Zwischen Hühnern und Bäumen – Exkursionswoche Erneuerbare Energien

Im Rahmen des Moduls „Landnutzungssysteme und Erneuerbare Energien“ im dritten Semester RUN, besuchten wir im Oktober gemeinsam mit Prof. a.D. Dr. Hans-Peter Piorr zwei spannende landwirtschaftliche Betriebe und ein Holzheizkraftwerk in Brandenburg, um mehr über die verschiedenen Methoden der Gewinnung von Erneuerbaren Energien zu lernen und darüber diskutieren zu können. Die Exkursion fand im Rahmen von zwei Blockwochen statt, die den größten Teil des Moduls ausmachen.

KUP und Hühnerauslauf, Foto Credits: Antonia Schiewe


Baum-Energie

In der ersten Blockwoche ging es morgens los zu einer Kurzumtriebsplantage (KUP) mit Hühnerauslauf in Zichow-Fredersdorf (Brandenburg). Eine KUP besteht aus schnellwachsenden Baumarten, wie Pappeln oder Weiden, welche zu Holzhackschnitzel verarbeitet werden,damit sie als nachwachsender Rohstoff zur Energieerzeugung genutzt werden können. Die KUP wurde vom Unternehmen Lignovis bepflanzt.

Wir durften dort in den sehr großen Hühnerauslauf (mit insgesamt 3.000 Stück!) hineingehen und wurden direkt von einigen Hühnern neugierig beäugt und umringt. Sie begleiteten uns die gesamte Zeit über und manche von uns hatten sogar das Glück, während der spannenden Ausführungen von Hans-Peter Piorr ein Huhn mal kurz streicheln zu können.

Neben der Kurzumtriebsplantage, die wie ein sehr akkurater kleiner Wald aussieht und in der die ganze Zeit Hühner umherliefen, erklärte uns Hans-Peter Piorr die Vor- und Nachteile des Anbaus von Energiepflanzen in KUPs zur Energieerzeugung. Klare Vorteile dabei sind beispielsweise der Grundwasserschutz, die Vermeidung von Dünger und die nicht vorhandene Bodenbearbeitung. Besonders vorteilhaft bei der Kombination aus KUP und Geflügelhaltung ist, dass die Nährstoffe aus dem Hühnerkot von den Pflanzen aufgenommen werden können und der Boden verbessert wird. Für die Hühner ergibt sich auch der Vorteil einer besonders großen Auslauffläche, welche zudem vor Sonne und Greifvögeln schützt. Ökonomisch weniger gut hingegen ist bei dieser Art der Landwirtschaft allerdings für den*die Landwirt*in, dass nur alle 3-4 Jahre geerntet werden kann und alle 20 Jahre der Boden samt Pflanzen vollständig umgebrochen werden muss, da die Plantage sonst dem Waldschutz unterliegt und nicht mehr als Grünland bewirtschaftet werden darf.

KUP und Hühnerauslauf, Foto Credits: Antonia Schiewe


Kuh-Energie

Von dort aus fuhren wir zum Biohof Gut Kerkow , wo wir erstmal gemeinsam den Dorfladen erkundeten und eine gemütliche Mittagspause mit frisch gebackenem Kuchen und heiß duftendem Kakao einlegten.

Anschließend lernten wir die Rinder im Stall kennen, die im Sommer draußen auf der Weide leben und jetzt zwar im Stall waren, aber dafür frisches Kleegras zu fressen bekamen. Die ein bisschen frechen Bullen schnaubten uns freundlich an, während wir mehr über den Hof erfuhren. Der Hof hält auch einige Schweine, die uns ganz aufgeregt und neugierig begrüßten. Das Besondere am Hof ist, dass direkt zwischen dem Dorfladen und dem Rinderstall die Schlachterei verortet ist, sodass die Tiere die Umgebung gut kennen und sie so im Zuge der Fleischproduktion so wenig Stress wie möglich erfahren müssen.

Der Hof verwertet den gesamten Stallmist in der eigenen Biogasanlage, die darüber hinaus auch noch mit Energiemais von umliegenden Maisproduzent*innen gefüttert wird. Die großen Berge von Mais, fast wie eine geologische Formation anmutend, konnten wir zum Schluss der Exkursion noch „bewundern“, bevor es wieder zurück zur Hochschule ging. Es blieb aber ein Diskussionsthema, inwiefern es sinnvoll ist Mais anzubauen, um ihn dann in einer Biogasanlage vergären zu lassen. Dennoch benötigen wir in Zukunft, besonders in Anbetracht der Energiewende und des notwendigen Ausbaus der Digitalisierung, noch sehr viel mehr dauerhaft verfügbare Energie, welche auch bei Windstille und bei bewölktem Himmel zur Verfügung steht.

Biogasanlage Gut Kerkow, Foto Credits: Antonia Schiewe


Restholz-Energie

Der zweite Exkursionstag führte uns zum Holzheizkraftwerk Rheinsberg, in dem vorwiegend das Restholz der regionalen Forstwirtschaft zu Wärmeenergie und Strom umgewandelt wird. Das Wetter an diesem Tag war schön. Dachten wir. Doch, solch sonniges Wetter bedeutet für das Kraftwerk ein wirtschaftlich schlechter Tag, da weniger Strom und Heizkraft benötigt wird. Im Sommer haben die Beschäftigten dort daher auch am wenigsten zu tun, im nahenden Winter dafür umso mehr.

Habt ihr euch schon mal gefragt, was mit den gefällten Bäumen neben Autobahnen und Landstraßen passiert? Wir lernten im Holzheizkraftwerk Rheinsberg, dass dieses Holz aufgrund der Schadstoffe, welche durch die Abgase der vorbeifahrenden PKWs entstehen, als Schadholz gilt und somit auch zu Holzhackschnitzel für Holzheizkraftwerke wie dieses genutzt wird. Da Brandenburg eine sehr waldreiche Region mit viel Forstwirtschaft ist, gestaltet sich die Nutzung von Holz als nachwachsende Energieform, als eine sehr einfache Möglichkeit neben beispielsweise Müllverbrennungsanlagen, aus den Resten der Forstwirtschaft noch das Beste herauszuholen.

Holzheizkraftwerk Rheinsberg, Foto Credits: Antonia Schiewe


Ziel des Kurses ist es u.a. die Bedeutung von Erneuerbaren Energien für die Regionalentwicklung, Nutzungskonflikte von Lebensmittel- und Energieproduktion, sowie den Naturschutz zu beleuchten. In der zweiten Blockwoche im Dezember soll es anschließend vor allen um Lösungen der genannten Konfliktfelder gehen. Das Programm steht noch nicht fest, aber möglicherweise besuchen wir dort sogar ein Atomkraftwerk, wir sind schon sehr gespannt!


Neue und alte Module für NaRegio

Dieses Modul wird es im Zuge der Umstrukturierung des Studiengangs für die NaRegio Studis laut Modulkatalog nicht mehr geben, allerdings würde Hans-Peter Piorr, der nun eigentlich im Ruhestand ist, das Modul auch noch weiter in Form eines Spezialmoduls anbieten, wenn Studierende ihm das Interesse dazu mitteilen.

Das heißt wenn du jetzt Lust bekommen hast auf das Modul, kannst du mit weiteren interessierten Studis die Erhaltung des Moduls erwirken. 😊

Die Exkursionen dieses Moduls finden im Rahmen von zwei Blockwochen statt, der Zeitaufwand ist also überschaubar. Falls ihr euch darüber hinaus für ökologischen Obst- und Weinbau interessiert, könnte auch dieses Modul mit ein paar Studis weiterhin mit Hans-Peter Piorr realisiert werden.


Darüber hinaus erwartet euch im Modulkatalog für das 3. Semester NaRegio ein neues Modul mit Prof. Dr. Antje Stöckmann. Sie wird künftig das Modul „Landnutzungssysteme und Biodiversität“ anbieten. In dem Modul werden dann insbesondere die Zusammenhänge zwischen Managementverfahren in vor allem landwirtschaftlich geprägten Landnutzungssystemen und Biodiversität untersucht. Dabei geht es beispielsweise um Tier- und Pflanzenarten, die in Agrarlandschaften leben, Ökosysteme und Habitate, Verfahren und Rahmenbedingungen der Flächennutzung und verschiedene Herangehensweisen zur Erreichung von Naturschutzzielen. Neben klassischen Vorlesungen werdet ihr im Modul auch Praxisbeispiele kennenlernen, Geländeübungen durchführen und Exkursionen besuchen. Ihr werdet somit, sofern ihr euch für dieses Modul entscheidet, in den verschiedenen Lehrformen zoologische, botanische und nutzungsrelevante Aspekte der Thematik kennenlernen.