• Christina Mayr

Zu Tisch bei...Charlotte Kling

Aktualisiert: Feb 3



In unserer ackerdemiker.in Reihe "Zu Tisch bei ..." besuchen wir unsere Forschungsmitarbeiter*innen an ihrem Schreibtisch. An unserem Fachbereich arbeiten aktuell circa 30 Menschen in unterschiedlichen Forschungsprojekten und wir Studierende fragen uns in der Mensa // auf dem Campus natürlich oft:

Wer sind diese Menschen und was machen sie hier?

Mit dieser Beitragsreihe wollen wir das Rätsel um (noch) unbekannte Gesichter am Fachbereich auflösen und schauen, ob Schreibtische von Wissenschaftler*innen ein wenig ordentlicher sind als unsere.

Nach unserem letzten Gespräch mit Ingmar Schröter, geht es weiter mit Charlotte Kling. Sie arbeitet in den Forschungsprojekten „Präzise Kalkung in Brandenburg (pH-BB)“ und „Kompetenz- und Praxisforschungsnetzwerk zur Weiterentwicklung des Nährstoffmanagements im Ökolandbau (NutriNet)“.


Was und wo hast du studiert?

Ich habe von 2011 bis 2015 an der HU Berlin den Bachelor „Agrarwissenschaften“ studiert. Während meines Bachelors habe ich ein Praktikum auf einem Ökobetrieb in Österreich gemacht und wusste dadurch, dass ich mich im Master auf „Öko“ spezialisieren will. Im Master „Öko-Agrarmanagement“ an der HNE in Eberswalde konnte ich die Brandenburger Ökobranche kennenlernen und gleichzeitig Stationen am Organic Research Centre in England und Thünen Institut für Ökolandbau in Trenthorst einlegen. Das war ein toller Mix.


Wie bist du an die HNEE gekommen?

Im Master hatte ich das Gut Wilmersdorf schon über die Forschungsstation kennengelernt und konnte dort 2017 direkt im Anschluss eine Stelle im Projekt „Präzise Kalkung in Brandenburg (pH-BB)“ antreten. In diesem Projekt habe ich auch Kolleg*innen die an der Hochschule arbeiten. Seit Juli 2019 bin ich außerdem an der HNEE im Projekt „NutriNet“ beschäftigt.


Könntest du ein bisschen von deinen Projekten erzählen?

Über „Präzise Kalkung in Brandenburg (pH-BB)“ habt ihr bereits in eurem Beitrag „Zu Tisch bei Ingmar Schröter und Anne Nagel“ genauer berichtet, deshalb nur kurz zu meiner Rolle. In diesem Projekt bin ich als Wissenschaftlerin auf einem Praxisbetrieb angestellt, was eine sehr spannende Kombination ist. Von hier aus plane und führe ich die Praxisversuche in diesem Projekt durch. Ich bin dabei die Schnittstelle und manchmal auch Übersetzerin zwischen Praxis und Wissenschaft.

Nun zu dem Projekt „NutriNet“. Darin baue ich für die Region im südöstlichen Brandenburg ein Netzwerk mit zehn Ackerbaubetrieben auf, die ihr Nährstoffmanagement im Ökolandbau verbessern wollen. Das passiert in Deutschland gerade sechs Mal und ist damit ein ziemlich großes bundesweites Projekt. Die Landwirte sollen sich mit ihrem Erfahrungswissen gegenseitig beraten und durch mich, als Regioberaterin, die Schnittstelle zur Wissenschaft bekommen, sodass auch dieses Wissen zu den Landwirten gelangen kann. So wollen wir betriebsindividuelle Lösungen finden.

Wir als Regiogruppe Brandenburg treffen uns drei Mal im Jahr auf einem der Betriebe, um unsere „Field Schools“(Gruppenberatung) durchzuführen. Dabei hat der Gastgeber die Gelegenheit, eine seiner Erfolgsgeschichten zu erzählen und eine oder zwei seiner aktuellen Problemstellungen in die Gruppe zu bringen. Jeder Landwirt wird dann zum Berater und ich bin gleichzeitig Moderatorin und Beraterin. Aus diesem Prozess ergeben sich Fragestellungen, die wir in Praxisforschungsversuchen auf den Betrieben beantworten wollen. Dabei unterstütze ich die Betriebsleiter und bin ihre erste Ansprechpartnerin.

Die Koordinationsarbeit findet überwiegend vom Schreibtisch aus statt, aber ich bin froh, so nah an der Praxis zu arbeiten.


Was liegt gerade auf deinem Schreibtisch?

Im Moment bereite ich verschiedene Sachen vor. Zum einen eine erste Datenerfassung auf den Betrieben, die ich alle im Januar und Februar besuche. Außerdem müssen die Praxisversuche, die wir dieses Jahr durchführen wollen, genau geplant werden. Dafür haben wir uns Ende letzten Jahres zum ersten Mal mit den Landwirten getroffen, um die Bedarfe und Fragestellungen der Landwirte zusammen zu tragen. Im Februar findet außerdem eine Exkursion zum Thema Agroforst statt, die ich mit meiner Kollegin Sabrina Scholz vom CroppingSchool-Projekt, einem Netzwerk aus Ökobetrieben in der Uckermark organisiere. Da bringe ich alles unter einem großen Hut zusammen.


Was findest du an deinem Projekt am schönsten?

Ich will mit den Landwirten zusammenarbeiten und deren Bedürfnisse sollen mein Arbeitsauftrag sein. Das ist greifbar und man sieht direkt einen Nutzen. Wir bearbeiten auch die Methode der Gruppenberatung und die Methode der Praxisforschung und beides so zu entwickeln, dass es für die Landwirte am besten ist, finde ich das Spannende daran. Außerdem gibt die Dynamik in einer Gruppe besonders viel Energie zurück. Und nicht zu vergessen sind meine tollen Freund*innen und Kolleg*innen im Büro und auf dem Gang, mit denen ich zum Teil schon vorher zusammen gearbeitet oder studiert habe.


Bist du auch in der Lehre tätig oder hast Kontakt zu Studierenden?

Lehre mache ich bisher noch nicht, vielleicht kommt das noch. Kontakt zu Studierenden habe ich insofern, dass manche Betriebe Praktika für HNEE Studierende anbieten. In Zukunft werden auch Abschlussarbeiten über „NutriNet“ ausgeschrieben werden, um die Landwirte bei den Praxisversuchen zu unterstützen. Diese werde ich dann mit betreuen.


Gibt es Transferaktivitäten in und aus der Praxis?

Den Transfer gibt es von unserer Praxisgruppe zu anderen Landwirten, wenn unsere Landwirte von der Arbeit im Projekt „NutriNet“ erzählen. Außerdem wird es einen jährlichen „NutriNet“ Feldtag geben, bei dem die Gruppe für andere Interessierte geöffnet wird. Oder die Agroforstexkursion, die ich gerade organisiere, die ist auch offen für andere Landwirte. Das sind die Schnittstellen, mit denen wir noch mehr Betriebe erreichen können.


Vielen Dank Charlotte!