Was macht eigentlich Dr. Marie-Rosa Wolber?

Aktualisiert: Juli 13

Unsere Alumni berichten aus ihrer Zeit nach dem Studium. Dieses Mal ÖAMerin Dr. Marie-Rosa Wolber.

Foto: Marie-Rosa Wolber


Was hast Du in Eberswalde studiert?

Ich habe im Masterstudiengang Öko-Agrarmanagement studiert (2013-2015).

Warum hast Du Dich damals für Eberwalde entschieden?

Zum einen fand ich die Kombination aus Theorie und praxisnaher Ausbildung (z.B. durch das Unternehmenspraktikum im 3. Semester) gut. Zum anderen merkte ich, dass ich im Anschluss an das Studium der ökologischen Agrarwissenschaften an der Universität Kassel / Witzenhausen, gerne noch einen weiteren Standort kennen lernen wollte, an dem Ökolandbau gelehrt und gelebt wird.

Wo hast Du während Deines Studiums Praxiserfahrungen gesammelt?

Vor und während des Studiums habe ich viel Zeit auf einem Milchziegenbetrieb verbracht. Dort entstand auch der Wunsch, mich zukünftig theoretisch und praktisch mit der Landwirtschaft und insbesondere mit kleinen Wiederkäuern zu befassen. Darüber hinaus habe ich ein halbes Jahr auf einem Bioland-Schafbetrieb ein Praktikum gemacht. Im Rahmen der Praktika innerhalb des Bachelorstudiums konnte ich auch in einer Demeter-Bäckerei und einer Bioland-Imkerei Einblicke erhalten bzw. tolle Menschen und ihre Arbeit kennen lernen. Anschließend habe ich bei einem Bioland-Berater für Schafe und Ziegen ein dreimonatiges Praktikum gemacht. Während des Masterstudiums konnte ich beim LKV-Baden-Württemberg ein dreimonatiges Praktikum absolvieren und Vorbereitungen für die Masterarbeit treffen.

Worüber hast Du deine Abschlussarbeit geschrieben?

Im Rahmen meiner Masterarbeit (2015) habe ich mich mit der ökonomischen Bewertung der Milchleistungsprüfung (MLP) für Milchziegen befasst. Hierfür wurden MLP-Ergebnisse dreier landwirtschaftlicher Milchziegenbetriebe ausgewertet und die Arbeitszeit während der MLP erfasst. Zunächst habe ich untersucht, welcheHandlungsempfehlungen sich hinsichtlich der Leistung, Fütterung und Tiergesundheit aus den Ergebnissen ableiten lassen. Weiterhin bin ich der Frage nachgegangen, welcher ökonomische Nutzen und welche Kosten der MLP sich für die Beispielsbetriebe ableiten lassen. Und im Anschluss daran ging ich der Frage nach, ob eine monetäre Bewertung der MLP für die untersuchten Betriebe möglich ist. Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Jens Pape und PD. Dr. Pera Herold (Uni Hohenheim) konstruktiv und sehr gut betreut.

Und was war dein Ergebnis?

Es konnte bestätigt werden, dass die Durchführung der Milchleistungsprüfung (MLP) die Möglichkeit bietet, die resultierenden Ergebnisse als Managementinstrument für die Fütterung und die Überwachung der Tiergesundheit zu verwenden. Grundsätzlich konnte ermittelt werden, dass die Teilnahme an der MLP Gebühren und Lohnkosten für den vermehrten Arbeitsaufwand mit sich bringt. Für eine Weiterentwicklung der Zuchtwertschätzung, eine Verbesserung der Sicherheit dieser und für das zielführende Management einer Milchziegenherde sind die MLP-Ergebnisse allerdings unabdingbar. Die Berechnung eines konkreten, monetär zu erfassenden Nutzens konnte nicht erfolgen. Es zeigt sich allerdings, dass die Teilnahme an der MLP viele Vorteile mit sich bringt, die sich positiv auf die Ökonomie eines Betriebes auswirken können. Beispielsweise sei an dieser Stelle der Einfluss der Fütterung und der Tiergesundheit auf die gesamte Lebensleistung eines Tieres zu nennen, die gerade im ökologischen Landbau eine große Rolle spielen sollte.

Wo hat es dich nach dem Studium hingezogen? 

Im Anschluss an das Studium in Eberswalde habe ich zunächst eine Zeitlang auf zwei landwirtschaftlichen Milchziegenbetrieben gearbeitet. In dieser Zeit sollte im Rahmen des Projekts GoOrganic (Entwicklung eines nachhaltigen Zuchtprogramms "Ziegen für den ökologischen Landbau") eine Doktorandenstelle an der Universität Hohenheim besetzt werden. Nach der Zusage tauschte ich erneut Heugabel und Klauenschere gegen Bücher und Bürostuhl, um mich den Fragen der nachhaltigen Ziegenzucht zu widmen.

Und nun also die Promotion! Worüber hast Du promoviert?

Im Wesentlichen war innerhalb der Dissertation das Ziel, Grundlagen für die Entwicklung eines Zuchtprogramms für nachhaltige Ziegenzucht zu schaffen. Insgesamt wurde nach Merkmalen gesucht, die es ermöglichen, sowohl die Robustheit und Gesundheit der Tiere als auch die Effektivität innerhalb eines langen Lebens abzubilden. Es wurde der Frage nachgegangen, ob eine Eignung vorliegt, um Laktationen verlängert aufrecht zu erhalten, oder ob hier lediglich Managementfaktoren wirken. Weiterhin wurde untersucht, welche Faktoren einen Einfluss auf die Nutzungsdauer und die Lebenseffektivität der Milchziegen haben und welche Erblichkeiten für die untersuchten Merkmale vorliegen.

Erzähl mal, wie war die Zeit für dich.

Es war insgesamt eine sehr lehrreiche Zeit für mich. Sowohl was die zu bearbeitende Thematik betrifft, als auch die persönliche Entwicklung. Sich über einen langen Zeitraum mit einem Thema zu befassen und die eigene Arbeit immer wieder bewerten zu lassen, Ergebnisse erneut zu rechnen und Publikationen umzuschreiben, kann die eigene Geduld stark auf die Probe stellen. Doch wenn dann allerdings alles geschafft ist, kann man sich auch wirklich darüber freuen. Weiterhin war es in diesem Prozess eine Bereicherung zu merken, auf wen ich mich verlassen kann und wer auch in schwierigen Zeiten zu mir steht.

Wie geht es jetzt für dich weiter?

Das Projekt GoOrganic wurde um zwei Jahre verlängert und ich bin dort nun weiterhin als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt. Ziel ist es, die Ergebnisse in die Praxisbetriebe zu bringen und diese hinsichtlich der Ziegenzucht bundesweit besser zu vernetzen.

Was nimmst du aus Eberswalde mit?

Aus Eberswalde nehme ich mit, dass die praktische Verknüpfung zur Theorie unabkömmlich ist und dass gerade das Bearbeiten von Fragestellungen in Lerngruppen langfristig positive Lernerfolge mit sich bringen kann. Die Zeit in Eberswalde hat mir ebenfalls gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich Lehrende und Studierende vorurteilsfrei und auf Augenhöhe begegnen. Im Rahmen des Studiums in Eberswalde durfte ich ganz tolle Menschen kennen lernen. Für die entstandenen Freundschaften und schönen Begegnungen bin ich sehr dankbar.

An welches Ereignis aus deiner Studienzeit erinnerst du dich gerne?

Insgesamt erinnere ich mich gerne an die Fahrradtouren zu den umliegenden Seen und an lange Spaziergänge am Finowkanal während der Zeit in Eberswalde.

Hier gibt's nen Link zur Promotions-Gratulation.