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​​Perspektivwechsel Nordsee – Exkursion nach Ostfriesland mit dem Modul Landschaftsperspektiven (LANU)

Aktualisiert: 27. Juni

Am Sonntagvormittag versammelte sich eine Gruppe Studierende und Frau Prof. Dr. Uta Steinhardt auf dem Stadtcampus und stahl sich davon, um eine Woche lang die ostfriesische Halbinsel unsicher zu machen.

Nach der abenteuerlichen Anfahrt mit Stau und Auffahrunfall direkt hinter uns, wurde am Sonntagabend schon die erste Nordseeluft geschnuppert und die Deichschafe begrüßt.


Abbildung 1 Deichschafe (Foto: Marie Mensch)


Tag 1 // Spiekeroog

Am nächsten Morgen ging es dann ans Eingemachte. In aller Frühe starteten wir mit Wattführer Menno in Harlesiel und wanderten auf schlickigen Wegen, über Austernbänke und durch Priele quer durchs Watt nach Spiekeroog. Hier wurden wir belohnt mit wunderschönen Dünentälern und endlosem Sandstrand. Die Nordsee ließ sich auch wieder blicken, sodass einige es sich nicht nehmen ließen, nass zu werden. Trotz Mai, brrr! Zurück ging es abends ganz stilecht mit dem Fischkutter. Danach waren wir erstmal ganz schön geplättet. Was für ein Tag! Und so viele neue Eindrücke und Entdeckungen! Sogar ein Mantarochen und eine Meerjungfrau wollten gesehen worden sein. Na gut, nach reiflicher Überlegung waren es wohl doch eher eine Scholle und ein Seehund, aber immerhin.


Abbildung 2 Durch's Watt (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 3 Löffler (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 4 Spiekeroog vom Wasser aus (Foto: Marie Mensch)


Tag 2 // Carolinensiel

Nach diesem aufregenden Auftakt wurden wir am nächsten Tag im Nationalpark-Haus in Carolinensiel mit einem spannenden Vortrag von Ausstellungskurator Peter Kremer über die verschiedenen Landschaftstypen Ostfrieslands, die wir im Laufe der Woche alle noch kennenlernen sollten, erstmal wieder ein bisschen eingenordet. In der anschließenden Ausstellungsführung wurde uns auch die Bedeutung des Deichbaus nahegebracht. Auch dieses Thema sollte uns in der Woche noch weiter begleiten, denn der Deich ist an der Küste so etwas wie die Lebensversicherung und auch wenn Menschen unterschiedliche Meinungen vertreten, in einem sind sich alle einig: der Deich muss stehen. Am Nachmittag warfen wir aus touristischer Sicht einen Blick hinter die Kulissen Carolinensiels, denn auch das Image eines malerischen Küstenstädtchens ist für viele Orte von hoher Bedeutung. Der Tag konnte gemütlich auf dem Deich mit Sonnenuntergang und einem Jever ausklingen.


Abbildung 5 der Hafen in Carolinensiel (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 6 Abend auf dem Deich (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 7 Sonnenuntergang (Foto: Marie Mensch)


Tag 3 //Fahrradtour

Der Mittwoch brachte uns den Menschen Ostfrieslands noch ein Stück näher. In Kleingruppen radelten wir durch die Harlebucht und trafen Menschen, die uns ihre Geschichten erzählten und ihren Alltag und ihre Perspektiven auf die Landschaft schilderten. Sei es die Deichschäferei, der Leiter des Schöpfwerkes oder die Betreiberin eines Ferienbauernhofs, diese tiefen und persönlichen Einblicke haben auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck über die Herausforderungen, aber auch die Verbundenheit von Menschen und Landschaft hinterlassen. Vielen Dank für diese besonderen Gespräche!


Tag 4 // Butjadingen

Im Gegensatz dazu waren wir am nächsten Tag wieder ganz LANU-klassisch mit der Naturschutz-Brille unterwegs. Es ging nach Butjadingen an den Langwarder Groden, auf dem seit nunmehr zehn Jahren eine Salzwiesenrenaturierung stattfindet, und zum Schwimmenden Moor von Sehestedt, dem einzigen außendeichs gelegenen Moor Europas. Wir lernten die Besonderheiten dieser einzigartigen Lebensräume kennen, aber auch die Herausforderungen, die unweigerlich im Zusammenspiel mit der örtlichen Bevölkerung entstehen. Oder in der Zusammenarbeit mit Behörden. Oder generell im Naturschutz. Ziemlich viele Herausforderungen also. Die Ornis unter uns kamen heute voll auf ihre Kosten - auch wenn das Highlight erst wieder zu Hause vor die Linse flog: Bei der abendlichen Deichsitzung zeigte sich ein Blaukehlchen, wodurch wir einigermaßen aus dem Häuschen gerieten.


Abbildung 8 Vogelkiek (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 9 Besichtigung des Langwarder Groden (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 10 Säbelschnäbler (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 11 Gänsetrupp (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 12 brütender Austernfischer (Foto: Marie Mensch)


Tag 5 // Abschied

Und hast du nicht gesehen, brach der letzte Tag der Reise an. Nachdem wir unsere Unterkunft wieder klinisch sauber geputzt hatten, fuhren wir auf die Geest, um auch den letzten der Landschaftstypen noch mitzunehmen, und besuchten einen Torfabbaubetrieb. Bevor ihr fragt, nein, wir haben nicht mit Steinen geworfen. Durch die Inputs der vorangegangenen Tage waren wir ja offen für neue Perspektiven. In dem Betrieb werden nur landwirtschaftlich vorgenutzte Flächen abgetorft und anschließend gebührlich wiedervernässt. Aus diesem Programmpunkt verabschiedeten wir uns also mit einem durchaus positiven Gefühl, was sicher auch etwas an dem kleinen “Bestechungs-Snack” lag, den es im Anschluss vom Betrieb gab. 

Zu guter Letzt warfen wir noch einen Blick auf die Landwirtschaft auf einen Betrieb, der dem ewigen Maisanbau eine (nachhaltige?) Alternative entgegensetzen möchte. Hände hoch, wer hat schon mal von Miscanthus oder der durchwachsenden Sylphie gehört? Beides Dauerkulturen und vielseitig verwendbar, z.B. als Energiepflanzen. Auch hier wurden wir liebevoll verpflegt und waren so für die Heimreise bestens versorgt. Und dann traten wir den Rückweg an. Langsam, aber sicher fuhren wir gen Osten, bis uns die Kiefernforste wieder in Brandenburg begrüßten und wir spät abends in Eberswalde an Land gingen.

Das war’s. Schön war’s. Viel war’s. Viel Sonne, Wind, Info und Erlebnis. Ein bisschen erholungsbedürftig waren wir danach wohl alle, aber das allgemeine Resümee war eindeutig: jederzeit wieder!


Abbildung 13 real Torf (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 14 Torfabbau (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 15 Miscanthus (Foto: Marie Mensch)


Abbildung 16 durchwachsende Sylphie (Foto: Marie Mensch)

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