Film statt Fachexkursion - wie sich Module an die Pandemie anpassen

Wie kann unter Pandemiebedingungen ein Modul funktionieren, das normalerweise aus einer mehrtägigen gemeinsamen Exkursion aller Teilnehmer*innen besteht?

Diese Frage haben sich die Modulverantwortlichen des WPM „Fachexkursion: Wertschöpfungs-ketten der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft“ gestellt und eine ganz neue Form konzipiert. Wie die Idee dazu entstand, das Modul ablief und die Teilnehmenden es fanden gibt´s im Folgenden zu lesen.


Interview mit Prof. Dr. Anna-Maria Häring:


Für welche Studiengänge wird das Modul angeboten?

Für den Bachelor ÖLV und den Master ÖAM. Eigentlich sind es zwei Module mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, die aber zu einem Modul zusammengefasst werden.


Wie wird das Modul normalerweise durchgeführt?

Normalerweise fahren alle Modulteilnehmer*innen gemeinsam auf eine mehrtägige Exkursion, meist innerhalb Deutschlands, wir waren aber z.B. auch schon in Österreich. Während dieser Exkursion besucht die Gruppe landwirtschaftliche Betriebe in der Region, wobei wir versuchen, unterschiedliche Bereiche wie etwa Gemüseanbau oder Tierhaltung, verschiedene Stufen der Wertschöpfungskette und regionale Besonderheiten abzudecken.

Vor der Exkursion findet ein vorbereitendes Seminar statt, in dem die Studierenden kurze Vorträge über das Klima, die agrarpolitischen Regelungen usw. in der Zielregion halten. Diese Vorträge und die dazugehörigen Handouts sollen den Studierenden helfen, sich gut auf die Gespräche mit den Mitarbeiter*innen der besuchten Betriebe vorzubereiten.

Nach der Exkursion gibt es dann ein weiteres Seminar, in dem sich die Modulteilnehmer*innen über die Exkursion austauschen und reflektieren, was sie währenddessen gelernt haben.


Und wie ist der Ablauf im aktuellen Semester unter Coronabedingungen?

Letztes Jahr haben wir das Modul nicht angeboten bzw. gleich zu Beginn des Sommersemesters abgesagt, damit die Studierenden noch ausreichend Zeit hatten, stattdessen ein anderes Modul zu belegen. Für das Sommersemester 2021 war geplant, die Fachexkursion – diesmal nach Mecklenburg-Vorpommern – wieder normal durchzuführen, aber das war leider nicht möglich.

Daher sind die Studierenden nun in Zweiergruppen und jeweils nur einen Tag auf einen Betrieb in der Region Berlin/Brandenburg gefahren, haben dort Videos vom Betrieb gedreht und Interviews mit den Mitarbeiter*innen geführt. Am letzten Vorlesungstermin im Juli sollen diese Videos dann den anderen Modulteilnehmer*innen gezeigt werden.

Die Vorbereitungstermine mit den Studierendenvorträgen wurden beibehalten, nur eben online durchgeführt und nicht im Hörsaal. Was es in diesem Semester zusätzlich gab, waren zwei Workshops mit einem externen Dozenten, in denen die Studierenden etwas darüber lernten, wie sie mit einem Smartphone Videos drehen und diese Videos hinterher schneiden können.


Können Sie schon ein erstes Fazit ziehen, wie gut das Modul in der aktuellen Form funktioniert? Hätten Sie rückblickend evtl. etwas anders gemacht?

Wir haben im Vorfeld verschiedene Varianten diskutiert wie man das Modul unter Coronabedingungen gestalten könnte; es gab z.B. die Idee, dass die Teilnehmer*innen getrennt nach Mecklenburg-Vorpommern anreisen und während der Exkursion täglich einen Corona-Schnelltest machen. Am Ende haben wir uns jedoch für den oben beschriebenen Ablauf entschieden und ich denke das war unter den derzeitigen Umständen die beste Möglichkeit das Modul überhaupt anbieten zu können.


Vielen Dank für das Interview!


Und nun zum Modulablauf bzw. der Herausforderung ein gutes Video zu drehen ... Zu Beginn des Semesters hatten sich einige von uns Modulteilnehmer*innen Sorgen gemacht: Wie bloß genug Filmmaterial für ein 30-minütiges Video zusammenbekommen?? Es zeigte sich jedoch bald, dass die meisten Zweierteams eher vor dem gegenteiligen Problem standen: zu viel Videomaterial! Die für die Aufgabenstellung wirklich relevanten Interviewantworten sowie Bilder aus dem gedrehten Material herauszusuchen und auf 30 Minuten zu kürzen war dann die größere Herausforderung. Bei der Abschlussveranstaltung Anfang Juli in Präsenz war es sehr spannend zu sehen, welch unterschiedliche Betriebe die Teilnehmer*innen besucht hatten – unter anderem den Ökohof Kuhhorst (https://diekuhhorster.de/), einen Milchziegenbetrieb (https://guter-ziegenkaese.de/) sowie den Backwaren-Produzenten „Märkisches Landbrot“ (https://www.landbrot.de/) – und welch unterschiedliche Videos aus diesen Betriebsbesuchen entstanden sind. Viele der interviewten Personen waren sehr auskunftsfreudig und motiviert, den studentischen Besucher*innen etwas über ihren Betrieb zu erzählen, andere hingegen nicht so sehr; auf einem der Betriebe wollte der Betriebsleiter nicht gefilmt werden und war nur im Hintergrund des Videos zu hören. Bei der Bearbeitung des Videomaterials waren persönliche Treffen der Teampartner*innen aufgrund der Corona-Pandemie und zum Teil unterschiedlicher Wohnorte nur sehr eingeschränkt möglich. Wir mussten uns also über Zoom oder Big Blue Button online treffen oder aber jede*r einen Teil des Materials bearbeiten und anschließend die (sehr großen) Videodateien an den/die Teampartner*in schicken. Das Videoschnitt-Programm, das uns ein externer Dozent in einem Workshop vorgestellt hatte, war nicht gerade intuitiv zu bedienen und brauchte etwas Einarbeitungszeit. Am Ende konnte aber jedes Zweierteam ein Video vorzeigen, wir haben etwas über Videodrehs gelernt, jeweils einen Betrieb intensiver kennengelernt und bekamen auch alle eine gute Bewertung.☺ ...und den Meinungen einiger Teilnehmende: Neben dem Interview mit der Dozentin habe ich eine anonyme Umfrage unter den Modulteilnehmer*innen durchgeführt; einige Antworten daraus sind unten zu lesen. Mir persönlich hat das Modul gut gefallen und ich schließe mich der Aussage an, dass die Verantwortlichen die unter Pandemiebedingungen vermutlich beste Möglichkeit gefunden haben, das Modul überhaupt durchführen zu können. Trotzdem wünsche ich den nachfolgenden Jahrgängen, dass sie wieder zusammen auf eine „echte“ Fachexkursion fahren dürfen, denn Videos sind eben doch kein vollwertiger Ersatz für einen realen Betriebsbesuch.


Mini-Umfrage: