clit night// nicht so clit(ze)klein wie mensch denkt

Aktualisiert: 17. Sept 2019



Am ersten November Abend treffen sich 25 Menschen am Stadtcampus, um über die Klitoris zu sprechen. Louisa Lorenz ist Kulturwissenschaftlerin und macht gerade ihren Master in Medienwissenschaften und Geschlechterforschung. Sie leitet die clit night und schreibt über ihren Workshop: „"Klitoris" ist kein völlig unbekannter Begriff, doch was sich dahinter tatsächlich verbirgt, wissen die meisten trotzdem nicht […]“.


Ob wir wissen was sich hinter dem Begriff Klitoris verbirgt soll sich schnell zeigen, denn nach einigen einführenden Worten gibt Luisa uns ein Klitoris-Quiz in die Hand. In Gruppen überlegen und diskutieren wir: Wie groß ist die Klitoris? Wie viele Nervenenden befinden sich in ihr? Wo befindet sich die Klitoris und wie ist ihr Größenverhältnis zum Penis?

Manche Fragen können wir mit Sicherheit beantworten, manche nur so vage und bei anderen macht sich Ratlosigkeit breit. Schon klar, wir sind ja keine Mediziner*innen. Trotzdem drängt sich die Frage auf: Wie kann es sein, dass eine vermeintliche aufgeklärte Gesellschaft wie unsere die Klitoris in ihrer Gesamtheit so vernachlässigt? Wieso hat uns im Sexualkunde-Unterricht niemand erzählt, dass die Klitoris deutlich größer ist als nur der sichtbare Teil, die Klitorisperle?


Louisa beantwortet die Fragen des Quiz in einem Vortrag und erklärt dabei die Anatomie der Klitoris. Tatsächlich ist die Klitoris ein Schwellkörper dessen größter Teil sich im Körperinneren verbirgt und der, genauso wie der Schwellkörper im Penis, bei sexueller Erregung anschwillt. Auch im Bezug auf die Größe haben Klitoris und Penis mehr gemeinsam als mensch vielleicht ahnt: Die Klitoris ist sechs cm breit und neun bis zwölf cm lang und bewegt sich damit in einem ähnlichen Größenspektrum wie der Penis.


Nach einer kurzen Pause widmet sich Louisa im zweiten Teil der Veranstaltung der Kulturgeschichte der Klitoris von der Antike bis heute. Dabei wird klar: Die weiblichen Geschlechtsorgane haben viel durchgemacht. So ging mensch vor der Aufklärung beispielsweise davon aus, dass die Vagina ein nach Innen gestülpter Penis ist. Im Zuge dessen stolpern wir über Begriffe wie Scheide und Schamlippen. Wieso wird die Vagina umgangssprachlich als ein Gegenstand bezeichnet der ohne ein Schwert (oder Penis) keinen Zweck erfüllt? Wieso sollen Vulvalippen schamvoll sein, wo sie doch vor allem charmevoll sind?


In Gruppe reflektieren wir die Veranstaltung. Was war unsere Motivation an der Veranstaltung teilzunehmen? Was war neu? Was wussten wir bereits? Am Ende des Abends gehen wir mit neuem und/oder aufgefrischten Wissen und Denkanstößen nach Hause. Ich persönlich durfte feststellen: Ich möchte mehr wissen. Für mich ist die gesellschaftliche Betrachtung der Klitoris politisch und deshalb lasse ich Menschen, mit denen ich befreundet bin an meinem neuen Wissen teilhaben.


Ein dickes Dankschöne geht an unseren AStA und unsere Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsbeauftragte Dörte Beyer. Ohne deren Unterstützung wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen.


Wer mehr erfahren möchte oder auch einmal einer clit night beiwohnen möchte findet hier weitere Informationen.