Frisch von draußen – Praxisluft schnuppern mit Simon Hofer

Aktualisiert: Mai 5

Das Studium am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz beginnt mit Vorlesungen, Seminaren und Exkursionen. Je nach Studiengang heißt es dann irgendwann „ab ins Praxissemester“. Wir interviewen in unserer neuen Rubrik „Frisch von draußen“ Studierende, die gerade ihr Praxissemester absolviert haben oder mitten drinstecken, um zu erfahren wie diese aufregende Zeit für sie war/ist.

Foto: Simon Hofer beim wiegen, messen und bestimmen von Fischen,

Foto Credits: Simon Hofer


Seit wann und was studierst du in Eberswalde?

Ich studiere LANU seit September 2019. Das Praktikum findet im dritten Semester statt, ich habe also im Wintersemester 20/21 mein Praktikum gemacht.


Mit Blick auf dein Studium: Wonach hast du deine Praktikumsstelle ausgewählt und was möchtest du dort insbesondere lernen oder vertiefen?

Meine große Leidenschaft ist das Tauchen und die Unterwasserwelt. 2016 habe ich meinen Tauchschein in Kolumbien gemacht und bin danach zum Tauchen nach Indonesien und auf die Philippinen gereist. Am liebsten hätte ich mein Praktikum auf Madagaskar zum Thema Meeresbiologie gemacht. Leider war das wegen der Pandemie nicht möglich. Deshalb habe ich mich in der Umgebung nach Stellen im Bereich Gewässer umgesehen und bin auf das Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gestoßen. Ich wollte mehr über unsere heimischen Süßgewässer lernen.


Was genau hast du während des Praktikums gemacht? Was waren deine Aufgaben?

Am IGB habe ich beim Projekt „Baggersee“ mitgearbeitet, das zum Ziel hat, die Artenvielfalt von kleinen Gewässern in Niedersachsen zu erhöhen. Mit einem kleinen Team war ich sieben Wochen lang unterwegs und habe insgesamt 20 Baggerseen untersucht und den Fischbestand ermittelt. Die Baggerseen werden bisher bei der Wasserrahmenrichtlinie nicht beachtet und sind sogenannte „nackte Badewannen“, da sie keinerlei Strukturen und Lebensraum für Fische, Amphibien und Vögel bieten. In Niedersachsen machen Baggerseen aber einen Großteil der Wasserflächen aus. Das Projekt schafft Flachwasserzonen und bringt Totholzbündel in die Uferzonen ein, um Lebensräume zu schaffen und damit die Artenvielfalt zu erhöhen.

Ob die Maßnahmen auch erfolgreich sind, wird fischereibiologisch vom IGB überprüft. Das Projekt läuft über sechs Jahre, noch bis 2022. Bei der Befischung im Herbst durfte ich dabei sein. Wir waren täglich bis zu zwölf Stunden draußen am See, haben Fische gefangen und diese gemessen, gewogen und bestimmt. Die Fische werden im Uferbereich mit einem Elektrofanggerät abgefischt, sind dann kurz betäubt und können nach der Untersuchung wieder freigelassen werden. Über Nacht werden aber auch Stellnetze aufgestellt, in denen die Fische nicht überleben. Am nächsten Morgen mussten wir die toten Tiere aus den Netzen holen und untersuchen. Viele der Fische sind mit PIT-Tags versehen, das sind Mikrochips, die den Fischen eingesetzt werden damit ihre Entwicklung nachverfolgt werden kann. Ich habe auch beim Tagging mitgeholfen und bei ca. 10.000 Fischen die Chips eingesetzt.

In dem Projekt arbeitet das IGB mit der Technische Universität Berlin und dem niedersächsischen Anglerverband zusammen. Das Vorhaben soll auch die Angelvereine dabei unterstützen, ihre Gewässer zukünftig eigenständig nachhaltiger zu gestalten.


Was hat dir besonders Spaß gemacht und was nicht so sehr?

Mir hat es besonders Spaß gemacht auf dem Boot zu sein und mit Spannung zu erwarten, welcher Fisch uns als nächstes ins Netz schwimmt. Unser größter Fang war ein Hecht mit einem Meter Länge. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Kraft dieses Tier hat. Ich habe es auch genossen viel Zeit in der Natur zu verbringen – an sonnigen Tagen hat es sich wie Urlaub angefühlt. Nicht so schön war allerdings, dass Fische getötet wurden und ich diese jeden Morgen aus den Netzen sammeln musste. Anfangs wollte ich die Aufgabe nicht übernehmen, aber da ich sonst nur eintönige Protokollarbeit hätte machen müssen, habe ich mich doch dazu bereit erklärt.


Inwiefern war dein Praktikum für deine berufliche Orientierung hilfreich? Was nimmst du aus deiner Zeit im Praktikum mit?

Für mich war es komplettes Neuland mit lebenden Tieren zu arbeiten. Am Anfang war es sehr merkwürdig, die nassen, glitschigen Fische in Händen zu halten. Während des Praktikums konnte ich richtig viel lernen, vor allem auch von den anderen Studierenden, die mit mir gearbeitet haben. Sie waren alle so begeistert vom Angeln und wussten alles über Fische. Für mich war die Zeit sehr intensiv und ich fühlte mich in Gesprächen oft so, als würde ich einen Angel-Podcast hören. Die Feldarbeit war für viele Kolleg*innen eine Traumbeschäftigung: den ganzen Tag draußen und mit Fischen arbeiten. Hilfreich für mein Studium ist, dass ich meine Artenkenntnis erweitern und mehr über Gewässer und Naturschutz lernen konnte. Unsere heimische Flora und Fauna hat einiges zu bieten und ich hatte trotz Corona ein super Praktikum. Ich habe übrigens auch meinen Angelschein gemacht! Vor dem Praktikum hatte ich mit Angeln nichts am Hut. Jetzt habe ich mich schon mit meinem Praktikumsbetreuer zum Heringe fangen an der Ostsee verabredet und mit anderen Kolleg*innen gehe ich bald zum Angeln an die Spree.


Foto links: Barsch, Foto rechts: Hecht, Foto Credits: Simon Hofer


Wie blickst du auf den Abschluss deines Studiums an der HNEE und deine weitere Laufbahn?

Ich möchte gerne mehr über Meeresbiologie lernen und könnte mir vorstellen später ein paar Jahre als Tauchlehrer zu arbeiten. Die Begeisterung für die heimischen Fische und das Angeln werde ich als Hobby weiterverfolgen.


Angenommen ein*e Studi interessiert sich ebenfalls für deine Praktikumsstelle, was wären deine Hinweise? Was sollte die Person mitbringen?

Das Praktikum ist auf jeden Fall empfehlenswert. Vor allem für Angler*innen ist es ein Traumpraktikum, aber auch für alle anderen ist es mal interessant bei der praktischen wissenschaftlichen Arbeit dabei zu sein. Die Studis sollten gut darauf vorbereitet sein bei jedem Wetter an der frischen Luft zu sein – das kann auch sehr anstrengend werden. Auf jeden Fall sollten sie sehr viel Nachfragen, um möglichst viel zu lernen.


Vielen Dank für das Gespräch!