Zu Tisch bei ... Frederic Goldkorn


In unserer neuen ackerdemiker.in Reihe "Zu Tisch bei ..." besuchen wir unsere Forschungsmitarbeiter*innen an ihrem Schreibtisch. An unserem Fachbereich arbeiten aktuell circa 30 Menschen in unterschiedlichen Forschungsprojekten(wuhu!) und wir Studierende fragen uns in der Mensa // auf dem Campus natürlich oft: Wer sind diese Menschen und was machen sie hier? 

Mit unserer neuen Beitragsreihe wollen wir das Rätsel um (noch) unbekannte Gesichter am Fachbereich auflösen und schauen, ob Wissenschaftler*innen Schreibtische ein wenig ordentlicher sind als unsere...


Beginnen möchten wir mit Frederic Goldkorn, er forscht an unserer Hochschule zum unverpackten Einkaufen im Lebensmitteleinzelhandel. Im Rahmen eines BMEL/BÖLN-Projektes untersucht er zusammen mit Dr. Melanie Kröger und Prof. Dr. Jens Pape die aktuellen Unverpackt-Konzepte in Deutschland – und das Potenzial, was diese für den Umweltschutz und die Ressourcenschonung haben können.


Hallo Frederic, was liegt heute auf deinem Schreibtisch?

Für unseren 3. Workshop, der in 2 Wochen in Hamburg stattfindet, muss ich noch viel organisieren: Teilnehmerlisten, Leute zusammenbringen und die letzten Ladner abtelefonieren, die immer noch keine Rückmeldung gegeben haben – wie erwarten insgesamt knapp 30 Ladner*innen aus Deutschland und Österreich. Falls ich damit heute fertig werde, wovon ich jetzt mal ausgehe, werde ich noch unsere Experten einladen und Leute briefen… es dreht sich heute also alles um den nächsten Workshop.


Woran arbeitest du denn gerade?

Da muss ich überlegen, wie der aktuelle Arbeitstitel gerade ist. „Der unverpackte Supermarkt – Precycling im Einzelhandel“ – wir nennen es aber der Einfachheit halber „Projekt Unverpackt“. Ich arbeite gerade – neben der Vorbereitung des Workshops - an einer Produktestudie und untersuche die Herausforderungen für unverpackt-Wertschöpfungsketten von verschiedenen 10 Produkten.


Wie bist du zu dem Projekt gekommen?

Ich bin vor 3 Jahren nach Berlin gezogen, gerade als „Original Unverpackt“ sehr präsent war. Ich hatte Milena [eine der Gründerinnen des Ladens] schon mal angeschrieben, weil die ein Franchising starten wollten. Ich selber habe unter anderem Logistik studiert und meinte, dass ich mich gerne an dem Projekt beteiligen würde, wenn sie Bedarf an unverpackter Logistik haben. Ich habe dann aber was Eigenes gestartet und angefangen krummes Gemüse zu verkaufen. Dadurch habe ich mir ein Netzwerk zu verschiedenen Ladnern aufgebaut. Dann habe ich zufällig die Stellenausschreibung der HNEE gesehen und gedacht: Das passt ja richtig gut. Ich wollte sowieso gerne wieder mehr auf der theoretischen Ebene arbeiten und hatte genug Abstand zu meiner Masterarbeit, so dass ich Forschung auch wieder attraktiv fand.


An euren Workshops nehmen also Ladeninhaber*innen teil und tauschen sich darüber aus, wie sie verschiedene Herausforderungen angehen können?

Genau. Wir versuchen uns bei den Workshop-Formaten nicht einfach vorn hinzustellen und sie zu belehren was „unverpackt“ bedeutet, weil die Ladeninhaber das selbst deutlich besser wissen. Aber wir geben Denkanstöße. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Probleme aufzuzeigen und dann gemeinsam Lösungsansätze zu finden. Das ist denke ich ein gutes Beispiel für Transfer, wie wir ihn hier an der HNEE verstehen.


Hat das schon Früchte getragen?

Ich glaube schon. Wir hatten beim letzten Workshop ein paar Leute, die kurz vor ihrer Ladeneröffnung standen und meinten, dass es für sie extrem hilfreich war.

Und wir stehen jetzt gerade kurz davor die Ergebnisse unserer Fallstudien (z.B. Produkte- und Konsument*innenstudie) zu veröffentlichen und Praxistipps zu formulieren. Wir haben zum Beispiel zehn kritische Produkte untersucht, deren Nicht-Verpackung problematisch sein könnte. Zwar kam am Ende heraus, dass fünf dieser Produkte von den Ladnern gar keine Herausforderung sind und man deswegen auch schlecht Verbesserungsvorschläge machen kann. Dafür gab es bei anderen Produkten interessante Inputs. Schokolade ist so ein Thema. Dann vergleichen wir: Was brauchen die Händler und was können die Hersteller leisten?


Hast du auch Kontakt zu unseren Student*innen?

Ja, wir haben im Projekt auch immer wieder Abschlussarbeiten ausgeschrieben. Es ist ja schön, wenn Studis für und mit uns mal in eine reale Problematik eintauchen können. Gerade betreuen wir eine Masterarbeit, bei der es um Marketing ohne Verpackung geht. Das ist in diesem Bereich etwas ganz Spannendes. Normalerweise hast du immer eine Verpackung auf der einerseits die Kennzeichnungsdaten stehen und mit der sich andererseits dein Produkt von den anderen abhebt. Im Unverpackt-Laden sieht alles gleich aus und du siehst nur noch das fertige Produkt. Und das ist auch für Produzenten natürlich etwas Schwieriges, weil die ihre Marke im Lebensmittelhandel aufbauen wollen.


Was war denn die schönste oder lehrreichste Erfahrung bis jetzt?

Ich glaube die schönsten Erfahrungen waren im zweiten Workshop, als man merkte, dass die Leute super dankbar sind für die Vernetzung, die wir zwischen den verschiedenen Läden geschaffen haben. Wir haben aber auch Probleme aufgezeigt und dafür gesorgt, dass diese gemeinschaftlich angegangen werden. Lehrreich… [lacht] ja, man merkt in so einem Projekt relativ schnell, dass alles etwas länger dauert als wenn man Sachen selber in der Hand hat. Man ist auf die Zuarbeit angewiesen und muss den Leuten aber auch gleichzeitig immer den Nutzen aufzeigen. Wenn man es schafft das gut zu kommunizieren, ist die Mitarbeitsbereitschaft auch ein bisschen höher.



Update #1: Frederics intensive Vorbereitung für den Hamburger Workshop hat sich gelohnt. Teilnehmer*innen und Organisator*innen liefern uns den Fotobeweis: