And the Nachhaltigkeitspreis goes to … Silvan Weber

Neues aus unserer Kategorie #ausgezeichnete Abschlussarbeiten:

Silvan Weber, ehemaliger RUNer, wurde für seine Masterarbeit "Moore im urbanen Raum als Beitrag zum Klimaschutz" im Rahmen der diesjährigen Immafeier mit dem Nachhaltigkeitspreis 2021 der Stadt Eberswalde ausgezeichnet.


Der Nachhaltigkeitspreis dient dazu, besonders herausragende Abschlussarbeiten, die einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung der Stadt leisten, auszuzeichnen. Silvan Webers Arbeit wurde von der Jury als wissenschaftlich äußerst fundiert gelobt. Das hohe Transferpotenzial wurde zudem hervorgehoben. Der Nachhaltigkeitspreis wurde Silvan von Bürgermeister Friedhelm Boginski höchstpersönlich ausgehändigt. „Die Arbeit von Herrn Weber zeigt sehr eindrücklich, wie wichtig der Moorschutz für den Klimaschutz ist und das auch und vor allem hier bei uns in Eberswalde“ betonte der Bürgermeister.


#Worumgings?

Silvan schrieb über die Prognosen des Klimawandels, die Entstehung von Brandenburgs Mooren, deren Zustand und ihrer Bedeutung in Bezug auf den Klimawandel. Dabei trug er 149 Eberswalder Moore zusammen, die er zum Teil noch kartierte und vermaß. Er ermittelte dabei für 130 der 149 Moore die Kohlenstoffspeicherkapazität, die insgesamt bei ca. 580.000 Tonnen CO2 liegt. Er erarbeitete dabei auch praktische Handlungsempfehlungen, die der Bürgermeister besonders für die Stadtverwaltung als große Bereicherung bezeichnete.

Im folgenden Interview erfahrt ihr mehr darüber was Silvan genau gemacht hat, mit wem er zusammengearbeitet hat und was er am spannendsten fand.

Silvan Weber bei der Kartierung der Vegetation in einem bewaldeten Moor, Foto Credits: Wachtel


Wie bist du auf dein Abschlussarbeitsthema gekommen und warum liegt dir das Thema am Herzen?

Auf das Thema kam ich letztlich über viele Ecken: Mein persönlicher Werdegang, die Leute, die ich u.a. an der Hochschule kennenlernte, mein Praktikum, bei dem ich in vielen Teilen Nordbrandenburgs unterwegs war. Anfangs war mein Gedanke, ein Thema zur Biodiversitätsstrategie in Eberswalde zu bearbeiten. In einem Gespräch mit Prof. Dr. Vera Luthardt schlug sie mir dann aber das Thema zu den Mooren im Stadtgebiet vor. Spannend fand ich das vor allem deshalb, weil bei diesem Thema Klimaschutz auf kommunaler Ebene eine wichtige Rolle spielt. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Eberswalde als Partnerin bot für mich die Gelegenheit, Erfahrungen fernab des Schreibtisches in der Praxis zu sammeln. Schön war auch zu wissen, dass die Arbeit nicht einfach in einer Schublade oder einem Ordner landet. Im Gegenteil, die Kartierungen und die Arbeit bieten eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung weiterer Maßnahmen für den Moorschutz im Stadtgebiet.


Hast du mit Praxispartner*innen zusammengearbeitet? Wenn ja, in welcher Form?

Meine Abschlussarbeit fertigte ich in enger Kooperation mit der Stadt Eberswalde an. Dafür trafen wir uns in regelmäßigen Sitzungen, in denen ich über den Stand meiner Arbeit berichten konnte. Im Gegenzug konnte ich Teil eines sehr praxisnahen Prozesses sein, bei dem die Abgeordneten darüber berieten, wie Moorschutz in der Stadt Eberswalde weiter ausgestaltet werden könnte.

Nicht zu vergessen sind an dieser Stelle auch die Beleg- und Abschlussarbeiten von Studierenden, die mit Ihren Kartierungen einen wichtigen Beitrag zur Vervollständigung der Arbeit geleistet haben. Ohne die Daten, die durch diese Arbeiten zusammengetragen wurden, hätte meine Arbeit nur die Hälfte der Moore belichten können.


Was genau hast du erforscht und letztendlich bei deiner Abschlussarbeit herausgefunden?

Ich habe in meiner Arbeit eine erste Gesamterfassung des Zustands der Moorflächen im Raum Eberswalde vorgenommen und darüber hinaus eine erste Hochrechnung der Mengen an gespeichertem organischem Kohlenstoff und der Treibhausgas-Emissionen aus den Moorböden vorgenommen. Grundlage war hier eine Vielzahl an Kartierungen, mit denen die etwa 149 Moorflächen erfasst wurden. Auf Basis der Erkenntnisse der Arbeit konnten dann Kriterien zur Auswahl prioritärer Moorflächen erarbeitet werden und in Zusammenarbeit mit Abgeordneten der Stadt Eberswalde erste potenzielle Moorflächen zur Wiedervernässung ausgewählt werden.


Welche Erkenntnis aus deiner Arbeit fandest du besonders spannend?

Es ist Wahnsinn, wie viele Moorflächen in der Stadtkulisse Eberswalde zu finden sind. Ich konnte selbst viele Kartierungen durchführen und dabei die Vielfalt der Moore im Stadtgebiet kennenlernen. Da sind auf der einen Seite sehr nährstoffarme Moore, mit zarten Torfmoosen und Wollgräsern und auf der anderen Seite nährstoffreiche Moore, auf denen dicke Erlen stehen und kräftige Seggen den Unterwuchs bilden. Auch bei meiner jetzigen Arbeit bietet eigentlich jedes Moor eine Überraschung und so wird es mir nie langweilig.


Wie geht es jetzt für dich weiter bzw. welche Pläne hast du für die Zukunft?

Für mich ging es glücklicherweise recht nahtlos weiter nach Brandenburg an der Havel, wo ich seit März bei der Flächenagentur im Rahmen der MoorFutures tätig bin. MoorFutures sind Klimaschutz-Zertifikate, mit denen man über regionale Moorschutzprojekte freiwillig CO2 kompensieren kann. Für mich bedeutet meine Arbeit eine weitere, intensivere und vor allem praxisnahe und umsetzungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema Moor- und Klimaschutz. Wenn ich an Pläne für die Zukunft denke, denke ich vor allem daran, ein erstes Projekt umzusetzen. Ich glaube ernsthaft es muss ein schönes Gefühl sein, Mitgestalter eines Projektes zu sein, das einen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung unserer Zukunft leistet. Das erfüllt mich irgendwie einfach mit Freude.


Ist deine Masterarbeit öffentlich einsehbar und wenn ja wo kann mensch sie finden?

Wenn ich mich nicht irre, müsste es zumindest ein Exemplar in der Bibliothek an der HNEE geben.(Ergänzung der Redaktion: Ja!)


Foto links: Ein nährstoffreiches Moor gekennzeichnet durch einen Erlenbruch mit Großseggen im Unterstand, Foto Mitte: Aufkommende Sukzession im Eppelbruch als Folge sinkender Wasserstände, Foto rechts: Offene Ried- und Röhrichtflächen in der Stadtseerinne. Durch den Biber wurden hier Teilfläche vernässt, Foto Credits: Silvan Weber


#MoorFutures

Schon gewusst? Die HNEE ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der MoorFutures. Bei MoorFutures können, wie Silvan bereits im Interview sagte, gleichnamige Zertifikate erworben werden. Die MoorFutures-Projekte werden unter Leitung von Prof. Dr. Vera Luthardt durchgeführt. Die Projekte werden über einen Zeitraum von 50 Jahren intensiv betreut.

MoorFutures setzt sich für die Wiedervernässung von ausgewählten Brandenburger Mooren ein, durch die CO2-Emissionen eingespart werden können und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere entstehen. Ein „MoorFuture“ sorgt für die Speicherung einer Tonne Kohlenstoffemissionen.


Moore enthalten etwa ein Drittel der weltweiten nicht-fossilen Kohlenstoffvorräte und das, obwohl sie lediglich drei Prozent der Landfläche ausmachen. Viele deutsche Moorstandorte wurden bzw. werden entwässert oder land- bzw. forstwirtschaftlich genutzt. Das Schlimme dabei ist, dass neben dem Verlust der Lebensräume zahlreicher wertvoller Pflanzen und Tierarten und dem Speicherpotenzial ein gegenteiliger Effekt für das Klima geschaffen wird, denn der gespeicherte Kohlenstoff wird durch die Entwässerung in die Atmosphäre freigesetzt.

Aus diesen Gründen brauchen wir mehr engagierte Menschen, die sich wie Silvan für die lebenswichtigen Moore einsetzen.


#Nachhaltigkeitspreis

Falls du auch Interesse an der Teilnahme des Nachhaltigkeitspreis bekommen hast, kannst du deine Bewerbung bis zum 31. August jeden Jahres hier einreichen. Es dürfen die Abschlussarbeiten aller Fachbereiche eingereicht werden, welche mindestens mit „gut“ bewertet wurden. Die Ansprechpartnerin für die Bewerbung ist Alexandra Wolff. Und falls du gewinnen solltest, winken 1.000 Euro Preisgeld.