Zu Tisch bei ... Josephine Lauterbach




In unserer ackerdemiker.in Reihe "Zu Tisch bei ..." besuchen wir unsere Forschungsmitarbeiter*innen an ihrem Schreibtisch. An unserem Fachbereich arbeiten aktuell circa 30 Menschen in unterschiedlichen Forschungsprojekten und wir Studierende fragen uns in der Mensa // auf dem Campus natürlich oft: Wer sind diese Menschen und was machen sie hier? 

Mit dieser Beitragsreihe wollen wir das Rätsel um (noch) unbekannte Gesichter am Fachbereich auflösen und schauen, ob Schreibtische von Wissenschaftler*innen ein wenig ordentlicher sind als unsere.


Nach unserem letzten Gespräch mit Gerlinde Behrendt über alternative Finanzierungsmöglichkeiten, geht’s heute mit Josephine Lauterbach um altes Jemüse. Sie forscht seit Januar 2018im Rahmen eines BMEL/BÖLN-Projektes zusammen mit Dr. Christina Bantle, der Humboldt Universität Berlin (HU) und dem Verein zur Rekultivierung Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN) zu alten Gemüsesorten.


Hallo Josephine, was liegt heute auf deinem Schreibtisch, woran arbeitest du gerade?

Ich hab im Mai und Juni Fokusgruppendiskussionen mit an alte Gemüsesorten interessierten Verbraucher*innen durchgeführt. Als erstes Ergebnis kann ich sagen, dass Verbraucher*innen vor allem am Geschmack alter Sorten interessiert sind und ihnen sehr positive Eigenschaften zusprechen, z.B. halten sie sie für gesünder als moderne Sorten. Guckt man sich aber an, wie Initiativen derzeit für alte Sorten werben, wird z.B. stark betont, dass alte Sorten vom Aussterben bedroht oder warum sie für unser für die Stabilität der Landwirtschaft wichtig sind. Das sind natürlich auch interessante Aspekte, die Kommunikation für alte Gemüsesorten muss sich aber noch stärker an den Bedürfnissen der Verbraucher*innen orientieren.

Jetzt möchte ich herausfinden, ob sich diese Trends auch mit einer größeren Teilnehmerzahl bestätigen und konzipiere grade eine quantitative Umfrage.Die wird dann im Februar durchgeführt. Außerdem möchte ich mich mit ähnlichen Initiativen in der Schweiz und in Österreich austauschen, um deren Erfahrungen in der Vermarktung alter Sorten mit in mein Forschungsprojekt zu integrieren. Dafür konzipiere ich gerade einen geeigneten Fragebogen.


Wie bist du zum Projekt gekommen?

Ich habe meinen Bachelor in Umwelt und Ressourcenmanagement in Cottbus gemacht und meinen Master, Ökoagrarmanagement, hier an der HNEE. Meine Masterarbeit habe ich bei Christina Bantle zum Thema Bier und alten Braugerstesorten geschrieben (wer sich erinnert, das Thema hatten wir hier schonmal). Als ich fertig war, wurde gerade die Projektstelle ausgeschrieben und ich hab mich direkt beworben und dann ging das gut ineinander über.


Wie läuft die Arbeit im Projektteam?

Wir sind ja zu dritt, HNEE, HU und VERN. Ich kümmere mich sehr stark um den Vermarktungsteil von alten Gemüsesorten , der VERN hat Kontakt mit den Erzeuger*innen mit denen sie alte Gemüsesorten anbauen und die Kolleg*innen der HU kümmern sich um den züchterischen Teil.


Was ist euer Ziel, deine Arbeit?

Das Projekt läuft bis November 2020 und dann soll bei unserem Kooperationspartner, der BIOCOMPANY, alte Gemüsesorten in den Verkaufsregalen liegen. Für diese Markteinführung mache ich ein Kommunikationskonzept. Ich rede mit Verbraucher*innen und frage nach Motiven für den Kauf alter Gemüsesorten, was sie sich drunter vorstellen. Um zu gucken, worauf muss in der Vermarktung Wert gelegt werden. Ein weiteres Ziel ist auch, dass die alten Sorten für die Züchtung zur Verfügung gestellt werden und daraus neue „alte“ Sorten gezüchtet werden.


Hast du auch Kontakt zu Student*innen?

Aktuell ist auf EMMA+ eine Masterarbeit zum Thema alte Gemüsesorten ausgeschrieben. Dabei geht es nicht um die Vermarktung des Gemüses via Bioeinzelhandel sondern über die Solidarische Landwirtschaft (SOLAWIs) . Ich finde das wäre eine sehr gute Ergänzung zu unserem Projekt und hoffe dass sich jemensch dafür findet. Wenn wir 2020 mit den Produkten am Markt sind und ich eine quantitative Erhebung mache, kommt auch nochmal das ein oder andere Thema für eine Abschlussarbeit auf den Tisch.

Außerdem probiere ich studentische Mitarbeiter*innen in das Projekt mit einzubringen. Z.B. hat mich die RUN Studentin Zina Zaimeche bei der Durchführung der Fokusgruppendiskussionen tatkräftig unterstützt.


Was war denn die schönste oder lehrreichste Erfahrung bis jetzt?

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist ja, herauszufinden wie wir Verbraucher*innen wieder für alte Gemüsesorten begeistern können und auch die Wertschätzung für alle, die an der Erzeugung beteiligt sind, zu steigern. So richtig bewusst wurde mir das bei einem Workshop mit unseren Erzeuger*innen und einem Kultursaat Züchter beim VERN. Es war unglaublich spannend zu sehen, wie viel Arbeitund Fachwissenin der Pflanzenzüchtung stecktund mit wieviel Herzblut sich die Erzeuger*innen, mit denen wir im Projekt kooperieren, für das Thema alte Sorten einsetzen.