And the Fachbereichspreis goes to...Pauline Sykora und Carina Betz

Neues aus unserer Kategorie #ausgezeichnete Abschlussarbeiten. Am 29.10. wurde der Fachbereichspreis an zwei Absolventinnen vergeben. Ehemalige ÖLVin, Pauline Sykora, erhielt den Preis für ihre Arbeit über das Potenzial und die Erfolgsfaktoren von Mischweiden in der Landwirtschaft. Master-Alumna des Studiengangs RuN, Carina Betz, bekam den Preis für ihre Arbeit über Natur-Resonanzräume in Großstädten und die Naturbeziehungen von Kindern.


links: Pauline Sykora, Foto: Jonathan Foerster, rechts: Carina Betz, Foto: Lena Hoffmann


Mittlerweile hat Pauline ein Masterstudium in Wien begonnen und Carina ist für ihren ersten Job nach Husum gezogen. Wie ist das Leben nach der HNEE und wie sind die ausgezeichneten Abschlussarbeiten entstanden? Das erfährst du in diesem Beitrag.


Empirisch unterwegs

Während ihres Praxissemesters auf dem Gärtnerhof Staudenmüller stieß Pauline auf einen interessanten Artikel in der Bioland-Zeitschrift. Es ging um holistisches Weidemanagement - eine Methode bei der mehrere Nutztierarten auf der gleichen Fläche weiden. Weitere Recherchen zum Thema waren nicht so ergiebig, deswegen beschloss Pauline in ihrer Bachelorarbeit dazu zu forschen. So entstand die Idee für ihre Arbeit mit dem Titel „Potenzial und Erfolgsfaktoren der Mischweide in der landwirtschaftlichen Praxis - Eine Betrachtung von Betrieben mit Beweidungskombinationen aus Wiederkäuern, Geflügel, Schweinen und Pferden“. Die betreuenden Dozierenden Prof. Dr. Inga Schleip und Gerriet Trei haben Pauline ermutigt, aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Quellen, im Rahmen der Bachelorarbeit empirische Forschung durchzuführen.


Eine ähnlich qualitative Herangehensweise zeigt auch Carina Betz in ihrer Masterarbeit und hat dafür den Titel „Du (Natur) - Ich (Kind) und unser Draht zueinander: Natur-Resonanzräume in Großstädten. Eine Befragung von Kindern zu ihren Naturbeziehungen im Naturerfahrungsraum Kienberg in Berlin“ ausgewählt. Auf das Thema stieß sie bereits während ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft an einem Forschungsprojekt am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz mit dem Titel “Naturerfahrungsräume in Großstädten am Beispiel Berlin” (Leitung Prof. Dr. Molitor und Prof. Dr. Peters). Dort hat sie in sogenannten Naturerfahrungsräumen – auf naturbelassenen Spielflächen - das Verhalten der Kinder beobachtet. Dabei konnte sie gut an ihre Kenntnisse aus ihrem Bachelorstudium Pädagogik anknüpfen. Die Dozentinnen Frau Dr. Dörte Martens und Prof. Dr. Heike Molitor, die ebenfalls Teil des Forschungsprojekts sind, wurden Carinas Betreuerinnen.


Vom Glück der Menschen und Tiere

Für ihre Bachelorarbeit hat Pauline Höfe untersucht, die gemischte Weidehaltung in ihrer landwirtschaftlichen Praxis anwenden. Über einen Facebook-Aufruf hat sie drei Betriebe in Deutschland gefunden: Hof Hasenkrug in Schleswig Holstein, Hermannsdorfer Landwerkstätten in Bayern und Thüringeti in Thüringen. Aus den Interviews mit den Mitarbeitenden konnte sie herausarbeiten, dass Mischbeweidung viele Vorteile bringen kann - vorausgesetzt sie ist gut konzipiert. Zum Beispiel kann eine Weide auf der jedes Tier seine Nische findet besser ausgenutzt werden. Parasitendruck kann vermindert werden, da eine Tierart die Parasitenlarven der anderen auffrisst. Außerdem trauen sich Fressfeinde wie Habicht oder Wölfe nicht anzugreifen, wenn Schweine und Hühner oder Rinder und Schafe zusammen weiden.

Eine eingehendere Betrachtung der Ergebnisse ihrer Arbeit und die Vorstellung der untersuchten Praxisbetriebe findet ihr in der Juni Ausgabe des bioland Magazin auf Seite 34 bis 37 oder das pdf dazu hier.


In ihrer Masterarbeit wollte Carina herausfinden, wie Kinder in Naturerfahrungsräumen eine Beziehung zur Natur herstellen. Mithilfe der Resonanztheorie von Hartmut Rosa hat sie untersucht, was bei Kindern sogenannte Resonanz oder Begeisterung für die Natur auslöst und wie sie Natur als schützenswert erkennen. So zum Beispiel hat ein Kind eine Ameisenschleuder gebaut, sodass die Ameisen sich über den Weg katapultieren können. Insgesamt hat Carina 17 Kinder interviewt und kam zum Ergebnis, dass Neues, Unbekanntes, Unerwartetes und nur beschränkt Verfügbares zu einer tiefen Verbindung zwischen Mensch und Natur beiträgt. Was das bedeutet erläutert sie anhand eines Beispiels: Wenn jemand versprochen bekommt, während einer Safari drei Tiger zu sehen, berührt das nicht so stark wie eine plötzliche Begegnung mit einem Reh im Wald, das in jeder Sekunde wieder wegrennen kann. Resonanz ist, wie Carina feststellte, auch eine Grundlage für ein glückliches Leben - wenn man verschlossen, ohne Neugier durch das Leben geht, empfindet man schnell eine Leere.


Wie geht es weiter?

Pauline hat einen Master an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien angefangen. Im Studiengang “Green Care” lernt sie alles, was Natur und Soziales verbindet. Parallel macht sie ein Praktikum auf dem Luisenhof in Sachsen, der Betreuung von Kinder- und Jugendlichen anbietet. Gerne möchte sie sich weiter im Bereich soziale Landwirtschaft entwickeln.


Für Carina ging es im August nach Husum. Dort hat sie eine Stelle als Bildungsreferentin gefunden und leitet Seminare über das Wattenmeer für Teilnehmende des Bundesfreiwilligendienst. Ihre Abschlussarbeit steckt noch tief in ihrem Herzen und in Zukunft möchte sie Kindern den Zugang zur Natur ermöglichen und sich so für eine glücklichere Welt einsetzen.