Moor im Mai


photo credits go to Marlene Beer

Am ersten Maifreitag, an ihrem Geburtstag begleitete Dr. Jana Chmieleski eine Gruppe mutiger LaNus in die unerforschten Moore der Uckermark, wo sie sich durchs Unterholz schlugen, mehrere tausend Jahre durch die Zeit reisten und am Ende zwar unversehrt aber ziemlich verschlammt wieder in Eberswalde landeten.


Willkommen im Matsch, äh Moor

Am Tag vor unserer Moorexkursion kommt noch einmal die Erinnerung per E-Mail „Gummistiefel nicht vergessen!“ - zum Glück, denn ein paar Stunden später stecken wir tatsächlich knöcheltief im Matsch. Wobei bei dieser Wortwahl wahrscheinlich jeder Moorkenner die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Genau genommen stecken wir nämlich im Torf, in abgestorbener organischer Substanz, die aufgrund der Wassersättigung nicht mineralisiert wurde.

Der Torf erhält allerdings vorerst nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit – wir sind nämlich damit beschäftigt nicht noch weiter zu versinken und die reiche Flora und Fauna um uns herum zu bewundern. Zwischen Schwarzerlen und Birken wachsen Sumpfveilchen und prächtige Käfer und andere Insekten werden an Hosenbeinen und Jacken entdeckt. Man fühlt sich wie in einem Märchenwald.


Als unser Moor-Guide vom Naturpark Uckermärkische Seen mit echter Begeisterung und Fachwissen beginnt uns mehr über die Moore, ihre Entstehung und ihre Bedeutung zu erzählen, sind Augen und Ohren bald bei ihm.


Moore – Klimahelfer oder Klimasünder?

Die Bedeutung von Mooren ist – abgesehen, davon dass sie vielen Arten Lebensraum bieten – vor allem eine klimatische. In ihrem naturbelassenen Zustanden binden sie große Mengen an CO2. Diese Funktion verlieren sie allerdings bei Trockenlegung, weshalb die gebunden Gase in die Atmosphäre freigegeben werden. Damit können Moore von eigentlichen CO2 Senken zu maßgeblichen Treibern des Treibhauseffektes werden. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise geht durch trockengelegte Moorflächen mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre als durch den gesamten Verkehr.

Das Bundesamt für Naturschutz investiert auf Grund der klimatischen Bedeutung der Moore in deren Wiedervernässung. Mit Hilfe finanzieller Unterstützung konnte der Naturpark Uckermärkische Seen so insgesamt ca. 60 größere und 100 kleinere Moore renaturieren.


„Das Moor hier ist im Eimer“

Mit diesen Worten beschreibt unser Moor-Guide die zweite Fläche, die wir uns auf unserer Exkursion anschauen. Hier sucht man vergeblich nach Sumpfveilchen & Co. Die Flora besteht hauptsächlich aus Brennnesseln und die obere Torfschicht ist bereits zersetzt. Die Bildung von einem Millimeter Torf dauert um die tausend Jahre. Viel schneller geht seine Zersetzung: Wenn die Torfschicht erstmal trocken liegt geht ca. 1 cm pro Jahr verloren.

Mit einer Sonde bohren wir ein paar Meter in die Tiefe, also ein paar tausend Jahre in die Vergangenheit und finden intakten Torf. Darunter: Mudde, also Seesedimente. An dieser Stelle wären wir also früher einmal in einem tiefen See gestanden.


Wartezeit? 1000 Jahre und mehr

Der Naturpark hat das „ruinierte“ Moor noch nicht aufgegeben: Die Rohrleitung, mit der die Fläche höchstwahrscheinlich trockengelegt wurde soll gefunden und verschlossen werden. Bis das Moor wieder seinen ehemaligen Zustand erreicht müssen wir zwar ein paar tausend Jahre warten – allerdings profitiert in dieser Zeit der nahegelegene See, der statt stickstoffreichem Wasser dann wieder frischen Zufluss aus dem Flachgewässer erhalten wird, das sich anstelle des Brennnessel-Moores bilden wird.


Das faszinierende Moor

„Sind noch alle da?“ heißt es, als wir das letzte Moor unserer Besichtigung erreichen, denn der Weg dorthin war abenteuerlich. Wir sind einen Hang runtergerutscht, über einen Baumstamm balanciert (man hätte zwar auch die Brücke nehmen können, aber das wäre natürlich weniger spannend gewesen), jemand ist kurzzeitig im Sumpf stecken geblieben, ein paar Gummistiefel wurden durchnässt und ein Handy musste gerettet werden – aber ja, alle sind noch da.

Was wir heute gelernt haben: Moore sind vielleicht nicht der ideale Ort für einen Spaziergang, vor allem wenn man gerne trockene Füße hat, aber sie sind faszinierend und vor allem sehr, sehr wichtig.


Danke an den Naturpark Uckermärkische Seen und an Fr. Chmieleski für diesen Ausflug und alles Gute zum Geburtstag noch einmal nachtäglich im Namen von Ackerdemiker*in!