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Film Review: Das Kartoffelkombinat


„Die Erde ist ein Garten, den wir alle teilen."


Foto 1: Kartoffelkiste (Aimée Abitz, 2023)


An einem Mittwochabend im Oktober versammelte sich halb Eberswalde im Kino. Der Spielplan des Abends: "Das Kartoffelkombinat". Vor uns lag nicht nur ein voll besetzter Kinosaal, sondern auch eine inspirierende Geschichte von zwei Menschen, die mit solidarischer Landwirtschaft die Welt verbessern wollen. In diesem Artikel erfahrt Ihr mehr über die Entwicklung des Kartoffelkombinats, was solidarische Landwirtschaft bedeutet und wie unsere Hochschule in diesen Zusammenhang steht.


Das Kartoffelkombinat

Das Kartoffelkombinat - ein Name, der nicht nur nach Landwirtschaft klingt, sondern nach einer lebendigen Gemeinschaft und einer nachhaltigen Vision. Inmitten der heutigen schnelllebigen Welt, in der die Natur oft vergessen wird, braucht es Menschen, die etwas verändern wollen. So auch Simon Scholl und Daniel Überall, die Gründer des Kartoffelkombinats; zwei Menschen mit einer Vision: einen Ort zu schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, um eine nachhaltige, solidarische Gemeinschaft aufzubauen. Die Rede ist von Solidarischer Landwirtschaft (SoLaWi).


Solidarische Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft ist ein kooperatives Modell, bei dem Landwirt*innen und Verbraucher*innen gemeinsam die Verantwortung für die Lebensmittelproduktion tragen, Ressourcen teilen und eine nachhaltige, faire und ökologisch verträgliche Landwirtschaft fördern. Praktisch umgesetzt bedeutet solidarische Landwirtschaft, dass eine Gruppe von Mitglieder*innen sich mit einem oder mehreren Landwirt*innen zusammenschließt. Die Mitglieder*innen tragen finanziell zum Betrieb bei, indem sie einen regelmäßigen (meist monatlichen) Beitrag zahlen und an einzelnen Tagen auf dem Feld mithelfen. Da der Beitrag im Frühling wie im Winter der Gleiche ist, wird die Landwirtschaft das ganze Jahr über finanziell abgesichert. Im Gegenzug erhalten alle Mitglieder*innen einmal in der Woche einen Anteil der Ernte. (Sicher kennen Einige von Euch die grünen Gemüsekisten.) Diese direkte Verbindung zwischen Landwirt*innen und Verbraucher*innen stärkt die lokale Gemeinschaft und sichert dauerhaft die Lebensmittelproduktion.



Foto 2: Permakultur als beispielhafter Ansatz für schonenden Gemüseanbau (Aimee Abitz, 2023)


Tomaten aus Spanien, Äpfel aus Neuseeland und Paprika aus Marokko. Muss das sein und geht das nicht auch regionaler? So standen nun Daniel und Simon 2012 da, mit der Idee der solidarischen Landwirtschaft und der Vision, unser Ernährungssystem ein bisschen besser zu machen. Alles begann auf einem Acker rund um München: Ein Landwirt, motivierte Helfende, überzeugte Mitglieder*innen, Mut, Kraft und Zeit. Moritz Springer, Freund von Daniel und Simon, und Regisseur begleitete und verfilmte die Entwicklung und Idee des Kartoffelkombinats von Anfang an, die nun auch wir im Eberswalder Kino kennenlernen durften. Mittlerweile beschäftigt das Kartoffelkombinat 25 Mitarbeiter*innen und versorgt 1800 Münchener Mitgliedshaushalt mit einer grünen Gemüsekiste, mit allerlei frischen, regional und saisonalen Gemüse.


Filmvorführung & Vorlesung

Der Film "Das Kartoffelkombinat" zeigt diese Entwicklung, betont die Stärken und Schwächen der solidarischen Landwirtschaft und verdeutlicht, dass Idealismus zwar treibende Kraft ist, aber auch realen Herausforderungen gegenübersteht. Das zeigt sich insbesondere beim Thema faire Arbeitszeiten. Um eine ökonomisch-ökologische Landwirtschaft aufzubauen und damit mehrere hunderte Mitglieder*innen zu versorgen, muss ordentlich geackert werden. Auch wenn alle Mithelfenden mit Herz und Leidenschaft dabei sind, müssen Tage voller Überstunden nicht sein. Im Film wird deutlich, dass es besonders in den Punkten Arbeitszeiten und Organisationsstruktur noch Potenzial beim Kartoffelkombinat gibt. So beleuchtet der Film auch die kritischen Anfangsseiten mit Tagen von über 12h für Mitarbeitende. Glücklicherweise war das nur der schwere Anfangsstart, aber dennoch ein Punkt der beim Thema Nachhaltigkeit beachtet werden muss.

Zudem zeigt der Film die unterschiedlichen Ideen der beiden Gründer des Kartoffelkombinats. Daniel strebte nach Wachstum und einer breiten Mitgliederbasis, um so eine transformative Wirkung auf das Ernährungssystem zu erzielen, während Simon die Nähe zu den Mitgliedern bevorzugte und eine kleinere, aber eng verbundene Gemeinschaft anstrebte. Trotz der unterschiedlichen Vision schlägt das Herz des Kartoffelkombinats gleich: Es basiert auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit, indem SoLaWi eine faire Verteilung der Ressourcen fördert, lokal verankerte Gemeinschaften stärkt und ökologisch verträgliche Anbaumethoden bestärkt, um eine langfristig nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu gewährleisten.

Nach dem Film entstand im Kino eine anregende Diskussions- und Fragerunde. Die Zuschauer*innen hatten die Gelegenheit, Fragen direkt an die Menschen zu richten, die hinter dieser inspirierenden Bewegung stehen. Auf dem Podium saßen Regisseur Moritz und Gründer Simon. Und falls wer nicht genug bekommen konnte und noch tiefer in das Thema einsteigen wollte: Am nächsten Tag gab es eine offene Vorlesung im Modul BWL organisiert von Prof. Dr. Jens Pape mit Moritz und Simon im Studiengangs Landschaftsnutzung und Naturschutz und Ökolandbau und Vermarktung im 5. Semester. Hier hatten die Studierenden die Chance, sich mit den Grundlagen dieser nachhaltigen Wirtschaftsform vertraut zu machen und die Prinzipien der Solidarität und Gemeinschaft im Kontext der Landwirtschaft näher kennenzulernen.

Solidarische Landwirtschaft regt dazu an, unser Ernährungssystem aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Wie können wir Ressourcen gerechter verteilen und inwiefern fördern lokale Gemeinschaften nachhaltige Lebensmittelproduktion? Ein Beispiel zeigt der Ernteanteil unserer Gela.

Falls Ihr nun überzeugt von der Idee der SoLaWi seid – glücklicherweise gibt es neben dem Kartoffelkombinat viele weitere SoLaWis, auch in Eberswalde. Einige haben sicher schon mal von der „Gela“ (Gemeinsam Landwirtschaften) gehört, die eng mit dem Hof Schwalbennest und Gärtnerhof Staudemüller zusammenarbeitet. Falls nicht, reinschauen lohnt sich ;)



Foto 3: Beispiel für Ernteanteile der Gela (Aimée Abitz, 2023)


Fazit

Man könnte sagen, das Kartoffelkombinat ist eine Erinnerung daran, dass durch gemeinsame Anstrengungen, Anpassungsfähigkeit und der Glauben an eine bessere Zukunft, die solidarische Landwirtschaft nicht nur eine Vision bleibt, sondern eine greifbare Realität werden kann. Das zeigen viele Beispiele, die ihr hier nachschauen könnt.

Wir möchten dem Kartoffelkombinat unseren aufrichtigen Dank aussprechen für den Einblick in eine inspirierende Bewegung, die Hoffnung auf einen nachhaltigen Wandel schenkt. Zudem danken wir Prof. Dr. Jens Pape für die Organisation der Vorlesung.


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