Was macht eigentlich Annika Langner?

Aktualisiert: 23. März

Die ehemalige ÖLV-Studentin Annika Langner arbeitet heute auf ihrem eigenen Obst- und Gemüsebaubetrieb in Oyama BC/Kanada und erzählt im Interview von ihrer Zeit während und nach dem Studium.

HNEE-Alumna Annika Langner (Foto: Annika Langner)


Was hast Du in Eberswalde studiert und warum hast Du Dich damals für Eberswalde entschieden?

Ich habe seit dem Wintersemester 2016 in Eberswalde den Bachelorstudiengang „Ökolandbau & Vermarktung“ belegt. Ursprünglich wollte ich Gartenbau oder Obstbau studieren, allerdings sind diese Studiengänge oft technisch ausgerichtet und ökologische Kriterien spielen oft eine untergeordnete Rolle. Beim Tag der offenen Tür an der HNEE bin ich dann auf den Studiengang „Ökolandbau und Vermarktung“ aufmerksam geworden und habe mich beworben. Neben dem interessanten Studienangebot hat mir auch die Nähe zu Berlin gut gefallen.


Wo und wie hast Du während Deines Studiums Praxiserfahrungen gesammelt?

Während der Vorlesungen und der ersten Semester habe ich viel Zeit im Schrebergarten verbracht, den ich gemeinsam mit ein paar Kommiliton*innen in Eberswalde gepachtet habe. Der Garten war 400 qm groß und bot somit reichlich Platz für Gemüse und Obst. Das Praxissemester habe ich in Kanada auf einem Weinbau-Betrieb verbracht, einem der größten Bio-Weingüter im Westen Kanadas. Dort habe ich die meiste Zeit im Weinberg gearbeitet und mich um die Reben gekümmert. Zusätzlich konnte ich auch einige Tage im Weinlabor mitarbeiten und in die Keller reinschnuppern.


Worüber hast Du Deine Abschlussarbeit geschrieben?

In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Potenzial und den Risiken vom Pfirsichanbau in Deutschland, insbesondere in Brandenburg, beschäftigt. Schon vor meinem Studium habe ich mehrfach in Kanada im Obstbau gearbeitet. Dabei ist mir aufgefallen, dass es dort viel mehr Pfirsichanbau gibt als in Deutschland, obwohl die klimatischen Bedingungen ähnlich sind. In Kanada wird es im Winter sehr kalt, gleichzeitig sind die Sommer oft noch heißer als in Deutschland. In der Arbeit habe ich mich mit der Geschichte des Pfirsichanbaus, dem Anbau und auch Vermarktungsmöglichkeiten von Pfirsichen in Deutschland beschäftigt.


Und was war dein Ergebnis?

Spannend fand ich vor allem, dass früher gerade in der Berliner Umgebung viele Pfirsiche angebaut wurden. Die Boden- und Klimaverhältnisse sind tatsächlich gut geeignet für den Anbau, lediglich eventuelle Spätfröste können ein Risiko darstellen. Leider benötigen Pfirsiche relativ viel Wasser und müssen daher künstlich bewässert werden. Durch die hohen Wasserpreise hat sich der Anbau schließlich nicht mehr gelohnt, weil aus dem Mittelmeerraum viele Pfirsiche importiert werden, die dort unter günstigeren Bedingungen erzeugt werden können. Gerade vor dem Hintergrund der wachsenden Nachfrage nach regionalen Produkten, kann sich der Anbau heute jedoch auch in Brandenburg wieder lohnen. Besonders für Betriebe mit Direktvermarktung bieten Pfirsiche Potenzial.

Pfirsiche, Eat Me Garden Verkaufsstand (Fotos: Annika Langner)


Wo hat es dich nach dem Studium hingezogen? Was machst du jetzt?

Direkt nach dem Studium habe ich eine Obstsaison (vier Monate) in Australien verbracht und dort im Apfel- und Kirschanbau gearbeitet. Danach sind mein kanadischer Partner und ich nach Kanada gezogen und haben eine kleine Marktgärtnerei gegründet. Zusätzlich zu unserem eigenen Gemüsebetrieb haben wir auf benachbarten Obstflächen gearbeitet. 2021 haben wir diese Obstflächen dann selbst gepachtet und bewirtschaften diese heute gemeinsam mit dem Gemüsegarten. Das Obst und Gemüse verkaufen wir zum größten Teil an regionale Läden, haben einen Verkaufsstand auf verschiedenen Wochenmärkten und beliefern Restaurants in der Umgebung. Insgesamt bewirtschaften wir aktuell 8 Hektar Land, davon ca. 1/3 mit Pfirsichen. Auf den anderen Flächen stehen Pflaumen, Äpfel und Kirschen. Bisher ist nur ein Teil der Flächen bio-zertifiziert, wir arbeiten jedoch mit möglichst schonenden Methoden.


Wie geht es für dich weiter?

Dieses Jahr wird das zweite Jahr auf unserem eigenen Betrieb. Aktuell sind die Flächen nur gepachtet, langfristig würden wir allerdings gerne eigenen Flächen bewirtschaften und selbst Obstbäume pflanzen. Neu hinzu kommen dieses Jahr Erdbeeren und ich werde verstärkt Schnittblumen anpflanzen. Ansonsten haben wir ja letztes Jahr erst angefangen und lernen daher noch vieles dazu, sodass wir keine weiteren neuen Projekte planen.


Was nimmst du aus Eberswalde mit?

Insgesamt erinnere ich mich an das Studium als eine sehr entspannte Zeit – vor allem im Vergleich zum Arbeitsalltag (lacht). Aus dem Studium habe ich die Fähigkeit mitgenommen, Informationen z.B. zu Schädlingen oder der Pflanzengesundheit überhaupt finden zu können. Außerdem ist mir während des Studiums die Bedeutung des Bodens für die Pflanzengesundheit nochmal richtig bewusst geworden. Gerade für Obstbäume als Dauerkultur sind die Bodengesundheit und die richtige Düngung sehr wichtig. Und natürlich kann ich jetzt in der Selbstständigkeit immer wieder auf das Gelernte aus den Wirtschaftsmodulen zurückgreifen.


An welches Ereignis aus deiner Studienzeit erinnerst du dich gerne?

Besonders gut gefallen hat mir während des eigentlichen Studiums die Obst- und Weinbauexkursion mit Herrn Prof. Dr. Piorr. Wir haben eine Woche lang verschiedenste Betriebe besucht, das war eine großartige gemeinsame Fahrt! Jetzt mit einem eigenen Betrieb habe ich nur noch wenig Zeit, mir andere Höfe anzuschauen, daher war diese Exkursion eine tolle Chance und ich habe super viel mitgenommen.

Privat habe ich viel Zeit im Garten verbracht und bin gerne im Finowkanal schwimmen gegangen. Außerdem mochte ich den Innenhof am Stadtcampus sehr gerne und die Nähe zur Natur.


Übrigens...

Annika und ihr Partner nehmen gerne Praktikant*innen von der HNEE auf, die z.B. ihr Praxissemester in Kanada verbringen möchten. Die Kontaktmöglichkeiten findet ihr auf der Webseite.


In der Rubrik „Was macht eigentlich ...?“ erzählen unsere Alumni aus ihrer Zeit während und nach dem Studium. Hier findet ihr weitere Interviews dieser Rubrik.