Heu statt Diesel - Zugpferde an der HNEE

Aktualisiert: 25. Sept 2019


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So lautet der Slogan, den sich die vor kurzem gegründete Hochschulgruppe Interessengruppe-Zugpferde auf die Fahnen geschrieben hat. Die IG-Zugpferde ist eine Gruppe Studierender verschiedener Fachbereiche, die sich zusammengefunden haben um sich unter anderem für den stärkeren Einsatz von Arbeitspferden an der HNEE, genauer der planerischen und praktischen Umsetzung von Pferdearbeit und Nachhaltigkeit in der Praxis einzusetzen. Es geht auch darum die Arbeit mit Zugpferden bekannter zu machen. Die Arbeit der Hochschulgruppe erfolgt fachbereichsübergreifend und das grandiose daran, Studierende aller Fachbereiche können sich beteiligen! Das Ziel der IG-Zugpferde ist unter anderem die Verknüpfung von Forschung und Praxis, die Innovation in der Pferdearbeit voranzubringen, Öffentlichkeitsarbeit für Arbeitspferde sowie Forschung über die Arbeit mit Zugtieren zu betreiben und die Integration von Pferdearbeit in Lehre und Ausbildung. Unterstützt wird die Hochschulgruppe dabei von der Interessengemeinschaft Zugpferde e. V. Der Verband setzt sich ebenfalls für einen konsequenten Einsatz von Arbeitspferden ein und trägt dazu bei, die natürlichen Kräfte des Zugtieres zu nutzen und kulturell am Leben zu erhalten.


Nachhaltigkeit durch Pferdearbeit

Aber warum gerade Pferdearbeit? Die Pferdearbeit ist nicht nur ökologisch nachhaltig, sie sorgt auch nachhaltig für soziale Vorteile, wie etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum. Der IG -Zugpferde ist es daher ein besonderes Anliegen, dass dieses Thema an der HNEE auch in der Lehre thematisiert und in diese Richtung geforscht wird. Die Ausrichtung der Hochschule sollte sich auf die Nachhaltigkeitsaspekte der Pferdearbeit ausweiten und das Thema noch stärker an der Hochschule integriert werden. Dabei knüpft die Hochschulgruppe an bereits vorhandene Strukturen an. Unsere Ökolandbauer*innen z.B. haben im Rahmen ihres Curriculums die Möglichkeit das Wahlpflichtmodul Arbeiten mit Pferden zu belegen. In diesem geht es thematisch unter anderem um den heutigen Einsatz von Pferden in der Landwirtschaft, die Ausbildung des Arbeitspferdes, sowie um Verfahren und Verfahrenstechnik in der Waldarbeit und Landschaftspflege. Seit 2008 gibt es dieses Kursangebot an der HNEE, das von Studierenden anderer Fachbereiche als Spezialisierungsmodul angewählt werden kann.

Die Hochschulgruppe ist dabei, das Kursangebot weiter zu entwickeln und die Pferdearbeit als Teil der Hochschullehre weiter voranzubringen. Das Interesse am Thema Pferdearbeit ist groß: Insgesamt 47 Studierende haben das Modul für das kommende Wintersemester 2019/20 angewählt.


Pferdearbeit for future?

Modulverantwortlicher Prof. Dr. Eckart Kramer: "Ich freue mich sehr über die Unterstützung und das Engagement der Hochschulgruppe IG-Zugpferde. Denn letztlich geht das Lehrangebot auf eine Initiative von ÖLV-Studierenden im Jahr 2007 zurück! 2008 haben wir das Modul „Arbeiten mit Pferden“ erstmals angeboten. Seitdem freuen wir uns über die kontinuierlich hohe Nachfrage seitens der Studierenden. Aber ein hoher organisatorischer Aufwand muss hier erbracht werden. Die ganzen Praxisübungen abzusprechen und vorzubereiten – da ist jede Hilfe willkommen! Und auch inhaltlich kommt regelmäßig Neues hinzu. Ich setze den Fokus auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Auch beim Pferdeeinsatz muss Geld verdient werden und es darf sich keine romantisch verklärte Selbstausbeutung einschleichen. Auch wenn Zahlen nicht jedermanns Ding sind: Wir rechnen für verschiedene Verfahren der Land- und Forstwirtschaft wo der Pferdeeinsatz sinnvoll ist. Erfreulicherweise rechtfertigt die aktuelle Entwicklung von Maschinen und Geräten einen wieder zunehmenden Pferdeeinsatz der sich auch rechnet. Moderne Fertigungsverfahren werden weitere Potenziale erschließen. Auch in Landschaftspflege, Naturschutz sowie im Dienstleistungsbereich bestehen interessante Einsatzmöglichkeiten. In einigen Bundesländern setzen Forstbetriebe gezielt zunehmend auf Rückepferde, zumindest für die als nachhaltig zertifizierten Sortimente.


Heu statt Diesel!

Die Hochschulgruppe IG-Zugpferde hat sich im April diesen Jahres offiziell gegründet. Und für so einen kurzen Zeitraum wurde schon viel geschafft und bewiesen, dass mit Elan, Tatendrang und einer guten Prise studentisch-ehrenamtlichem Engagement eine Menge in kurzer Zeit geschafft werden kann! Banner wurden gemalt, T-Shirts bedruckt, viel telefoniert, konzipiert und organisiert. Gut vernetzt und mit der Unterstützung des Vereines Interessengemeinschaft Zugpferde e.V. im Rücken, war die Hochschulgruppe in diesem Jahr zum ersten Mal mit gleich zwei Infoständen beim Tag der offenen Tür vertreten. Wer dabei war wird sich erinnern, dass die Pferde an diesem großen Tag das Campusgesprächsthema Nr. 1 waren. Der durch die Projektgruppe organsierte Einsatz von Pferdekutschen als Shuttle Service zwischen Stadt- und Waldcampus; frei nach dem Motto ,,Heu statt Diesel!'' entpuppte sich als Besucher*innenmagnet. Des Weiteren konnten Besucher*innen die eindrucksvolle Pferderückung im Wald bestaunen, bei der aufgezeigt wurde, wie Pferdearbeit in der Praxis aussehen kann. Dabei konnte man einiges über die Arbeit mit Pferden im Wald und die Besonderheiten dieser Tätigkeit erfahren. Insgesamt ein gelungener Auftakt für den ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt der Hochschulgruppe IG-Zugpferde.


Faszination für Vierhüfler

Angehender Öko-Agrarmanager und HNEE-Student Jonathan Witt ist der Begründer der Hochschulgruppe. In seinem Büro am Stadtcampus erzählt er kurz was ihn zur Gründung der IG-Zugpferde bewogen hat: ,Die Thematik des Zugtiereinsatzes ist weltweit enorm wichtig. In Europa läuft das meiste mittlerweile mit Maschinen ab, aber die Zugtiere sind dennoch stiller Begleiter in vielen anderen Nationen. Hinzu kommt, dass wir über den Klimawandel sprechen. Überall gibt es Ziele, aber selten werden Optionen geliefert, wie diese erreicht werden können. Die Arbeit mit Pferden finde ich sehr faszinierend. Es ist eine ruhige Arbeit, wer hektisch wird, schafft nichts mehr. Das steht, wie ich finde, in direktem Widerspruch zu unserer schnellen Gesellschaft. Interessant wird es dann, wenn der Einsatz von Arbeitspferden auch noch wirtschaftlich Sinn macht. Dann frage ich mich oft, warum es so wenig dazu in der Wissenschaft gibt. Daher habe ich das Herzensanliegen die Pferdearbeit stärker in die Wissenschaft zu integrieren. Die Ausbildung ist ebenso wichtig, da dort ein fast vergessenes Wissen liegt, dass uns auch heute noch, durchaus helfen kann.‘‘ Dabei ist ihm besonders wichtig: ,,… die Pferdearbeit nicht von vornherein als altertümlich auszuschließen. Die Pferde bieten eine Alternative und die möchte ich gerne diskutieren und in den Raum stellen. Eines meiner Lieblingsworte ist Innovation. Ich möchte die Pferdearbeit mit dem modernen Wissenstand zusammenbringen und dann innovativ weiterentwickeln.‘‘


Was sonst noch ansteht

Geplant sind der Ausbau des Lehrangebots mit Arbeitspferdebezug in Form der Gründung einer Projektwerkstatt sowie die Veranstaltung von sogenannten APRI-Kursen. Die Interessengemeinschaft Zugpferde hat mit den Ausbildungs- und Prüfungsrichtlinien ein systematisch aufgebautes Qualifizierungsprogramm entwickelt. Dies ist eine Möglichkeit das Arbeiten mit Pferden gründlich und kompetent zu erlernen, im Rahmen einer garantierten Qualitätssicherung der Ausbildung. Bei den alle zwei Wochen stattfindenden Gruppentreffen diskutiert die Gruppe viel über Nachhaltigkeit und arbeitet Vorschläge aus, wie Nachhaltigkeit in der Praxis aussehen kann. Themensammlungen für Forschungs- und Abschlussarbeiten, dem Aufbau einer Bibliothek zum Thema Pferdearbeit, die Mitwirkung bei Events und Unterstützung der Professoren*innen in der Lehre hinsichtlich Pferdearbeit sowie Exkursionen, Vortragsabende und Diskussionsrunden werden außerdem thematisiert. Mitmachende sind immer gerne gesehen. Und damit der Spaß an der Sache nicht zu kurz kommt, soll jede*r die Möglichkeit haben sich dort einzubringen wo die persönlichen Kompetenzen liegen.


Wer mehr über die Hochschulgruppe erfahren möchte schaut einfach hier nach.