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Sommer, Sonne, Flussbettanalysen

Ein Gastbeitrag von Sophie Wett


8 Tage Norditalien, ca. 50 Studierende aus 4 Nationen, 1 Fluss. Das versprach die Summer School „Alpine River Dynamics“, die im Bachelorstudiengang Landschaftsnutzung und Naturschutz ab dem 4. Semester angeboten wird und dieses Jahr vom 18. bis 25. Juni stattfand.

Tagliamento Flussbett (Foto: Sophie Wett)

12 Uhr mittags, die Sonne steht im Zenit. Das helle Flussbett vom Tagliamento macht eine Sonnenbrille unverzichtbar. Kaum ein Baum oder Strauch wächst weit und breit, Schatten sucht mensch hier vergeblich. Und mittendrin in diesem Flussbett: ein paar Studierende, die eifrig über die Inseln laufen. Es sind Studierende der Summer School „Alpine River Dynamics“.

Nach einigen vorbereitenden Vorlesungen ist es endlich so weit: Wir fahren nach Italien und schauen uns den Fluss, mit dem wir uns in den letzten Wochen schon ausgiebig beschäftigt haben, in echt an. Neben Studierenden der Universität Udine in Italien, die den Fluss bereits kennen, kommen auch noch Studierende von der ZHAW in Zürich in der Schweiz und von der Kazimierz-Wielki-Universität in Bydgoszcz in Polen sowie natürlich wir von der HNEE. Und weil wir alle aus unterschiedlichen Gegenden kommen, startet die Summer School mit einem Tag, an dem uns die Gegend gezeigt und die Landschaftsgenese erklärt wird. Die ersten Blicke auf dieses atemberaubend breite Flussbett werden ermöglicht. Der Anblick lässt jedes LANU-Herz schneller schlagen. Wie oft werden wir einen Fluss zu sehen bekommen, der noch nie begradigt oder eingeengt wurde?


Am zweiten Tag geht es los mit den Flussbettanalysen. Hierzu werden Gruppen gebildet, zwei „vegetation groups“, zwei „soil groups“ und zwei „hydrology groups“. Jede Gruppe hat ein Thema, über das sie am Ende der Summer School eine Präsentation halten muss. Aber trotzdem soll allen die Möglichkeit gegeben werden, sich mit jedem Thema einmal zu beschäftigen, weshalb uns jeden Tag eine andere Aufgabe erwartet. Fleißig werden auf den Inseln Vegetationsaufnahmen gemacht, der Boden wird auf seine Textur hin untersucht und die hydrologische Vergangenheit anhand von Sediment-Profilen rekonstruiert. Drei Tage lang verbringen wir für diese Untersuchungen im Flussbett.

Nach getaner Arbeit und reichlich Sonne (und ausgiebigem Baden im kalten Alpenfluss zwischendurch) geht es nachmittags mit dem Bus zurück nach Paluzza. Doch damit ist der Tag noch nicht zu Ende. Nach einer schnellen Dusche oder Einkaufsrunde für den nächsten Tag geht es weiter mit Untersuchungen im Labor. Das Labor ist ein provisorisch mit Instrumenten eingerichteter Raum im Gemeindehaus des Ortes. Nach dem Abendessen entsteht hier eine Stimmung, die eine Mischung aus Neugier, Spaß, Müdigkeit und Stress darstellt. Während die einen an der Bestimmung einer Carex Art scheitern, kippen die anderen gerade ihre Bodenprobe über den Tisch. Alle Gruppen sind in ihre Arbeit vertieft. Es wird diskutiert, geholfen und gelacht. Spätestens um 23 Uhr hat dann aber auch meistens die „hydrology group“ den Feierabend ausgerufen und wir treffen uns in der Bar am Marktplatz. Hier wird der vorzügliche Wein getrunken, sich unterhalten und werden Spiele gespielt. Wer sich den Tag über noch nicht genug bewegt hat, spielt „Ninja“ oder „Wer hat mein Huhn geklaut“ und unterhält damit den gesamten Marktplatz. Diese ausgelassene Sommerabend-Stimmung lädt zum Verweilen ein, doch allen ist klar, dass das Frühstück am nächsten Tag wieder um 7 Uhr startet, weshalb wir auch bald alle in unsere Betten fallen.


Am vorletzten Tag erkunden wir noch die Mündung des Tagliamento in das Mittelmeer. Mit einem Ausflugsschiff fahren wir durch die Lagune und beobachten Pelikane, Mittelmeermöwen und Kiebitze. Auf einer der Inseln in der Lagune schauen wir uns die Vegetation an, sammeln Muscheln und Baden im Salzwasser. Von den italienischen Studierenden bekommen wir am Abend eine Führung durch die Altstadt von Udine, mit einem besonderen Fokus auf das beste Tiramisu der Stadt, die beste Pizza und das beste Eis der Stadt. Dieser wunderbar entspannte Tag ist eine angenehme Pause zwischen den anstrengenden Tagen im Flussbett und dem letzten Tag mit der Vorbereitung und Präsentation unserer Vorträge.

Und damit endet eine Woche im Sommer in Italien, die das beliebte Urlaubsland von einer anderen Seite gezeigt hat und spannende Einblicke in eine Flussdynamik erlaubt hat, die es in Deutschland gar nicht mehr gibt.

Kommentit


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