Auf der Spur der Palsa Moore

Ein Beitrag von Christin Dammann, Vera Luthardt und Jenny Hammerich

Vom 20. Juli bis zum 04. August fand zusammen mit Expert*innen aus der ganzen Welt das International Field Symposium „Mires of the Northern Part of European Russia“ der International Mire Conservation Group (IMCG) im europäischen Teil Russlands statt.

Drei moorreiche Gebiete in unterschiedlichen Vegetationszonen wurden vergleichend untersucht: das subpolar-montane Uralgebirge, die Taiga um die Stadt Syktywkar in der Republik Komi und die Tundra bei Naryan Mar nahe der Barentssee.

Von der HNEE nahmen Frau Prof. Dr. Luthardt, Jenny Hammerich und Christin Dammann (beide RUNerinnen & Projektmitarbeiterinnen) aus dem Fachgebiet „Vegetationskunde und Angewandte Pflanzenökologie“ des FB II teil.


Nach einer 36 stündigen Zugfahrt von Moskau nach Inta ging es mit einem „Ural“ über einen steinigen Weg zu unserem ersten Ziel – einer Bergstation im Yugyd Va Nationalpark im Uralgebirge - von wo Exkursionen zu den für den Norden Russlands typischen Palsa Mooren begannen.


Palsamoore entstehen in Regionen mit Permafrost. Auf zum Teil kleinsten, exponierteren Moorflächen mit weniger Schneebedeckung und somit niedrigerer thermischen Isolation gelangt der Frost stärker in den Boden und es bilden sich Eiskerne, die mit zunehmendem Wachstum das darüberliegende Moor anheben und sich somit mehrere Meter mächtige Hügel herausbilden. Das charakteristische Mikrorelief entsteht.


#rudolftherednosereindeer

Im Fokus der Exkursion standen hier neben der Genese und Entwicklung der Palsamoore vor allem die alpine Vegetation sowie das Naturschutz-Management bezogen auf die Quarz- und Goldminen und die Rentierzucht im Nationalpark.


Begleitet von Elchen und domestizierten Rentieren, ging es nach sechs Tagen wieder Richtung Süden nach Syktyvkar, einer 235.000 Einwohner Stadt, die ab dem 17. Jahrhundert als Verbannungsort galt. Auf einer Konferenz der Mitglieder der IMCG und russischen Kolleg*innen von Forschungseinrichtungen der näheren und weiteren Region diskutierten wir zum Thema „Mire Ecosystems of North East Europe“ den aktuellen Stand der Forschung im Tundragebiet und tauschten uns über laufende internationale Projekte aus. Die nächsten Tage waren von Exkursionen in die Mittel-Taiga Region geprägt, bei der vormals leicht entwässerte sowie großflächig naturnahe Moore mit oligotropher (geringe Nährstoffverfügbarkeit) Vegetation begangen wurden.

Am 31.07. starteten wir mit dem Flugzeug nach Narjan-Mar, das im Autonomen Kreis der Nenzen im nördlichsten administrativen Gebiet der Russischen Föderation gelegen ist und nicht über Straßen erreichbar ist, um von dort die aktuellen Forschungsflächen in der Bolshezemelskaya Tundra zu besichtigen.


Die Standorte im Pechora-Delta und an der Barentssee waren nur mit dem Boot oder Helikopter zu erreichen. Hier konnten wir auch Polygonstrukturen in den Mooren entdecken, bei denen Eisadern wabenartig die tiefer gelegenen feuchten bis nassen Moorflächen begrenzen. Im Fokus stand insbesondere die enorme Sensitivität der nördlichen Tundraökosysteme gegenüber auch nur kurzfristigen und partielle Störungen, die zu einem kompletten und fortlaufenden Verlust der ursprünglichen Vegetationsdecke, einer rasant einsetzenden Erosion und Verwüstung auch in diesen borealen Bereichen führen.

Restorationsprojekte zeigten die aufwendigen Bemühungen heilend gegenzusteuern – mit sehr differenziertem Erfolg.

Am letzten Tag des zweiwöchigen Symposiums fand abschließend eine Konferenz zu diesem Thema - den Problemen der ökologischen Restauration von Mooren in der Permafrost-Zone statt.


Insgesamt konnten wir spannende zwei Wochen in Russland mit einer enormen Vielfalt sowohl an Mooren und Feuchtgebieten sowie eine spezialisierten Flora und Fauna erleben.

Durch die engagierte Organisation der russischen Kolleg*nnen und das internationale Expert*innenteam hatten wir das Glück, viel neues Wissen über einen andersartigen Landschaftsraum zu sammeln und unseren Erfahrungsschatz wesentlich zu erweitern.

Fachfragen bitte an Vera Luthardt, Jenny Hammerich und Christin Dammann