Ackerdemiker*innen berichten aus der Blockwoche #3 globale Umweltsituation

Aktualisiert: 14. März 2018

Ein Beitrag von Carola Krieger

Einmal im Semester haben wir an der HNEE eine ganz besondere Woche – die Blockwoche. Fünf Tage am Stück haben Studierende und Dozierende Zeit und Raum sich einem konkreten Thema zu widmen. Aus 90 Minuten wöchentlicher Lehrveranstaltung werden eine Woche geblockte Lehrveranstaltung 9 to 5. In unserer diesjährigen Winterblockwoche (4. Dezember - 8. Dezember 2017) haben wir von ackerdemiker.in die Modulteilnehmer*innen gebeten uns Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen der Blockwoche zu geben. Als Dritte berichtet Carola Krieger, ÖLVin aus dem Modul Globale Umweltsituation.


Bericht zur UN-Bodenschutzkonferenz in Eberswalde

Eberswalde, Anfang Dezember in der Blockwoche, 8.30 Uhr. Es ist schon erstaunlich, welche Wirkung offizielle Kleidung hat. Als wir uns eine Woche zuvor zur Vorbereitung des Wahlpflichtmoduls Globale Umweltsituation getroffen haben, war alles wie immer: zahlreiche Studierende in Strickpullis, bunte Socken und geringelte Mützen.

Und nun sitzen wir hier alle in der Hochschule in ordentlicher Kleidung in gedeckten Farben, jede*r mit Namens- und Tischschilder und machen internationale Politik.


Ziel des Wahlpflichtmoduls „Globale Umweltsituation“ ist es, politisches Handeln nachzuvollziehen und einen tieferen Einblick in internationale Politik zu bekommen. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf globalem Bodenschutz. Jede*r der 15 Teilnehmer*innen des Moduls, inklusive der Professorin Dr. Uta Steinhardt, nimmt als Abgeordnete*r eines Landes bzw. einer Union an der UNCCD COP (United Nations Convention to Combat Desertifikation) teil. Dabei sollen die Interessen des eigenen Landes möglichst gut durchsetzt werden.

Am Ende der Konferenz sollte ein gemeinsamer Vertrag, ein Abkommen oder ähnliches stehen, dass von allen unterschrieben und mitgetragen wird.

Teilnehmen können Studierende verschiedenster Studiengänge, wodurch unterschiedliche Fachbereiche zusammenkommen und wovon der Kurs auf jeden Fall sehr profitiert!

Interessant wird das ganze dadurch, dass die einzelnen Studierenden nicht die eigenen privaten Interessen Einbringen sollen (was bei so viel Naturbegeisterten und ökologisch orientierten Studierenden vermutlich recht langweilig würde ;)), sondern vornehmlich anhand einer Rollenbeschreibung vorgehen, die sich an der tatsächlichen aktuellen Boden- und Umweltpolitik des jeweiligen Landes orientiert. Und da sind die Differenzen, Interessenkonflikte und heftige Diskussionen natürlich vorprogrammiert …


Einen kleinen Vorgeschmack dieser Differenzen geben schon die kurzen Eingangsstatements eines jeden Landes - wobei zwischen völliger Ablehnung irgendwelcher verbindlicher Abmachungen bis hin zum dringenden Handlungsbedarf verschiedenste Standpunkte dabei sind.


Unter der Leitung der Exekutiv Sekretärin Monique Barbut (Prof. Dr. Uta Steinhardt) erstreckt sich die Konferenz über insgesamt vier Tage voller Plenarsitzungen, Ländergruppensitzungen, Einzelgespräche (inkl. des Abschlusses neuer Wirtschaftsdeals natürlich) und Pressekonferenzen. Zwischendurch wird das Ganze noch aufgelockert durch verschiedene Site-Events, etwa durch den Besuch von Dr. Irene Heuser, die als Juristin beruflich an solchen Umwelt-Kongressen teilnimmt - nur eben in der echten Politik.

Spannend (und auch ein wenige gruselig) ist es zu sehen, wie rasch sich innerhalb der Gruppe eine gewisse Dynamik und Hierarchien entwickeln. Erstaunlich schnell teilen sich die Abgeordneten in zwei Lager: In einem Raum „Die Industrieländer“ mit den USA, Russland, der EU, China und Deutschland. Im Nebenraum sitzen derweil diejenigen Länder, die wirtschaftlich eher schlechter gestellt sind bzw. auf internationale Unterstützung angewiesen sind, so etwa die Afrikanische Union, Kuba, Spanien, Indonesien und Namibia. Unglücklicherweise sind es zumeist genau diese Länder, für die eine weitgreifende Ausweitung des Bodenschutzes dringend nötig ist …

Obwohl die Rollen ausgelost wurden und somit keine*r ganz nach eigener Präferenz ein Land präsentieren kann, wirken alle mit jeder Sitzung ein wenig sicherer in den Rollen - egal ob leidenschaftliche Verfechter*in von mehr Rechten für Kleinbäuer*innen oder knallharter Kritiker*in am menschengemachten Klimawandel. Nicht zu vergessen die zwei Pressevertreter*innen, die sich im Laufe der Verhandlungen immer mehr trauen, auch mal unbequeme Fragen zu stellen.

Erstaunlicherweise (so zumindest ging es mir) gelingt es im Laufe der Woche und mit zahlreichen intensiven Diskussionen (selbstverständlich darf auch die allgegenwärtige „Gender-Thematik“ nicht fehlen) dann wirklich, ein gemeinsames Papier auszuarbeiten. Und der ein oder die andere entdeckt vielleicht eine ganz neue Seite an sich und vor allem eine Begeisterung für Politik.


Ob es in der „Echten Welt“ tatsächlich so hoch hergeht wie im studentischen Eberswalde, ist natürlich schwer zu sagen. Zumindest sind dort hoffentlich die fachlichen Kompetenzen doch etwas größer als während unseres Spiels, bei dem vielen erst mal auffällt, wie wenig Detailwissen wir dann doch haben. Diese Lücken lassen sich aber zum Glück wunderbar und fast nebenbei innerhalb der Verhandlungen füllen. Ich fürchte, persönlich habe ich bisher noch nie so intensiv über Böden im internationalen Kontext nachgedacht, sondern eher vielleicht über brandenburgische Niedermoorböden. Neben dem schönen Miteinander hat das Modul also voll und ganz das erfüllt, was ich mir beim Titel vorgestellt habe - aber eben in deutlich spaßiger Form denn als klassische Vorlesung.

Und als am Ende alle nach vorne zum Unterschreiben gehen und sich anschließend zum hochrepräsentativen Abschlussfoto aufstellen, wirken viele fast ein wenig Stolz und irgendwie fühlt es sich tatsächlich ein bisschen „echt“ an! ;)