Versüßter Sommerabschied

Aktualisiert: 13. März 2018



Wer den Eberswalder Forstbotanischen Garten kennt, weiß vielleicht, dass dort zurzeit ein einzigartiger Geruch wahrzunehmen ist. Durch das rote Eingangstor, vorbei an der Steinmauer und der Infotafel, unter alten Rotbuchen ein Stück den Weg entlang geschlendert– schon schaut man sich unwillkürlich um, woher dieser Duft nach Lebkuchen, Karamell, Zimt und Zuckergebäck wohl kommen mag.


Jetzt, wo die Sonnenstunden knapper und die Nächte kälter werden, läuten heimische Laubbäume und Gehölze aus aller Welt dort das goldblutrotorangekupferne Farbspektakel ein, das sich wie ein Feuer ausbreiten wird. Auch der (Leb)kuchen- oder Katsurabaum wirft seine braun-gelb verfärbten Blätter ab. Und die duften! Ganz in der Nähe des Wilhelm Pfeil-Gedenksteins wächst ein meterhoher Cercidiphyllum japonicum, der schon reichlich Laub verloren hat. Es verströmt seinen süßen Duft nur einmal im Jahr; wenn das Chlorophyll abgebaut wird. So kann es sein, dass in diesen Tagen ab und zu Besucher*innen, die ihn gefunden haben, inhalierend unter dem Baum stehen, Blätter in der Hand zerreiben und schnuppern (und die ersten käuflichen Lebkuchen noch zwei Monate in den Ladentheken liegen lassen).



#gegessenwirdzuweihnachten

Beliebter scheint jedoch das Sammeln der Esskastanien-Früchte gleich nebenan zu sein, denn die Kuchenbaum-Blätter sind leider nicht zum Vernaschen geeignet.

Nicht die Nase, sondern die Augen erfreut das Überflutungsmoor, an dessen Rand die Schwärze fließt. Pinke Pfaffenhütchenfrüchte schweben hier vor silbernem Weidenlaub und über den beeindruckenden Riesen-Schachtelhalmen. Noch kann man über Holzstege über das Moor spazieren und durch ihre meterlangen grünen Sprosse streichen. Im Herbst vergilben sie dann und knicken um.


#gestauntwirdjetzt


Wenn ihr all das (nochmal) sehen möchtet, sattelt eure Drahtesel oder flaniert los zum Forstbotanischen Garten. Wer sich etwas Zeit nimmt, entdeckt dort auch Blumen- und Kräuterbeete, einen asiatischen Pavillon, versteckte Denkmäler, eine Baumelbank und oft ganz viel Ruhe. Und falls die Spätsommersonne nicht mehr scheint: Bei trüb-nassem Wetter sollen Kuchenbaumblätter noch kräftiger duften.