6. Zukunftsdialog Ökolandbau

Aktualisiert: Nov 4

Seit 2016 kommen einmal im Jahr Forschende, Anwendende, Studierende und weitere Interessierte zusammen, um im Rahmen des Zukunftsdialogs Ökolandbau, der in Kooperation mit dem Julius Kühn–Institut stattfindet, voneinander zu lernen und miteinander zu diskutieren.

Am 28. Oktober 2022 fand der diesjährige sechste Dialog wieder auf den Versuchsflächen der HNEE auf Gut Wilmersdorf statt. Der Schwerpunkt lag diese Mal auf dem Thema „Kleegräser, Luzerne und Gemengepartner – Sorten, Anbau und Nutzen unter dem Aspekt von Klimawandel und Biodiversität“ und wurde am Ende noch mit zwei kleinen Exkursen zum Projekt „zUCKERrübe“ sowie einem Besuch der Versuchsparzellen mit großkörniger Hirse ergänzt.

6. Zukunftsdialog Ökolandbau, Foto Credits: Annalena Schreib


Strahlende Sonne, blauer Himmel, neugierige Menschen

Nach einer kurzen Begrüßung durch die HNEE Dozenten Prof. Dr. Ralf Bloch, Prof. Dr. Roland Hoffman-Bahnsen, wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabrina Scholz sowie JKI–Vertreter und HNEE- Honorarprofessor Dr. Stefan Kühne, führte ÖAM-Studentin Amanda Birkmann, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Arten- und Sortenwahl für einen klimaangepassten Anbau von Futterleguminosen“ auseinandersetzt, durch die verschiedenen Kulturen auf den Versuchsparzellen.

Der Umgang mit Trockenheit erfährt im Rahmen des Klimawandels eine immer größere Bedeutung. Ziel des Projekts ist es deshalb, vor allem trockenresistente Sorten und Mischungen zu finden und deren Anbautauglichkeit und Ertragsstruktur für den Standort Brandenburg zu analysieren. Eine besondere Rolle kommt dabei der Luzerne zu, die aufgrund ihrer bis zu neun Meter tiefen Pfahlwurzel auch in Dürreperioden noch Wasser aus tiefer gelegenen Bodenschichten beziehen kann. Die letzten beiden der drei vorgestellten Projekte beschäftigten sich daher schwerpunktmäßig mit dieser Pflanze.


Rotklee, Weißklee, Gelbklee, Bockshornklee … Klee und Luzerne in allen Formen und Farben

Ein grüner Streifen von der Hügelkuppe hinunter zu unserem Startpunkt: die elf verschiedenen Kulturen, die Amanda Birkmann im Rahmen des Projektes nebeneinander angebaut hatte, ergaben ein schönes Bild. Sie berichtete von ihrer Arbeit, angefangen mit der Aussaat im April, über mehrere Bonituren, bei denen unter anderem Aufwuchshöhe, Deckungsbeiträge und Ertragsanteile (in den Kategorien Gräser, Kräuter und Leguminosen) der verschiedenen Kulturen erhoben wurden bis hin zu den Ertragsschnitten, für den jeweils ein repräsentativer Quadratmeter gewählt, abgemäht und im Labor ausgewertet wurde. Die Untersuchungen im Labor hinsichtlich Frisch- und Trockenmasse, Ertragsanteilen und Stickstoffgehalt des Aufwuchses lieferten schließlich die Daten zur Beurteilung der einzelnen Kulturen. Den höchsten Stickstoffgehalt im Aufwuchs brachte dabei der Weiße Steinklee, Hornklee lag den Frischmasseertrag betreffend vorne und Spitzenreiter im Trockenmasseertrag war in diesem Jahr auf den Versuchsflächen die Gründüngungsmischung DSV M5.

Foto links: Versuchsfläche in Parzellen aufgeteilt, Foto Mitte: Hornklee, Foto links: Luzerne mit Wurzel, Foto Credits: Annalena Schreib


Erdklee – ein Teppich aus Grün

Der Erdklee, dessen Stängel horizontal wachsen und der daher eine geringe Aufwuchshöhe hat, überraschte mit den Frischmasseerträgen, die trotz der niedrigen Pflanzen im Mittelfeld lagen. Die Ursache liegt im hohen Deckungsgrad dieser Kultur, die sich einem Teppich gleich über den Parzellen ausbreitete. Spannend ist außerdem, dass sich der Erdklee aufgrund seines Lebenszyklus bestens als Untersaat für Getreide eignet, da die Pflanze oberirdisch im Sommer abstirbt, erst im Herbst wieder austreibt und damit während der Reifephase des Getreides keine Nährstoffkonkurrenz darstellt.

Der Erdklee war bei Weitem nicht die einzige spannende Leguminose, hier von allen zu berichten würde jedoch den Rahmen sprengen.


Kleiner Exkurs: Greifvögel – Freunde im Schutz vor Wühlmäusen

Zu Ernteausfällen führende Fraßschäden an den Pflanzenwurzeln oder geminderte Futterqualität durch Aufwerfen von Erde und damit Verschmutzung des späteren Futters sind nur zwei Gründe, warum Wühlmäuse im Übermaß bei den meisten Landwirt*innen ungebetene Gäste sind. Pflügen wäre eine effektive Bekämpfungsmaßnahme, aber auch das Fördern von Greifvögeln hilft, die starke Ausbreitung der Nager zu verhindern. Deshalb wurden auf Wilmersdorf Holzgerüste mit Sitzkrücken für Habicht, Bussard und Co. aufgestellt, von denen die Vögel eine gute Sicht auf Feld und Maus haben. Kurz nach diesem kleinen Exkurs durch Stephan Kühne, flogen wie zur Bestätigung zwei Rohrweihen Sitzstangen für Greifvögel, Annalena Schreib auf ihrem Weg Richtung Süden vorbei.


Noch mal Luzerne – diesmal im Gemenge

Im Anschluss stellte Johannes Hofstätter, der derzeit im Projekt „Biodiversität im Ackerbau“ forscht (Anm.d.Red.: ein Interview mit ihm haben wir vor kurzem hier geführt), Versuche mit der Etablierung von Luzerne in Landsberger Gemenge (Mischung aus Welschem Weidelgras, Inkarnatklee und Winterwicke) ein paar Felder weiter vor. In einem dreijährigen Versuch soll die Eignung verschiedener Luzernesorten verglichen werden.

Ungewöhnlich ist, dass das Gemenge – in der Regel als Winterzwischenfrucht angebaut – in einer Frühjahrsaussaat ausgebracht wurde. Die Entwicklung im Jahresverlauf war spannend zu beobachten, während im Frühjahr die Wicke dominierte, sahen wir jetzt im Herbst vor allem Gräser. Insgesamt waren die Parzellen von großer Heterogenität geprägt. Den Entwicklungen über den Winter und in den Folgejahren wird daher neugierig entgegengeblickt.


Demonet KleeLuzPlus

Auch bei dem seit 2019 laufenden Projekt „Demonet KleeLuzPlus“ dreht es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um den Anbau von Luzerne und Klee. In Kooperation mit 70 Betrieben (ökologischen wie konventionellen), 14 Demonstrationsbetrieben in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie neun institutionellen Partnern werden Potenziale erforscht und daran gearbeitet, Anbau und Nutzung dieser heimischen Eiweißlieferanten auszudehnen. Arne Bielau vom Ökoring im Norden e.V. war vor Ort um zu berichten.


Kleine Zugaben

Da das Wetter so schön war und niemand so recht gehen wollte, wurde das Programm um einen kurzen Abstecher zu Zuckerrübe und Hirse erweitert.

Der Anbau von Zuckerrüben ist in Deutschland stark zurückgegangen, Bio-Anbau gibt es kaum mehr. Die Ursachen sind vielfältig, vor allem aber ist die Zuckerrübe besonders im Ökolandbau, wo keine Herbizide eingesetzt werden, eine sehr arbeitsintensive Kultur, da sie sich nur langsam im Jugendstadium entwickelt und daher ein hoher Unkrautregulierungsaufwand besteht. 200-300 Handhackstunden kommen pro Hektar Zuckerrüben im Jahr zusammen. Darüber hinaus benötigen Zuckerrüben gute Böden um sich zu entwickeln.

Ziel des Projekts „zUCKERRÜBE“ an dem Ralf Bloch maßgeblich beteiligt ist, ist es, den Zuckerrübenanbau in der Region Brandenburg wieder attraktiver zu gestalten, indem geeignete Strategien erforscht und regionale Abnehmer vermittelt werden.

Auch die großkörnige Hirse, präsentiert von Roland Hoffman-Bahnsen, gilt als zukunftstauglich, denn die aus dem afrikanischen Raum stammende Pflanze ist sehr trockenresistent. In Dürrejahren bringt sie daher gute Erträge und birgt Potenzial als Energiegewinnungspflanze oder als Futtermittel in der Geflügelhaltung. Bei feuchter Witterung im Herbst, wie es in diesem Jahr der Fall war, ist Sorghum Bicolor jedoch anfällig gegenüber Pilzerkrankungen. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, werden frühreife Sorten gesucht.






Sorghum Bicolor, Foto Credits: Annalena Schreib


Es gäbe sicher noch viele weitere Projekte zu entdecken und zu diskutieren, jedoch waren die Köpfe bereits voll vom Input des Tages und die Veranstaltung löste sich im Anschluss an diese beiden kleinen Exkurse langsam auf.


Insgesamt wurde das Ziel, im Rahmen des Zukunftsdialoges einen Ort zum Austauschen und Diskutieren zu schaffen, mehr als erreicht. Besonders spannend waren die unterschiedlichen Erfahrungen der Vertretenden aus Theorie und Praxis, die sich teilweise sogar widersprachen. Aber die Natur ist eben sehr komplex und unzählige Faktoren machen jeden Standort einzigartig, sodass allgemeingültige Aussagen oft schwierig sind.