Zu Tisch bei...Ingmar Schröter


In unserer ackerdemiker.in Reihe "Zu Tisch bei ..." besuchen wir unsere Forschungsmitarbeiter*innen an ihrem Schreibtisch. An unserem Fachbereich arbeiten aktuell circa 30 Menschen in unterschiedlichen Forschungsprojekten und wir Studierende fragen uns in der Mensa // auf dem Campus natürlich oft:

Wer sind diese Menschen und was machen sie hier?

Mit dieser Beitragsreihe wollen wir das Rätsel um (noch) unbekannte Gesichter am Fachbereich auflösen und schauen, ob Schreibtische von Wissenschaftler*innen ein wenig ordentlicher sind als unsere.

Nach unserem letzten Gespräch mit Ann-Kristin von Saurma-Jeltsch geht es weiter mit Ingmar Schröter. Er arbeitet in dem Forschungsprojekt „Präzise Kalkung in Brandenburg (pH-BB)“ .


Was und wo hast du studiert?

Mein Diplom habe ich 2004 an der Universität Potsdam in Geoökologie begonnen und 2012 abgeschlossen. Während meines Studiums interessierte ich mich besonders für Bodenhydrologie, Bodenlandschaftsmodellierung und Umweltstatistik. Meine Diplomarbeit schrieb ich am ZALF in Müncheberg, wo ich mich mit dem Thema Wassererosion beschäftigte. Für einen landwirtschaftlichen Schlag in Märkisch Oderland (MOL) leitete ich mit Hilfe eines Erosionsmodells Erosionsschutzmaßnahmen ab.


Wie kamst du an die HNEE?

2012 habe ich meine Promotion am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig begonnen. Da mein Promotionsvertrag dann ausgelaufen ist, brauchte ich einen neuen Job. Die Stelle an der HNE im pH-BB Projekt fand ich 2017 auf dem Jobportal Greenjobs mit dem Thema Bodenlandschaftsmodellierung und Geodatenanalyse, was perfekt auf mich zugeschnitten war. Nach einem Vorstellungsgespräch bei Prof. Dr.-Ing. Eckart Kramer und Dr. Robin Gebbers, bekam ich sehr schnell eine Zusage und nahm die Forschungsstelle an. Meine Promotion schreibe ich in meiner Freizeit gerade noch zu Ende, parallel zum Job in Eberswalde. Das heißt ich bin quasi Teilzeiteberswalder. Zwei bis drei Tage die Woche arbeite ich an der HNE und habe die Möglichkeit bei guten Freunden im Gästezimmer unterzukommen. Die restliche Zeit arbeite und lebe ich mit meiner Familie in Leipzig. Dass die Stelle teilzeitfähig und familienkompatibel ist, war einer der Hauptgründe warum ich sie angenommen habe. Familie und Job unter einem Hut zu bekommen, hat für mich oberste Priorität und an der HNE fühle ich mich sehr gut aufgehoben.


Worum geht es in Deinem Forschungsprojekt?

Das Projekt in dem ich arbeite, heißt „Präzise Kalkung in Brandenburg (pH-BB)“ und hat im Einzelnen das Ziel, die Kalkdüngung durch den Einsatz mobiler Bodensensoren zu verbessern. Damit der Einstieg und die Umsetzung der präzisen Kalkung in Brandenburg erfolgreich gelingt, konzipieren wir für Landwirte und Dienstleister ein Handbuch und eine Workshop-Reihe, in denen die Grundlagen und das nötige Handwerkzeug dazu vermittelt werden, und entwickeln darüber hinaus noch eine nutzerfreundliche Webanwendung (App), die den Landwirten bei der Kalkdüngung unterstützend zur Seite steht. Die Regulierung des pH-Werts durch Kalkdüngung ist pflanzenbaulich besonders wichtig, da dieser die Verfügbarkeit von Nähr- und Schadstoffen beeinflusst und sich unter anderem auch stabilisierend auf die Bodenstruktur auswirkt. Ist der Boden zu sauer, können Ackerkulturen schlechter wachsen, was wiederum geringere Erträge zur Folge hat. Die genaue Bestimmung des pH-Werts und der Bodenart sind für die Erhaltung von fruchtbaren Böden entscheidend. In Brandenburg z.B. weisen nur ca. 1/3 der Böden einen optimalen pH-Wert auf.

Mithilfe von mobilen Sensorplattformen kartieren wie die Böden und versuchen anhand der gemessenen Daten herauszufinden, wo saure (pH-Wert < 6.5) Bodenareale vorkommen, um diese mit der richtigen Menge an Kalk zu versorgen. Dafür nehmen wir selbst Bodenproben und lassen den pH-Wert, den Humusgehalt und die Bodenart im Labor bestimmen. Mit den Sensoren können wir die elektr. Leitfähigkeit bzw. Widerstand, die Gammaaktivität oder die Reflektanz der Böden messen und so über statistische Modelle und wenigen Bodenproben, die benötigte Kalkmenge für alle Bodenareale eines Feldes berechnen. Die auf diese Weise berechneten Kalkapplikationskarten können von den Landwirten direkt in der Praxis zum Einsatz kommen, damit der Kalk bedarfsgerecht an Ort und Stelle ausgebracht wird.


Was genau liegt heute auf Deinem Schreibtisch?

Heute liegen 2 Laptops auf meinem Tisch, mit denen hart die statistische Datenanalyse betrieben wird. Ich muss eine gute statistische Beschreibung des Zusammenhangs zwischen Sensordaten und Laborwerten (Bodenproben) hinbekommen. Für einen Schlag soll eine Bodenkarte für den pH-Wert, die Bodenart und den Humusgehalt entworfen werden. Die Bodenkarten bilden die Grundlage für Berechnung der Kalkdüngungsmenge.


Was ist für Dich das schönste an diesem Projekt?

Mir gefällt die gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Projektmitgliedern. Ich merke, dass meine Kollegen sehr motiviert sind und wir gemeinsam was erreichen wollen. Das spornt mich sehr an. Jeder macht ein bisschen mehr als er müsste und steckt viel Herzblut rein. Außerdem arbeite ich gerne in Eberswalde. Der Stadtcampus ist ein sehr angenehmer, ruhiger und grüner Standort.


Hast Du auch ab und an Kontakt zu den Studierenden?

Bisher hielt ich dreimal eine Vorlesung im Wahlmodul Verfahrenstechnik und Ressourcenmanagement, im Master Ökoagrarmanagement. Dort stellte ich den Studierenden das pH-BB Projekt vor und mit besonderen Fokus auf die im Projekt eingesetzten Sensoren und ihrer Verarbeitung und Generierung zu Bodenkarten.


Gibt es auch Transferaktivitäten, in und aus der Praxis?

Ich habe bereits zwei projektinterne Workshops gegeben, wo ich das Statistikprogramm R und die Erstellung von Kalkapplikationskarten gelehrt habe. Nächstes Jahr gibt es im Rahmen des Projektes und in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen einen QGis-Kurs für Landwirte und Agrardienstleister. Die Zielgruppe sind in der Regel Landwirte. Es ist wichtig, dass ein Wissenstransfer unserer Ergebnisse in die Praxis gelangt, weil ohne diesen Schritt wäre das Projekt sinnlos. Ein Folgeprojekt wäre für mich absolut erstrebenswert, denn damit könnten unsere Entwicklungen und Empfehlungen in die Breite getragen, und an weiteren Standorten installiert werden.