Kartieren mal anders...

Zukunftswerkstatt: Wissenskartierung einer nachhaltigen Entwicklung


Als Studierende an einer nachhaltigen Hochschule haben wir wohl alle ein bestimmtes Bild von nachhaltiger Entwicklung. Aber was ist das eigentlich? Die Definition ist nicht ganz einfach. Wie können wir also unser Wissen greifbar machen? Im Zuge des Seminars „Umwelt – Gesellschaft – Nachhaltigkeit“ erstellten wir RuN-Erstsemester*innen mit Hilfe von Prof. Dr. Nölting eine sogenannte Wissenskartierung, um unser Wissen zu bündeln und eine Navigationshilfe durch das vielschichtige Thema Nachhaltigkeit zu erstellen. Diese Methode war für die meisten von uns Neuland. Deshalb wollen wir euch in diesem Beitrag Schritt für Schritt zeigen, wie bei einer solchen Wissenskartierung vorgegangen wird. Der Prozess erstreckt sich über das ganze Semester.


1. Kritikphase – Nachhaltigkeitsprobleme

Bevor es mit der Kartierung losging, arbeiteten wir in einem ersten Schritt in Kleingruppen zur Leitfrage: Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Nachhaltigkeitsprobleme? Aus den gesammelten Problemen wählten wir die zwei wichtigsten aus. Der nächste Schritt war, diese Nachhaltigkeitsprobleme so umzuformulieren, dass ein Ideal-Zustand beschrieben wird, welcher aufzeigen sollte, wann das Problem gelöst ist und wie die Lösung zu Lebensqualität und einem gelungenen Leben beitragen könnte. Ein Beispiel für ein identifiziertes Nachhaltigkeitsproblem ist der Verpackungsmüll. Ein Lösungsansatz wäre das unverpackte Einkaufen.


2. Phantasiephase – Was macht nachhaltige Entwicklung aus?

Die zweite Phase befasste sich mit der Leitfrage: Was ist Lebensqualität? Was macht ein erfülltes, gelungenes Leben aus, das für alle Menschen heute und in Zukunft möglich ist? Diese Arbeitsphase knüpfte an die erste Phase an. Wir sammelten zu den bereits definierten Problemfeldern konkrete Lösungen, welche wir anschließend in Clustern strukturierten. So definierten wir unsere eigenen kleinen Utopien, in denen soziale und ökologische Aspekte den höchsten Stellenwert bekamen und beispielsweise fossile Brennstoffe ausnahmslos verbannt waren.


3. Skizzierungsphase – Erste Überlegungen für eine Kartierungsstruktur

Nun fingen wir mit der konkreten Planung der Kartierung an. Zwei Gruppen kamen jeweils zusammen. Wir überlegten uns dann, wie wir Nachhaltigkeit kartieren würden und skizzierten unsere Ideen für die Struktur auf Flipcharts. Es war gar nicht so einfach, sich auf eine Struktur zu einigen und bestimmte Kompromisse zu finden, da wir teilweise in den Gruppen doch ziemlich unterschiedliche Vorstellungen hatten. Die einen waren ausschließlich Lösungsorientiert, wohingegen die anderen auch Probleme mit in die Kartierung einbeziehen wollten. Es kamen am Ende aber sehr schöne kreative Strukturen raus. Vom Fahrrad bis hin zum Segelschiff war alles dabei. Hier ein paar Beispiele:



4. Entwicklung einer Wissenskartierung

Nachdem wir uns die verschiedenen Strukturvorschläge vorgestellt haben, diskutierten wir die Vor- und Nachteile dieser und bekamen noch einen kurzen Input von Prof. Dr. Nölting zur Konstellationsanalyse, welche die Basis der Wissenskartierung darstellen sollte.

Die Wissenskartierung startete mit einer Diskussion, in welcher Perspektive bzw. unter welcher Leitfrage das Wissen kartiert und strukturiert werden sollte. Wir überlegten, was eine geeignete Leitfrage für die Kartierung nachhaltiger Entwicklung sein könnte. Aus der Diskussion kristallisierten sich sehr unterschiedliche Fragen raus, die jeweils einen Aspekt oder einen Zugang in den Mittelpunkt setzten. Die Gruppe entschied sich für eine handlungsorientierte, eher allgemeine Leitfrage: Wie können wir [als Gesellschaft] nachhaltige Entwicklung global gestalten? Auf Basis dieser Leitfrage setzten wir unsere Strukturierungsvorschläge aus der ersten Sitzung als Kartierung nach der Methode der Konstellationsanalyse um. Anschließend wurden die Vorschläge vorgestellt und wir wählten gemeinsam eine Kartierungsstruktur aus, auf dessen Basis wir im Plenum eine große Kartierung an der Wand erstellten.


Die Struktur, die wir auswählten, war das Segelschiff: Die Akteur*innen bilden den Rumpf des Schiffes, der Mast stellt die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung dar und das Segel die Ziele. Das Wasser ist der Ist-Zustand, während der Wind als Antrieb gilt. Das Schiff steuert auf die Insel der Utopie zu, welche hinter dem Eisberg der Realität steht. An dieser Kartierung arbeiten wir den Rest des Semesters weiter.


Weiterführende Informationen bieten folgende Lektüren:

Grunwald, Armin; Kopfmüller, Jürgen (2012). Nachhaltigkeit. Eine Einführung. 2. Auflage, Frankfurt am Main: Campus Verlag. S. 31-75.

Schön, Susanne; Kruse, Sylvia; Meister, Martin; Nölting, Benjamin; Ohlhorst, Dörte (2007). Handbuch Konstellationsanalyse. Ein interdisziplinäres Brückenkonzept für die Nachhaltigkeits-, Innovations- und Technikforschung. München: oekom Verlag.