch nicht mehr, und die Arbeit selbst eingeschickt. Die Preisverleihung sollte ursprünglich im Februar auf der BIOFACH-Messe stattfinden. Da diese jedoch pandemiebedingt auf den Sommer verschoben wurde, wird der Preis nun erst im Juli verliehen.


Du bist jetzt im Masterstudium, wie geht es danach für dich weiter?

Ich studiere aktuell den Masterstudiengang „Ökologische Landwirtschaft und Ernährungssysteme“. Die HNEE kooperiert seit kurzem mit der ZHAW, dadurch kann ich zusätzlich einen Abschluss im Master „Environment and Natural Resources“ ablegen und folglich einen Teil der Studienzeit in Zürich verbringen.

Dazu, wie es nach dem Studium weitergeht, habe ich bisher noch keine feste Vorstellung, ich lasse das Leben einfach auf mich zukommen. Meine größte Passion liegt in der Kunst, ich habe vor einiger Zeit ein Buch veröffentlicht, das sich auch dem Thema Landwirtschaft und Artenschutz annimmt, und werde weiter als Autor tätig sein.


Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit deinem weiteren Studium!


Info zum BioThesis-Preis:

Mit dem BioThesis-Preis werden jährlich Abschlussarbeiten ausgezeichnet, die sich mit der ökologischen Erzeugung, Verarbeitung oder Vermarktung von Lebensmitteln oder mit Aspekten der Nachhaltigkeit beschäftigen. Die Gewinner*innen erhalten ein Preisgeld und die Gelegenheit, ihr Thema auf dem BIOFACH-Kongress in Nürnberg vor einem Fachpublikum vorzustellen. Weitere Informationen zu der Bewerbung und zum BioThesis-Preis insgesamt findet ihr hier.


Anmerkung der Redaktion:

In unseren Blogbeiträgen nutzen wir gendersensible Sprache. Für uns ist der Gebrauch geschlechtersensible Sprache eine einfache, direkte und wirkungsvolle Möglichkeit, an der Gleichstellung aller Geschlechter mitzuwirken. In Interviews verwenden wir die Ausdrucksweise, die unser*e Interviewpartner*in nutzen möchte.


An der Hochschule und in Eberswalde werden viele Preise verliehen, immer wenn es soweit ist und die Preisträger*innen von unserem Fachbereich stammen, berichten wir darüber.

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