5. Zukunftsdialog Ökolandbau // Zwischenfrüchte & Klimawandel

In Wilmersdorf bei Angermünde fand Anfang Oktober der 5. Zukunftsdialog Ökolandbau statt mit dem Titel "Zwischenfrüchte - Anbau, Pflege, Nutzen - unter dem Aspekt von Klimawandel und Biodiversität". Ein wichtiges und spannendes Thema bei dem wir vom ackerdemiker.in blog natürlich dabei sind.


Foto: Sarah Volk


Die HNEE veranstaltet den Zukunftsdialog in Kooperation mit dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Julius Kühn-Institut (JKI) sonst im Mai und für zwei Tage. Dieses Jahr jedoch ist alles anders, denn es geht um Zwischenfrüchte. Die schaut Mensch sich am besten im Herbst an. Zudem fiel der erste Tag mit Veranstaltungen drinnen aus aufgrund von Corona. Dafür ging´s für ein paar Stunden auf die Versuchsflächen auf dem Gut Wilmersdorf, wo sich um die 50 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft, Beratung und Praxis zusammenfanden. Auch ÖAM-Studierende, die das Modul „Analyse und Bewertung von Acker- und Pflanzenbausystemen im ökologischen Landbau“ belegen waren vor Ort.

Boden wieder gut machen

Nach einer kurzen Vorstellung des JKI Vertreters und HNEE Honorarprofessors Dr. Stefan Kühne und der beiden HNEE Dozenten Dr. Ralf Bloch und Prof. Dr. Roland Hoffman-Bahnsen beginnt der Morgen mit einem Impuls von Christoph Felgentreu am Rande der Versuchsflächen. Der Fachmann für Zwischenfrüchte ist seit 50 Jahren in der Landwirtschaft tätig, war drei Jahre an der HNEE als Gastdozent und ist heute Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Gesunder Boden. Im Laufe der nächsten zwei Stunden teilte er seine Erfahrungen und Erkenntnisse mit uns.

Seine Meinung: Die guten Landwirt*innen befassen sich mit dem Boden. Denn ohne Bodenfruchtbarkeit geht nichts. Damit die Landwirtschaft überleben kann, muss sie sich mit einem aktiven Bodenaufbau beschäftigen. Zudem brauchen wir neue Pflanzenbausysteme und weniger Bodenbearbeitung. Felgentreu hat einige Öko-Betriebsleiter*innen kennengelernt, die zeigen, dass das super funktionieren kann.


Too much sunshine

Brandenburg, auch bekannt als „Verbranntenburg“ weist immer knapper werdende Wasserressourcen auf. Der Klimawandel bedrohe außerdem die Bodenbiologie. Wenn Böden sich erwärmen führt das zu Humusverlust, weil Bodenorganismen absterben. Schon heute werden Temperaturen von 45°C in fünf Zentimeter Tiefe und 35°C in zehn Zentimeter Tiefe gemessen. Das ist deutlich zu hoch – für eine gute Wurzelbildung sollten es nicht mehr als 22°C sein. Böden zu kühlen wird in Zukunft also eine enorme Bedeutung zukommen. Soll die Bodentemperatur niedrig gehalten werden, braucht es eine konstante Bodenbedeckung.

...und da hätten wir schon mal die erste wichtige Funktion von Zwischenfrüchten – die Bodenkühlung durch Mulchauflage.

Erosion verhindern mit Zwischenfrüchten

Damit nicht genug, schützen Zwischenfrüchte vor Wind- und Wassererosion. Bei Starkregen kann die Erde das Wasser besser aufnehmen weil die Bodenbedeckung dafür sorgt, dass die Regentropfen zerplatzen und die kinetische Energie verteilt wird.

Außerdem verhindert der Anbau von Zwischenfrüchten die innere Erosion. Dabei werden kleine Teilchen im Boden selbst nach unten gespült. Felgentreu nennt dazu den ackerbaulichen Grundsatz: „Nur so tief lockern wie auch rückverfestigt und biologisch verbaut werden kann“.

Tools für die Bestimmung des Bodenzustands

Dann werden einige Instrumente vorgestellt. Christoph Felgentreu empfiehlt für die Spatenprobe den flachen und 40 cm langen Görbing-Spaten (näheres dazu hier auf Seite 7) weil er keine Bruchkanten erzeugt. Nach der Entnahme gilt es zuerst einmal am Boden zu riechen um die flüchtigen Stoffe nicht zu verpassen. Wenn ein leicht moorig-pilziger Duft in die Nase steigt, ist das ein gutes Zeichen. Eine Bodensonde wird ebenfalls vorgestellt und der Hinweis gegeben, dass Maßnahmen gegen die Bodenverdichtung vorgenommen werden sollten, wenn drei Viertel der Einstiche nicht durchgehen.

Foto: Sarah Volk

Regenwürmer und Co.

Bodenmüdigkeit kommt nach Christoph Felgentreu nur vor, wenn keine Regenwürmer und andere kleine Tierchen im Boden sind. Die Biodiversität im Boden ist also Voraussetzung für einen gesunden Boden. Beim Regenwurm z.B. findet im Darm eine besonders intensive Vermischung von organischen und mineralischen Substanzen statt: die verschiedenen Bodenbestandteile werden durch Schleimstoffe miteinander verklebt und stabilisiert. Dieser Regenwurmkot wird dann durch Bakterien und Pilze weiter zu Bodenkrümeln verbaut. Durch diese Form der „Lebendverbauung“ entsteht ein optimales Krümelgefüge, was wiederum ein wichtiges Merkmal guter Bodenfruchtbarkeit ist.

Ab auf die Versuchsflächen

Bei zunehmend eisigem Wind sehen wir uns die Versuchsflächen nun genauer an. Schön aneinandergereiht auf jeweils 3 x 8 Meter stehen dort die Ende August ausgesäten 19 Zwischenfrucht Kulturen – in Reinsaat oder als Mischungen.

Bevor Christoph Felgentreu einige Zwischenfrüchte vorstellt, führt er noch einen Infiltrationstest durch, um zu schauen, wie lange 100 Liter Wasser brauchen um im Boden vor Ort zu versickern. Davor wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein guter Boden 100 Liter pro Stunde aufnehmen sollte. Auf der Versuchsfläche hat es sage und schreibe dann nur 2,16 Minuten gedauert. Ein erstaunlich guter Boden also. Das liegt unter anderem an den Zwischenfrüchten.

Zuerst die Sonnenblume. Ihre Funktion ist es, schön zu sein:) Sie ist aber auch eine Trockenkeimerin und verträgt Trockenheit über ihre gesamte Lebenszeit sehr gut. Sie bildet eine Pfahlwurzel mit einem Sprosswurzelsystem aus und hat ein recht weites C/N-Verhältnis von 30-35. Was heißt das? - Die Stickstoff-Freisetzung erfolgt eher langsam aus den Pflanzenresten der Sonnenblume, sie kann daher länger Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) im Boden binden und speichern.

Die Sommerwicke sollte in jeder Mischung vorkommen, da sie für Bodenbildungsprozesse die beste Leguminose darstellt. Ihre Aminosäuren bilden Huminsäure. Sollte auf einem Betrieb der Kuhdung fehlen, so ist die Sommerwicke ein guter Ersatz.

Brandenburgs Liebling bei den großen Leguminosen ist die Lupine. Sie kann gut als Rapsbeisaat eingesetzt werden.

Als Alternative zu Klee lässt sich die Peluschke in eine Fruchtfolge als Alternative zum Erbsenanbau eingliedern.

Die Phacelia ist die beste Schattengarebildnerin. Sie ist Fruchtfolge-neutral und kennt keine Schädlinge oder Krankheiten.

Der Öllein ist eine stark mykorrhizierende Art (Fachsprache für: Pilze im Boden gehen eine Symbiose mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze ein). Wichtig sei hier, dass die Pflanze Samen ausbildet, da deren Lipide hervorragendes Pilzfutter sind. Außerdem schaffen es die Wurzeln des Öllein Verdichtungen im Boden aufzubrechen.

Der Senf hingegen wird kritisch betrachtet. Er eigne sich als Zwischenfrucht eigentlich nicht, weil er Säure über die Wurzeln abgibt. Der pH-Wert kann daher unter 4 sinken, was zur Folge hat dass gute Bakterien absterben. In der Runde gibt es daraufhin Diskussionen darüber ob er eingesetzt werden soll oder nicht.

Fotos: Sarah Volk


Wichtige Fragen & gute Tipps

Generell gilt es bei Entscheidungen für eine einzelne Zwischenfrucht oder eine Mischung, sich diese Fragen zu beantworten:

Welchen Zweck soll die Zwischenfrucht erfüllen?

Welche Kultur kommt davor, welche Kultur kommt danach?

Felgentreu hat außerdem ein circa DIN-A3 großes Schema dabei, das sich „Einfache Feldgefügeansprache für den Praktiker“ nennt und helfen soll, aus dem Zustand des Bodengefüges Schlussfolgerungen für ein schonendes Bearbeiten und Befahren abzuleiten. Das gibt´s auch als kostenlose App und natürlich ebenso für Praktiker*innen.

Und zuletzt noch ein paar Tipps von Christoph Felgentreu:

Zwischenfrüchte sollten nicht unbedingt blühen, weil sie dann zu viel aus dem Boden ziehen. Je biodiverser eine Mischung, desto besser. Ferner sollte mit der Bodensonde regelmäßig geprüft werden ob das Aufbrechen von Unterkrumenverdichtungen notwendig ist, damit die Zwischenfrüchte den Boden auch tatsächlich tief durchwurzeln können.

Mit Zwischenfrüchten Nematoden bekämpfen

Im Anschluss erzählte Stefan Kühne noch etwas zu Nematoden und wie sie unterdrückt werden können, zum Beispiel mit der Ringelblume als Zwischenfrucht.

Um Nematodenschäden frühzeitig zu erkennen und mit geeigneten Fruchtfolge Maßnahmen entgegenzuwirken, hilft ein von ihm vorgestelltes Nematodenschema.

Der letzte Programmpunkt war die Maschinenvorführung eines Bodenbearbeitungsgerätes zur Anlage von Dammkulturen . Mit einem Tiefenmeißel werden dabei Unterbodenverdichtungen aufgebrochen, Dämme geformt, Saatgut eingebracht und mit einer Prismenwalze rückverdichtet. Die Maschine optimiert dadurch die Nährstoffverfügbarkeit und die Wasserversorgung.

Fotos: Sarah Volk

Und damit geht eine Veranstaltung mit geballtem vermittelten Praxiswissen zu Ende, und mit der Vorfreude auf den nächsten Zukunftsdialog Ökolandbau 2021!