Schillernde Schönheit Mesoamerikas – Buch zum Quetzal veröffentlicht

Die Kulturgeschichte des „schönsten Tiers der Luft“ reicht bis zu 3000 Jahre zurück. Schon die Maya, Olmeken und Azteken verehrten den Quetzal als einen heiligen Vogel. Kein Wunder, dass diese schillernde Schönheit mit ihren beeindruckend langen Schmuckfedern auch Studierende und einen Professor der HNEE in ihren Bann gezogen hat.

Buchcover (Foto: U. Schulz), Quetzal (Foto: Zdeněk Macháček on Unsplash)

„Der Vogel ist optisch sehr ästhetisch. Je nach Lichteinfall leuchten seine Federn in unterschiedlichen Grün- und Blautönen“, schildert Mariia Kryvokhyzhyna. Sie studiert LaNu an der HNEE und hat Prof. Dr. Ulrich Schulz bei der Veröffentlichung des Buches La vida del Quetzal en la historia del arte mesoamericanounterstützt. Mariia hat sich sehr genau mit dem Erscheinungsbild des Vogels auseinandergesetzt, da sie das Layout und viele Illustrationen des Buches übernommen hat.


Der Vogel und seine kulturelle Bedeutung

Der Quetzal (Pharomachrus mocinno) hat in Mesoamerika eine tiefe symbolische und religiöse Bedeutung. Die besonders langen Schmuckfedern des Männchens, welche weit über den Schwanz hinausragen und eine Länge von bis zu einem Meter erreichen, sind als Zeichen des Lebens, der Kostbarkeit, Würde und Fruchtbarkeit überliefert. Besonders spektakulär sind seine Schauflüge über dem Kronendach mittelamerikanischer Bergregenwälder, dabei tritt seine volle Farbenpracht in Erscheinung.

Quetzal-Feder (Foto: U. Schulz)


Auch heutzutage ist der Begriff „Quetzal“ in Guatemala nicht nur als Namensgeber der Landeswährung – dem Guatemaltekischen Quetzal – sehr präsent. Der Vogel ist als Nationaltier auf allen Geldscheinen abgebildet und als Unabhängigkeitssymbol Bestandteil des Staatswappens. Passenderweise ist der Quetzal ein freiheitsliebendes Tier, dessen Haltung in Gefangenschaft sehr herausfordernd ist. Als Nahrungsspezialist ist er äußerst wählerisch und frisst bevorzugt Früchte von Lorbeerbaumgewächsen, die nur in immerfeuchten Regenwäldern höherer Berglagen vorkommen.

Die Idee des Buches

„Ziel der Buchveröffentlichung ist, die stark bedrohten Lebensräume des Vogels, die Bergregenwälder Mittelamerikas und damit all ihre Lebensgemeinschaften und ökosystemaren Dienstleistungen, zu schützen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Schulz, der das Buch zusammen mit Prof. Dr. Ursula Thiemer-Sachse, Professorin am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin, geschrieben hat.


Ulrich Schulz beschäftigt der Quetzal schon seit über 30 Jahren. Als Student reiste er das erste Mal nach Guatemala auf eine Expedition, um die Populationsdichte des Vogels in Bergregenwäldern zu erfassen. Seitdem lässt ihn der Quetzal nicht mehr los: mehrmals unternahm er tierökologische Forschungen in Mittelamerika, arbeitete in Landnutzungs- und Regenwaldschutzprojekten, organisierte Forschungsreisen mit Studierenden der HNEE und arbeitete zusammen mit Eberswalder und mittelamerikanischen Studierenden vor Ort. Der Quetzal war dabei oft wie eine Flaggschiffart für diese Projekte. Das Buch spiegelt langjährige Forschungstätigkeiten wider und rekonstruiert sehr anschaulich die Kulturgeschichte des Vogels.

Vielseitige LaNus

Auch die LaNu-Studentin Isabel Kleinschroth unterstützt das Projekt. Ihre Großeltern haben 40 Jahre in der Stadt Puebla, südöstlich von Mexiko-Stadt, gelebt, dem Ort in dem Ulrich Schulz 2006 an der Universität als Gastwissenschaftler arbeitete. Isabel kennt den Quetzal schon eine ganze Weile, denn nach ihrem Abitur reiste sie nach Costa Rica und konnte dort den Vogel das erste Mal sehen. Ihre Begeisterung für das Tier und ihre mexikanischen Wurzeln brachten sie schließlich dazu, die spanische Übersetzung des Buchs zu überarbeiten und zu vervollständigen. Aktuell organisiert sie die Verteilung von Frei-Exemplaren in Lateinamerika.


Die aktuelle Lage ist für den Quetzal eher schlecht

Quetzal (Foto: Zdeněk Macháček on Unsplash)

Leider verschwinden heute die Lebensräume des Quetzals, die Bergregenwälder Mittelamerikas, zunehmend. Umweltzerstörungen und nicht nachhaltige Landnutzung haben dazu geführt, dass der Quetzal nur noch in fragmentierten Regionen von Panama bis Mexiko zu finden ist. Besonders in Guatemala, dem Land, in dem der Mythos um den Vogel am größten ist, sind seine Lebensräume am stärksten bedroht. „Mehr Projekte zum Quetzal als Symbol des Nebelwaldschutzes müssen unterstützt, nachhaltigere Landnutzungs-formen und strengere Schutzgebiets-maßnahmen etabliert werden“, fordert Ulrich Schulz. „Ansonsten bleiben die künstlerischen Quetzal-Darstellungen der alten mesoamerikanischen Kulturen länger erhalten als der Vogel selbst.“



Das Buch erschien anlässlich des 200. Jahrestages der mittelamerikanischen Unabhängigkeit am 15. September 2021. Bald soll es in zweiter Auflage gedruckt und an Bibliotheken und Schulen in Guatemala verteilt werden. Finanziert wird dies vom guatemaltekischen Konsulat.


Das Buch zum freien Download

La vida del Quetzal en la historia del arte mesoamericano

Ein kostenloses, freizugängliches PDF des Buchs ist hier zu finden.

Exemplare sind auch in der HNEE-Bibliothek erhältlich.