Die junge AbL – Studi-Initiativen vorgestellt

Aktualisiert: 9. Mai

An der HNEE gibt es viele Initiativen und Gruppen, die durch studentisches Engagement entstanden sind. In unserer neuen Rubrik „Studi-Initiativen“ stellen wir sie euch vor und sprechen mit Menschen, die darin aktiv sind.


Julia Thöring studiert aktuell im sechsten Semester „Ökolandbau und Vermarktung“ und engagiert sich für agrar- und klimapolitische Themen und Bewegungen. Im Gespräch erklärt sie uns, was die junge AbL in Eberswalde antreibt, wie mensch mitwirken kann und warum ihr die Arbeit in dieser vielfältigen Initiative so viel Freude bereitet.

Julia auf einer Demo (Foto: Sandra Doneck)


Liebe Julia, was macht eure Studi-Initiative?

Als Zusammenschluss von jungen Leuten innerhalb der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (AbL) verstehen wir uns als einen Teil von „La Via Campesina“, der weltweiten kleinbäuerlichen Bewegung für Ernährungssouveränität und Agrarökologie.

Wir wollen einen Austauschraum für agrarpolitisch interessierte junge Menschen in Eberswalde und Brandenburg schaffen und gleichzeitig Sprachrohr für all jene aus unserer Generation sein, die etwas mit Landwirtschaft am Hut haben. Uns beschäftigen Themen wie Klimagerechtigkeit, Zugang zu Land und Existenzgründung in der Landwirtschaft sowie kritische Perspektiven auf Agrarwissenschaften. Wir haben Lust, Höfe in der Region kennenzulernen, ein Netzwerk aufzubauen und für eine zukunftsfähige Landwirtschaft auf die Straße zu gehen. Außerdem wollen wir uns gemeinsam weiterbilden und die Lehrinhalte an der HNEE kritisch betrachten sowie durch neue Perspektiven ergänzen und weiterentwickeln.


Warum ist es so wichtig, dass die HNEE die junge AbL als Struktur hat?

Die Stimmen von jungen aktiven Menschen, die sich mit unserem Ernährungssystem auseinandersetzen, auf Höfen arbeiten und sich über die Zukunft der Landwirtschaft Gedanken machen, kommen im öffentlichen Diskurs viel zu wenig bis gar nicht vor. Dabei braucht es uns in Zeiten von multiplen Krisen, in denen Landwirt*innen ihre Höfe aufgrund des Preisdrucks aufgeben müssen und in denen die Klimakrise für einen Dürresommer nach dem anderen verantwortlich ist, mehr denn je. Hochschulen sind ein perfekter Ort, um sich zu vernetzen und gemeinsam zu organisieren. Außerdem braucht es Menschen, die sich inhaltlich ins Hochschulgeschehen einmischen und die Lehre mit ihren Themen weiter voranbringen.


Wie können sich Interessierte bei Euch engagieren und welche Aufgaben erwarten sie?

Uns gibt es in Eberswalde erst seit vergangenem Sommer, daher sind wir noch dabei herauszufinden, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt. Aus diesem Grund freuen wir uns umso mehr über Menschen, die motiviert sind, diese Gruppe mitzugestalten und ihre Themen einzubringen. Generell ist alles möglich, worauf wir Lust haben.

Ich möchte hier nochmal explizit erwähnen, dass wir keine reine Studierenden-Gruppe sein wollen und auch Menschen, die nicht „Ökolandbau und Vermarktung“ studieren, noch nie eine Kuh gemolken oder niemals auf einem Trecker gesessen haben, bei uns willkommen sind. Wir brauchen mehr Menschen, die sich für eine gerechte Landwirtschaft einsetzen und aus vielfältigen Hintergründen kommen!


Was macht dir an dieser Arbeit am meisten Spaß?

Ich genieße die Diversität an Stimmen und Hintergründen innerhalb der AbL: Von dem 60-jährigen konventionellen Landwirt mit 3000 ha Land über das feministische junge Hofkollektiv bis hin zu stabilen Aktivist*innen aus der Klimabewegung, die gemeinsam etwas verändern wollen. Gleichzeitig bietet die junge AbL einen extra Austauschraum für unsere Generation, die nochmal ganz anderen Herausforderungen entgegensieht, neue Perspektiven auch innerhalb der AbL eröffnet, sich gegenseitig unterstützt, empowert und Lust hat, was voranzubringen. Transformation funktioniert nur, wenn Menschen ihre Komfortzone verlassen und sich zusammenschließen. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass es uns als Gruppe gibt.


Wie läuft so ein Treffen bei Euch hab? Welche Themen werden besprochen?

Wir treffen uns jeden ersten und dritten Dienstag im Monat um 18 Uhr in Eberswalde oder auch mal auf einem Hof in der Umgebung. Für die Treffen existiert kein festgeschriebener Ablauf. Meistens besprechen wir organisatorische Themen, die gerade anstehen, wie die nächste Veranstaltung, Aktionen oder den nächsten Hofbesuch. Außerdem versuchen wir, bei jedem Treffen ins Inhaltliche zu gehen, indem wir gemeinsam einen Text lesen oder über ein aktuelles Thema diskutieren. Nach dem Treffen gibt es häufig einen inoffiziellen Teil, um bei ‘ner Limo ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren und sich nochmal außerhalb der „Orga-Treffen“ kennenzulernen. Das finden wir sehr wichtig, um langfristig eine aktive und sich unterstützende Gruppe zu sein.


Wenn ihr mal bei der jungen AbL reinschauen wollt, schreibt eine Mail an junge-AbL@hnee.de oder kommt bei einem Treffen vorbei!