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Na? Bist du auch mal wieder im Stress?

In diesem Beitrag geht es um das Thema Stress und dessen Bewältigung im Studium und im privaten Leben. Wir haben dazu Studis aus dem Fachbereich 2 befragt und auch professionelle Anlaufstellen für Euch recherchiert.

Stress (Foto: Privat)

Aufstehen, Frühstücken, mit dem Hund rausgehen, Vorlesung, Prüfungsvorbereitung, Nebenjob, Ehrenamt, einkaufen gehen, Haushalt schmeißen, Freund*innen treffen, Familie anrufen, Sport, Duschen, Kochen, Essen, Spieleabend, Party. Und eigentlich noch die Steuererklärung abgeben, Bafög beantragen, einen Arzttermin ausmachen, das Leben planen.

Für viele Studis hier in Eberswalde ist das so oder ähnlich der Alltag. Jeden Tag. Auch für mich.

Neben der Meisterung der alltäglichen Aufgaben stresst mich zudem mein Gedankenkarussell. Werde ich die Masterarbeit bewältigen können? Müsste ich nicht noch einen Nebenjob anfangen, um meinen Lebenslauf aufzubessern? Sollte ich mich schon jetzt auf Stellen nach dem Studium bewerben? Reichen meine Kompetenzen aus? Müsste ich die angebotenen Möglichkeiten in Eberswalde nicht noch mehr nutzen? Was verpasse ich, wenn ich mal absage? Verliere ich den Anschluss?

All das bewegte mich zu dieser kleinen Umfrage, die ich am 18. und 19. Januar durchführte. Schlage ich mich allein mit diesem Stress herum? Oder geht es auch anderen Studis so? Wichtig war mir zudem herauszufinden, welche Stressbewältigungsstrategien die Befragten gefunden haben. An der anonymen Umfrage nahmen 10 Studierende der Studiengänge LaNu und NaRegio teil und ich war beeindruckt von ihren offenen Worten und der Portion Humor im Umgang mit diesem so heiklen Thema. Die Eindrücke sind eine Momentaufnahme und nicht repräsentativ für alle Studis – ist ja auch nicht meine Masterarbeit. Aber ich möchte über diese Befragung meine Kommiliton*innen zu Wortkommen lassen und uns zusammen der Stresslage und deren Bewältigung widmen.


Zunächst stellte ich den Studierenden die Fragen, was sie im Studienalltag so stresst.

Die Studis aus den Studiengängen LaNu und NaRegio stresst vorrangig die Planungsunsicherheit im Studium. Es sind nicht nur Prüfungs- und sonstige Termine für das nächste Semester unbekannt, Studierende können sich zudem nicht auf den bestehenden Stundenplan verlassen, da er sich ständig ändert und sie sich immer wieder neu informieren müssen.

„Ich plane Aktivtäten und muss die dann wieder absagen, weil ich spontan an einer verpflichtenden Exkursion teilnehmen muss. Sonst werde ich nicht zur Prüfung zugelassen.“ Ein anderer Student sagt dazu: „Ich erlaube mir mal die provokante Frage: Wozu gibt es diesen Stundenplan denn?“ Dadurch fällt es noch schwerer, Arbeit, Privatleben und Studium unter einen Hut zu bekommen.

Außerdem werden wohl vor allem innerhalb des LaNu-Studiums sehr viele verschiedene Themenbereiche angeschnitten, einer Studentin fehlt dabei aber die Tiefe. Die eigene Auseinandersetzung mit den Themenfeldern sei aber zu zeitaufwändig und oft nicht schaffbar neben dem Vollzeitstudium und anderen Aktivitäten. Und das führt dann zu Stress!

In der Prüfungszeit oder vor Abschlussarbeiten steigt dann zudem der empfundene Stress und der selbst induzierte Druck. Eine Studentin beschreibt, dass sie sich selbst beweisen will und möglichst gut abliefern möchte. Und wer würde im ersten Semester LaNu bei acht Prüfungen in drei Wochen nicht auch gestresst sein? ;)

Am Ende fällt eine Sache hinten runter. Und das ist bei einer Befragten eben die Teilnahme an den Vorlesungen. Ein anderer dehnt das Studium auf ein paar mehr Semester aus. Auch okay!

Die kontinuierliche Konfrontation mit dem Klimawandel und den globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen im Studium frustriert zudem, „da wir so viel darüber lernen und gleichzeitig so wenig auf politischer Ebene eingegriffen wird“, beschreibt eine Studentin frustriert und ohnmächtig.


… und was stresst sie im privaten Leben hier in Eberswalde?

Es gibt unheimlich viele Möglichkeiten sich in Eberswalde zu engagieren. Die unbegrenzte Auswahl kann aber auch zu Stress führen. „Im ersten Semester wollte ich mich noch nicht engagieren und mich zunächst auf das Studium fokussieren. Nach drei Wochen war ich in vier verschiedenen Aktionsgruppen aktiv. Da verspürte ich diesen moralischen Zwiespalt, weil ich mich unbedingt einbringen möchte, gleichzeitig mein Studium aber so zeitintensiv ist.“ Ein anderer Student sagt dazu: „Ich bin eine neugierige Person und möchte vieles ausprobieren. Die Nähe zu Berlin verstärkt zudem meine Neugier und den von mir ausgehenden Aktivitätendruck.“ Und wer kennt es nicht. Die FOMO (Fear of missing out). “Ich möchte nichts verpassen. Ich möchte am Leben und an der Energie hier in Eberswalde teilhaben.“

Dann kommt aber noch der Nebenjob ins Spiel, um das Leben überhaupt finanzieren zu können. „Ich arbeite neben dem Studium, meinem ehrenamtlichen Engagement und meinen Hobbys noch zusätzlich.“ Selbstverständlich, dass es da zu Zeitkonflikten kommt.

Die Verkehrssituation in Eberswalde ist zudem „katastrophal“. Es gibt in Eberswalde sehr, sehr wenige städtischen, von den Fußwegen getrennten Radweg und Autofahrende verhalten sich gegenüber der Radfahrenden weniger kollegial. Der in der letzten Zeit wieder häufig vorkommende Schienenersatzverkehr ist zudem ein Stressfaktor, vor allem für Pendler*innen.


Und wie gehen Student*innen damit um? Wenden sie erfolgreiche Stressbewältigungsstrategien an?

Die Struktur des Alltags scheint für fast alle wichtig zu sein. Zum Beispiel kann ein Whiteboard bei der Organisation der To-Do´s helfen. „So fange ich auch immer pünktlich vor Prüfungen zu lernen an!“ Auch das Führen eines Kalenders (z.B. Ein guter Plan), um einen Rahmen zu stecken und eine gute Balance zwischen Studium und Freizeit zu finden, erscheint vielen hilfreich. Natürlich darf die Zeit im Alltag für sich selbst nicht zu kurz kommen. „Routinen können helfen.“ Und Pausen machen! „Danach funktioniert es meist besser und ich kann mich wieder auf das Thema fokussieren.“

Außerdem ist es für viele hilfreich, eine klare Grenze zwischen Freizeit und Studium zu ziehen und Prioritäten zu setzen. „Mal liegt die Priorität auf meinem Studium, manchmal aber auch auf meinem Privatleben.“ „Und allgemein mein Studium nicht so ernst nehmen und meine Anforderungen an mich und meine Noten zurückschrauben. Es ist okay mal eine Veranstaltung sausen zu lassen, wenn mir etwas anderes wichtiger ist. Ich werde trotzdem durch das Studium kommen!“

Darüber hinaus hilft allen das Gespräch mit Kommiliton*innen und Freund*innen. „Durch die Gespräche erkenne ich oft selbst, dass der Stress unnötig ist und ich eine Pause brauche. Außerdem geben Sie mir auch oft Tipps, wie sie selbst mit der Situation umgegangen sind.“


Eine Ablenkung und die Flucht aus der Realität (beispielsweise durch Party machen) tuen auch einfach mal gut. Eine etwas gesündere Ablenkung und Stressreduktion wären auch Sport zum Auspowern und Spaziergänge an der frischen Luft inmitten der wunderschönen Natur in und um Eberswalde. Hier findet ihr schöne Ausflugsziele.

Oder Entspannung durch einen Saunagang oder Meditation? „Ich versuche in der Stresssituation erstmal ganz ruhig zu bleiben. Dafür schiebe ich zunächst alle Gedanken beiseite und meditiere 10 Minuten. Danach mache ich mir gezielt Gedanken darüber, wie ich mehrere To-Do´s bündeln kann.“

Die Schwärze in Eberswalde als Zuflucht vor dem Alltagsstress (Foto: Privat)

Weiterhin sehen Studierende auch einen regelmäßigen Essrhythmus als wichtig an. „Die Mensa hat mir dabei geholfen.“ Manchmal hilft auch einfach nur eine Mütze Schlaf.

Andere vergegenwärtig sich ihre angestrebten Ziele in stressigen Situationen wieder. „Wieso mache ich das alles? Was motiviert mich? Werde ich glücklich, wenn ich angekommen bin?“ „Das Wissen, dass ich aus all den Aktivitäten (Job, Hobbys, Ehrenamt, Studium) auch einen großen Nutzen für mich ziehen kann, macht mich glücklich.“

Selbstbelohnung kann Stress reduzieren und dabei helfen, bereits Geschafftes wertzuschätzen. „Jeden Tag etwas Besonderes unternehmen und mich dann darauf freuen.“ Oder sich auch selbst gut zuzureden, wenn mal eine Aufgabe schleifen gelassen wurde.

Zum Schluss fand ich die beiden Aussagen noch besonders schön: „Auch mal heulen und alles rauslassen!“ und „das Bauchgefühl entscheiden lassen, für was ich meine Zeit aufbringe.“

Und dann gibt es auch Menschen, die sind praktisch nie gestresst und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Das Geheimnis? Die Balance finden.

(Fast) jede befragte Person hat also ihre eigenen Strategien entwickelt, mit Stress umzugehen. Das klappt mal besser und mal schlechter. Ganz wichtig ist auch, sich nicht von den Stressbewältigungsstrategien stressen zu lassen!


Danke, dass meine Kommiliton*innen Ihre Stressbewältigungsstrategien hier geteilt haben. Vielleicht findet Ihr auch eine passende und probiert mal aus. Denn nicht alle passen für alle gleich. Auch die Angebote der Hochschule über die Psychologisch-soziale Beratung können in Anspruch genommen werden. Manchmal hilft auch ein Gespräch mit Eurer Studienfachberater*in im Studiengang. Außerdem bietet der Career-Service regelmäßig einen Workshop zu Stressbewältigung an.


Danke für die ehrlichen Worte an Milan Touché, Iliana Möhrer, Aimeé Abitz, Sarah Diering, Tobias Kamphoff, Susanne Klembt, Mercedes Schröder, Christian Negare, Esther Buchwald und Anna Buchmann.

Leider konnten nicht alle Aussagen in dem Beitrag berücksichtigt werden. Die Zitate sind nicht wörtlich zu nehmen, sondern wurden aus Gründen des Zusammenstellen eines Fließtextes umformuliert.

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