Was macht eigentlich Peter Schmidt?

In der Rubrik „Was macht eigentlich ...?“ erzählen unsere Alumni aus ihrer Zeit nach dem Studium. Dieses Mal berichtet der ehemalige ÖAM-Student Peter Schmidt von seiner Studienzeit und seinem heutigen Arbeitsleben.


Was hast Du in Eberswalde studiert?

Ich habe an der HNEE ab 2016 den Masterstudiengang Öko-Agrarmanagement studiert.






Foto Credits: Sonja Herpich

Warum hast Du Dich damals für ein Studium in Eberswalde entschieden?

Nach meiner Ausbildung zum Bäcker und meinem Oecotrophologie Studium in Fulda und ein paar anderen Zwischenstationen bin ich nach Berlin gezogen, um dort bei der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL e.V.) zu arbeiten. Dort habe ich mich dann viel mit den Themen Ökolandbau, Bio-Produkte und der Rolle von Bio in der Ernährung in Kitas und Schulen auseinandergesetzt. In meinem Bachelorstudium spielte der Ökolandbau leider kaum eine Rolle. Nach einem Jahr „nur“ arbeiten habe ich mich dann dazu entschlossen, mich tiefergehend mit dem Ökolandbau zu beschäftigen und mich in Eberswalde für den Master Öko-Agrarmanagement eingeschrieben. Jetzt bin ich froh, mir die verschiedenen Bereiche – wissenschaftliches Verständnis, handwerkliche Ausbildung sowie ernährungsphysiologisches Wissen alle angeschaut zu haben. Das hilft mir oft bei meiner Arbeit wenn es um die Schnittstellen zwischen den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung und Ernährung geht.

Natürlich bin ich Rahmen meiner Arbeit bei der FÖL e.V. auch öfters mit der HNEE in Berührung gekommen, weshalb die Entscheidung für das Studium in Eberswalde schnell klar war.

Wo und wie hast Du während Deines Studiums Praxiserfahrungen gesammelt?

Da ich mein Studium neben meiner Tätigkeit bei der FÖL e.V. absolviert habe, ist dies praktisch permanent passiert. Ich konnte immer Erfahrungen bei der Umsetzung meiner Arbeit sammeln und diese auch oftmals direkt mit den Studieninhalten in Eberswalde verknüpfen.

Dafür habe ich natürlich auch etwas länger gebraucht und musste im Vorfeld einen Antrag auf einen individuellen Studienverlaufsplan stellen. Im Pflichtpraktikum des Masters habe ich dann noch einiges an Praxiserfahrung beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gesammelt.

Worüber hast Du Deine Abschlussarbeit geschrieben?

Da ich im Zuge meiner Tätigkeit sehr viel zum Thema Bio in der Gemeinschaftsgastronomie gemacht habe, fiel auch bei der Masterarbeit die Wahl, nach einigem hin und her, auf ein Thema aus diesem Bereich. Zuerst hatte ich einen Praktikumsplatz in der Schweiz auf einer Alp, musste aber am Ende umdisponieren, da es leider zeitlich nicht hingehauen hätte.

Daher habe ich mich im Rahmen der Abschlussarbeit damit auseinandergesetzt, wie es möglich ist, Küchen in der Gemeinschaftsgastronomie auf den Einsatz von über 50 bzw. 100 Prozent Bio-Lebensmitteln umzustellen. Hierfür habe ich bundesweit Küchenchefs befragt, die schon einen so hohen Anteil an Bio-Produkten einsetzten. (Anm. d. Red.: Über seine Abschlussarbeit hat Peter Schmidt 2019 auf dem blog berichtet) Hintergrund war die erfolgreiche Umstellung der Küchen in Kopenhagen auf über 90 Prozent und die von den Dän*innen getätigte Aussage, dass erst ab einem Anteil von 50 Prozent Bio ein richtiger Transformationsprozess in der Küche beginnt.

Und was war Dein Ergebnis?

Wie so oft bei Abschlussarbeiten, lässt es sich nicht so pauschal mit Ja oder Nein beantworten oder an einer Zahl fest machen. Das Ergebnis waren viele wichtige Hinweise darauf, wie ein solcher Transformationsprozess, auch bei einem sehr hohen prozentualen Anteil von Bio, gelingen kann. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse kann hier nachgelesen werden.

Wo hat es Dich nach dem Studium hingezogen? Was machst Du jetzt?

Nach wie vor bin ich der FÖL e.V. treu geblieben und immer noch in Berlin und Brandenburg tätig. Aktuell beschäftige ich mich mit dem Thema „Regionales Bio-Weiderindfleisch in der Gemeinschaftsgastronomie“ im Projekt GanzTierStark in das auch die HNEE, neben der TU- Berlin und der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG involviert ist.

Auch hier bleibt der Bezug nach Eberswalde erhalten, da das Studentenwerk Frankfurt (Oder) ebenfalls Teil dieses Projekts ist und seit dem letzten Jahr an allen vier Standorten regionales Bio-Weiderindfleisch in den Küchen einsetzt. Leider ist die Gastronomie mit am schwersten von der Corona Pandemie betroffen, was uns im Projekt vor einige Herausforderungen gestellt hat.

Wie geht es für Dich weiter?

Erstmal genauso :) Das Projekt läuft noch bis Ende 2022 und dann werden wir sehen, ob es einen Folgeantrag gibt oder eine neue Herausforderung. Aktuell bekommt die Thematik der nachhaltigen Gemeinschaftsgastronomie viel Aufmerksamkeit, was sehr gut ist. Daher bin trotz noch nicht ganz gewisser Zukunftspläne sehr optimistisch, weiter in diesem Bereich wirken zu können und bin gespannt was kommt.

Was nimmst Du aus Eberswalde mit?

Vor allem viele sehr gute Erinnerungen und einiges an Wissen. In meinem Semester waren viele tolle Menschen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund. Dadurch wurde sehr schnell deutlich, wie wichtig es ist, Themen und Problematiken aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen. Die Ernährungswende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und da hilft es natürlich, wenn viele unterschiedliche Menschen ihre Perspektiven und Ansichten beitragen. Auch heute noch rufe ich oftmals ehemalige Kommilitonen und Kommilitoninnen an und hole mir Rat oder auch anders herum. Das Netzwerk, das in Eberswalde entstanden ist, besteht also heute noch. Alle sind nun in den verschiedensten Feldern der Bio-Branche tätig und es ist nach wie vor spannend, sich auszutauschen. Der „harte Kern“ des Semesters trifft sich immer noch regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr für ein Wochenende, um sich auszutauschen und hier und da aktuelle Themen der Bio-Branche zu diskutieren.


An welches Ereignis aus Deiner Studienzeit erinnerst Du Dich gerne?

Da gibt es viele, von Nachmittagen am Schwärzesee über lebhafte Diskussionen während der Vorlesungen und schöne Mittagspausen am Stadtcampus. Aber dadurch, dass ich auch noch gearbeitet habe, muss ich am meisten schmunzeln, wenn ich daran denke, wie ich mal wieder den letzten Zug nach Berlin verpasst habe und nach einer zu kurzen Nacht direkt ins Büro fuhr, um etwas müde aber glücklich meine neuen Erkenntnisse in meine tägliche Arbeit einfließen zulassen.


Vielen Dank für das Interview!