Das Oberlausitzer Heidebräu – Oder: Ein regionales Bier für eine starke Region!

Erfahrungsbericht von RUNerinnen Sara Wichmann, Ruth Vicente, Anika Handke und Viola Debus über ihre Exkursion am 4. und 5. Juni 2019 ins Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaften im Rahmen des Moduls „Praxis Regionaler Nachhaltigkeitstransformation“ bei Prof. Dr. Benjamin Nölting.


Wen und was braucht man, um aus alten Getreidesorten ein regional vermarktetes Bier zu brauen?

Diese Frage haben wir uns gestellt, als wir ins Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaften gefahren sind, um dort Anfang Juni einen Workshop mit den Akteuren der Wertschöpfungskette (WSK) zu regionalen Biersorten aus alten Getreidesorten aus dem Biosphärenreservat zu veranstalten. So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen. Die erste Herausforderung war, dass wir uns darüber klar werden mussten, was genau wir durch den Workshop in Erfahrung bringen wollten.

Dafür brauchen wir zum Ersten Forschungsfragen, die wir wie folgt formulierten:

• Was genau sind regionale Wertschöpfungsketten und wie bewertet man sie? und

• Welche Akteure sind an der WSK des Oberlausitzer Heidebräus beteiligt?


Das Oberlausitzer Heidebräu ist kein gewöhnliches Bier!

Die Braugeste für dieses schmackhafte Getränk heißt Goldthorpe und ist eine alte Getreidesorte, welche direkt im Biosphärenreservat angebaut wird. Dafür ist viel Fachwissen und natürlich auch eine gewisse Experimentierfreude – sowohl beim Braumeister Tobias Frenzel wie auch beim Landwirt Maik Apelt – von Nöten. Doch auch die Mälzerei muss sich speziell auf diese Gerste einstellen können. Das Ergebnis – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und – bis auf den Hopfen – ein regionales Bier – das dazu auch noch wunderbar schmeckt!


Im zweiten Schritt haben wir mit Hilfe der Initiatorin des Projektes bei der Biosphärenreservatsverwaltung, Eva Lehmann, eine Liste aller Akteure erstellt, die maßgeblich an der Wertschöpfungskette beteiligt sind. Anhand dieser Liste und Ergebnissen aus einem ähnlichen Projekt von RUNer*innen aus dem Jahrgang über uns, wurde uns ziemlich schnell klar, dass es Zeit war die Akteure „an einen Tisch“ zu bringen, wie man so schön sagt.


Es lag auf der Hand, wir planen einen Workshop!

Im dritten Schritt ging es also darum zu erfahren, wer mit wem und wie vernetzt ist. Dazu schnappten wir uns unsere Telefone und überzeugten die Akteure von der Wichtigkeit dieses Workshops. Wir luden alle Akteure am 4. Juni ins Haus der Tausend Teiche , das Besucherinformationszentrum und gleichzeitig die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats, ein, damit sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Nach intensiver Vorbereitung auf den Workshop, wofür wir aus einen großen Erfahrungsschatz in unserer Arbeitsgruppe sowie aus unserem Moderationstraining in einem anderen Modul schöpfen konnten, ist ein interaktiver und zielgerichteter Ablauf entstanden, mit dem Ziel aufzuzeigen, ob und wie die Akteure miteinander vernetzt sind und was die nächsten Schritten sein können, um die Vernetzung zu stärken und so die regionale Wertschöpfung zu optimieren.


Wir packten also unsere Taschen und (Moderations-)Koffer und

… fuhren hochmotiviert ins Biosphärenreservat, wo Frau Lehmann uns empfing, mussten aber auch aber ziemlich schnell lernen, dass eine Zusage nicht unbedingt für zahlreiches Erscheinen der Teilnehmer*innen sorgt. So gab es viele Absagen kurz vor Beginn des Workshops. Aber dieser kleine Rückschlag hinderte uns nicht daran, unseren geplanten Workshop stattfinden zu lassen und alles in Erfahrung zu bringen, was wir uns vorgenommen hatten. Die anwesenden Teilnehmer*innen waren einfach mehr gefordert und haben auch super mitgemacht.


Kaffee, Kuchen, Kommunikationswege

Nach einer kleinen Vorstellungsrunde bei Kaffee und Kuchen aus der regionalen Bäckerei Trittmacher, welche ihren Fokus auf das Backen mit alten Getreidesorten aus dem Biosphärenreservat legt, ging es direkt mit einem Schaubild zur Vernetzung los. Es war sehr interessant zu sehen, wie doch noch sehr viele Kommunikationswege über das Biosphärenreservat, genauer gesagt Frau Lehmann laufen. Es wurden immer mehr Akteure genannt, die an der Wertschöpfungskette beteiligt sind.



Leidenschaft für die Goldthorpe

Es war unglaublich wertvoll, aus dem Wissen der anwesenden Teilnehmer*innen zu schöpfen und Einblicke in die regionalen Gegebenheiten, Kontakte, Zusammenarbeit, Konkurrenz, Herausforderungen, Konflikte, Ängste und gesteckte Ziele zu bekommen. Wir konnten sehen und fühlen, welche Leidenschaft hinter dem Anbau und der Verarbeitung dieser alten Getreidesorten steckt und welche Risiken und Chancen sich dahinter verbergen.

An diesem Tag wurden nicht nur Wissen und Erfahrungen ausgetauscht, sondern auch neue Kontakte geknüpft und neue Erkenntnisse gewonnen, auch unter den anwesenden Betrieben!

Konzentriert und interessiert - die Stimmung im Workshop war gut!

Studieren geht über Bier probieren

Während des Workshops wurde natürlich das ein oder andere Heidebräu verköstigt. Der vierte Schritt ist nun unsere Ergebnisse zu analysieren und in Poster-Format darzustellen, welches wir dann dem Biosphärenreservat und allen Akteuren an die Hand geben, damit die im Workshop erarbeiteten Ergebnisse für alle nutzbar und gebündelt vorliegen.


Wenn ihr nun auch Lust auf ein Heidebräu habt und euch noch weiter mit dem Thema beschäftigen wollt, dann geht doch mal auf die Seite des Biosphärenreservates zum Projekt der alten Getreidesorten. Zum Bier von Tobias Frenzel gelangt ihr über diesen Link.


Sommersemestertipp für alle RUNer*innen

Außerdem gibt es die Möglichkeit an diesem Projekt anzuknüpfen und an der Weiterentwicklung beizutragen. Ihr müsst euch kommendes Semester nur für das Wahlpflichtfach „Regionale Nachhaltigkeitstransformation“ bei Prof. Dr. Nölting einschreiben.


Falls ihr an uns als Projektgruppe Fragen habt, zum Workshop, zum Bier (brauen) oder zum Poster (wenn es dann fertig ist) kommt gerne auf uns zu!



photo credits go to Anika Handke